Interview

"Ertrinken ist ein stiller Tod"

In Bremen kann laut DLRG mindestens jedes 5. Kind nach der 3. Klasse nicht sicher schwimmen. Um Kinder — und Erwachsene — vor dem Ertrinken zu schützen, gibt es einfache Regeln.

Ein leerer Pool mit Rettungsring am Rand
Oft ertrinken Menschen unbemerkt, weil sie entgegen der Darstellung in Filmen nicht schreien und mit den Armen rudern. Bild: imago | blickwinkel

Philipp Postulka ist Pressesprecher bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) für den Landesverband Bremen. Im Interview mit buten un binnen erklärt er, was besonders wichtig ist, um den Ernstfall gar nicht erst geschehen zu lassen.

Was ist die wichtigste Regel beim Besuch eines Sees oder eines Freibades?
Egal wie alt das Kind oder der Jugendliche ist, grundsätzlich gilt: Aufmerksam sein! Eltern oder derjenige, der den Ausflug ins Freibad oder an den Badesee begleitet, muss ein Auge auf das Kind haben.
Das ist so einfach und banal, aber wirklich wichtig. Wir hatten in Bremen seit Beginn der Sommerferien bereits sechs Lebensrettungseinsätze an den Badeseen — und sie hätten fast alle verhindert werden können, wenn sich alle an die Baderegeln gehalten hätten.
Mann in DLRG-Shirt
Die wichtigste Regel beim Schwimmen: Aufmerksam sein! Das sagt Philipp Postulka Bild: Radio Bremen
Aber machen Ertrinkende nicht auf sich aufmerksam?
Das ist leider ein Irrglaube. Ertrinken ist ein stiller Tod — nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Die Menschen in Not sind derart erschöpft und meistens in Panik, dass sie nur darauf achten, ihre Atemwege freizuhalten. Bei einem Schockzustand schreit und winkt die Person außerdem auch nicht, da sie darauf fixiert ist, nicht unterzugehen. Das ist reflexgesteuert. Der absolute Regelfall ist leider, dass das Ertrinken niemandem auffällt. Das ist sehr konträr zu dem Bild, was in Filmen vermittelt wird und macht uns die Arbeit vor Ort oft schwer. Wenn jemand einen Krampf auf der Mitte des Sees hat und merkt, dass er langsam nicht mehr kann, wäre das der richtige Zeitpunkt, um sich bemerkbar zu machen. Später ist das oft nicht mehr möglich.
Wie können Eltern zusätzlich zur Aufmerksamkeit dem Ernstfall vorbeugen?
Die wichtigste Regel: Aufmerksam sein! Außerdem sollte wirklich jedes Kind im Alter von fünf bis sechs Jahren das Seepferdchen machen. Darauf sollte dann jedoch auch noch der Freischwimmer, also das Schwimmabzeichen in Bronze, folgen. Denn erst mit diesem kann man sicher schwimmen.
Das Seepferdchen dient eigentlich nur der Wassergewöhnung. Schwimmflügel können zwar helfen, aber sie schützen nicht vor dem Ertrinken. Denn der Kopf kann trotzdem unter Wasser geraten. Außerdem ist es wichtig, die Baderegeln zu kennen. Denn in den Bremer Badeseen gibt es zum Beispiel oft eine Abbruchkante. Da geht es metertief runter und niemand kann dort stehen. Ein ungeübter Schwimmer, der nicht vorsichtig ist, geht da schnell unter.

Autorin

  • Lina Brunnée Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. Juli 2018, 23:22 Uhr

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