Bauern-Demo gegen Werbeplakat: Edeka spricht von Missverständnis

"Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten." Dieser Werbeslogan hat Proteste von Bauern hervorgerufen. Kritik kommt auch vom Bremischen Bauernverband.

Rund hundert Traktoren haben eine Blockade des Edeka-Zentrallagers in Wiefelstede errichtet
Mit rund 200 Traktoren wurde die Zufahrt zum Edeka-Zentrallager bei Wiefelstede blockiert. Bild: Nord-West-Media TV/dpa

Der Bremische Landwirtschaftsverband kritisiert eine Werbekampagne des Unternehmerverbundes Edeka. Das Werbeplakat zum 100-jährigen Bestehen von Edeka wirbt mit Komiker Otto Waalkes – und dem Spruch: "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten." Mit dem Slogan hat Edeka den Zorn Hunderter Bauern auf sich gezogen und ungewollt eine Debatte über faire Lebensmittelpreise angestoßen.

"Es ist für uns nicht verständlich und nachvollziehbar, wie ein so großer Konzern wie Edeka eine solche Kampagne herausbringen kann", so etwa Christian Kluge, Geschäftsführer des Bremischen Landesverbands. Wer nach eigener Aussage Lebensmittel liebe, der solle sie und vor allem die Landwirte, die sie produzieren, auch wertschätzen. Ein niedriger Preis sei "ganz sicher kein Maß für Wertschätzung", so Kluge. Für den Verband sei die Wut der Landwirte nachvollziehbar, ihm zufolge würden einige Edeka-Händler die Kritik an der Werbung teilen.

Deutsche Landwirte produzieren qualitativ hochwertigste Lebensmittel und dafür erwarten sie auch zu Recht einen fairen Preis, der ihnen und ihren Familien ein vernünftiges Auskommen sichert. Wer immer mehr in den Bereichen Qualität, Nachhaltigkeit und Tierwohl fordert, dann aber die Lebensmittel zum niedrigsten Preis verramschen will, hat nichts verstanden.

Christian Kluge, Geschäftsführer des Bremischen Landesverbands

Auch der deutsche Bauernverband spricht sich gegen die Werbung von Edeka aus. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass Edeka zu seinem Jubiläum nichts anderes als 'der niedrigste Preis' einfällt", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied am Montag in Berlin.

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Landwirte blockieren Zufahrt zu Edeka-Lager mit Traktoren

Als Reaktion auf die Werbekampagne hatten in der Nacht zu Montag nach Polizeiangaben rund 250 Landwirte mit Traktoren von 21.40 bis 4 Uhr die Zufahrt zum Zentrallager von Edeka im niedersächsischen Wiefelstede (Landkreis Ammerland) blockiert. Laut Rukwied bemängelten sie das durch die Werbung beförderte Verramschen hochwertiger Lebensmittel.

Wertschätzung von Essen und Lebensmitteln erzeugt man damit nicht. Qualität und Nachhaltigkeit oder Zusammenarbeit in der Lieferkette bringt man so nicht nach vorne.

Joachim Rukwied, Verbandspräsident des deutschen Bauernverbandes

Weitere Kritik an der Werbung kam von der niedersächsische Landtagsfraktion der CDU. "Ich erwarte, dass sich Edeka bei den Landwirten entschuldigt, sich von der Kampagne distanziert und diese stoppt", sagte der Fraktionsvorsitzende Dirk Toepffer in Hannover. Lebensmittel hätten einen Preis verdient, der ihren Wert widerspiegele und Landwirten ein vernünftiges Auskommen sichere: "Die Kampagne von Edeka ist beschämend und zeigt, dass der Konzern es nicht verstanden hat."

Edeka: Handelt sich um ein Missverständnis

Nach Angaben von Edeka ist das ein Missverständnis: Gemeint war demnach der Ort Essen bei Oldenburg - nicht Essen im Sinne von Lebensmitteln. Ziel der Kampagne sei, alle Ortschaften, wie etwa auch Minden oder Bremen "individuell anzusprechen", wie Edeka in einer Pressemitteilung erklärte.

Die angekündigten Preisreduzierungen gingen zudem nicht zu Lasten der Landwirte. "Die Plakate, die zu dem Missverständnis geführt haben, wurden nach den ersten Hinweisen umgehend entfernt."

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Januar 2019, 19:30 Uhr