Fragen & Antworten

Vormünder dringend gesucht: Diese Fakten sollten Sie kennen

Minderjährige ohne Eltern brauchen einen Vormund, doch in Bremen gibt es nicht genug davon. Welche Aufgaben Vormünder haben, erklärt ein Sozialpädagoge vom DRK.

Ein Flüchtling aus Somalia und seine Vormundin trinken etwas im Ambiente.
Was ist ein Vormund?
Vormünder sind Menschen, die bereit sind, Verantwortung für die Zukunft von Kindern oder Jugendlichen zu übernehmen, die nicht bei ihren Eltern leben. "Procurakids" in Bremen ist damit betraut, ehrenamtliche als Vormünder zu gewinnen. Das Projekt vom Deutschen Roten Kreuz und dem Amt für soziale Dienste steht namentlich für "sich um Kinder kümmern" und geht auf den Fall Kevin zurück. Der Zweijährige war 2006 in Gröpelingen von seinem Ziehvater getötet worden, während das Jugendamt die Vormundschafft inne hatte.
Wer braucht einen Vormund und wofür?
Kinder und Jugendliche, deren Eltern verstorben, erkrankt oder inhaftiert sind oder das Sorgerecht verloren haben, brauchen ebenso einen Vormund wie unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Es geht um Behördengänge und Wohnungssuche, aber auch um medizinische Fragen, beispielsweise um die Erlaubnis eines Tattoos. Gemeinsames Einkaufen und Kochen können ebenfalls zu den Aktivitäten zählen. Kurz: "Es handelt sich um eine Vertretung der Eltern", erklärt der 60-jährige Detlev Bartsch. Seit sieben Jahren ist der Sozialpädagoge Teil eines Teams bei "Procurakids". Er und seine Kollegen beim Roten Kreuz bilden künftige Vormünder aus, begleiten und vermitteln sie.
Warum sind Vormünder schwer zu finden?
"Ehrenamtliches Engagement geht generell zurück", stellt Bartsch fest. Bei der Flüchtlingswelle 2015 gab es viel Hilfsbereitschaft, nun ist das Thema weniger präsent. Allerdings ist der Bedarf bei unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten sowie anderen Kindern und Jugendlichen etwa gleich hoch, so Bartsch. Mindestens zweimal im Jahr gibt es beim DRK Infoveranstaltungen, mal kommen fünf, mal 120 Interessierte.
Wie begleitet "Procurakids" Vormünder?
Es gibt eine Ausbildung an zwei Wochenenden, eines dient der Basisausbildung und eines zur Vertiefung. Hinzu kommen Gruppen- und Einzelcoachings sowie Schulungen. Ein multiprofessionelles Team bestehend aus einer Juristin, einer Psychologin und einem Sozialpädagogen, steht zur Unterstützung bereit.
Was passiert, wenn es dauerhaft zu wenige Vormünder gibt?
Sollte es dauerhaft einen Mangel an ehrenamtlichen Vormündern geben, muss immer eine Amtsvormundschaft für die Minderjährigen da sein. Amtsvormünder können dann bestellt werden und bis zu 50 Mündel haben. "Ehrenamtliche können sich besser kümmern", sagt Bartsch. "Sie haben maximal zwei Mündel. Eine Vormundschaft kann auch von Paaren übernommen werden.
Warum sollte man Vormund werden?
"Vormünder sagen, es ist zwar recht viel Arbeit, aber bereichert ihr Leben", berichtet Bartsch. Sie lernen andere Kulturen kennen, aber auch Amtswege. Die Amtsvormundschaft endet, wenn das Mündel 18 Jahre alt ist, bei Ehrenamtlichen besteht der Kontakt häufig weit länger. "Die Tätigkeit macht viel Spaß, weil es darum geht, jungen Menschen zu helfen", sagt der Sozialpädagoge.
Was grenzt Vormünder von Pflegefamilien ab?
Bei Pflegefamilien leben die Kinder und Jugendlichen, Vormünder sind ihre rechtliche Vertretung. Beides zusammen geht zwar, sagt Bartsch, allerdings würde das zu einer Selbstkontrolle führen. Das Kindeswohl steht immer im Vordergrund. Geht es einem Kind nicht gut, muss der Vormund entscheiden – autark und nach eigenem Ermessen.
Wer kann ehrenamtlicher Vormund werden?
Jeder unbescholtene Bundesbürger. "Es gehören Menschenverstand, Engagement, Verantwortung und Herz dazu. Außerdem ein erweitertes Führungszeugnis und ein Eignungsgespräch", sagt Bartsch. "Dabei gibt es auch Ablehnungen, etwa wenn auffällt, dass es jemand vor allem auf die Machtposition abgesehen hat. Oder darum, eine Abschiebung voranzutreiben", erklärt der Sozialarbeiter. Vormundschaften können auch zurückgegeben werden. Das Familiengericht wacht darüber, dass alles seine Ordnung hat. Natürlich kann auch das Mündel sagen, dass es doch nicht passt. Beide Seiten lernen sich im Vorfeld kennen und kommen nur zusammen, wenn es zwischenmenschlich stimmt.
  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. März 2019, 19:30 Uhr