Mauer vor der Helenenstraße soll weg

  • Innensenator schlägt Bauressort Abriss vor
  • Eingang zum Rotlichtviertel dreckig und zieht Verbrecher an
  • Sichtschutz soll aber bleiben
Ein Schild mit der Aufschrift "Girls-Club"

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will die umstrittene Mauer vor der "Rotlichtstraße" Helenenstraße bald abreißen lassen. Er habe dem zuständigen Bausenator Joachim Lohse (Grüne) dazu einen Brief geschrieben, teilte das Innenressort mit.

Eine dunkle Ecke sei der Eingang zu Bremens Rotlichtviertel im Steintor, so die Sprecherin des Innensenators zu Radio Bremen. Täglich sammelten sich hinter dem Sichtschutz zur Helenenstraße bis zu drei Kubikmeter Müll. Außerdem hielten sich dort Hehler und Dealer auf. In Gesprächen hätten deshalb alle Betroffenen für einen Abriss des Mauervorsprungs plädiert. Das soll nun "zeitnah" erfolgen. So will es der Innensenator. Zuständig ist allerdings Bausenator Lohse vom grünen Koalitionspartner. Und der hat sich noch nicht geäußert.

Sichtschutz bleibt – vorerst?

Ohnehin geht es Mäurer erstmal nur um den Mauervorsprung. Die beiden Sichtschutzwände zur Helenenstraße sollen zunächst bleiben. Stattdessen will der Innensenator "weitergehende Maßnahmen" ergreifen, um den Rotlichtbezirk und das Steintorviertel sicherer zu machen. Dort war die Kriminalität zuletzt sprunghaft angestiegen.

Jahrzehntelang schützte eine Sichtschutzwand Bremens Rotlichtstraße in der Helenenstraße vor neugierigen Blicken. Aber Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will die Wand entfernen – vor allem, um diesen Bereich besser einsehen zu können. Denn hier tummeln sich besonders viele Kriminelle. Am Donnerstagabend hat es zu diesem Plan eine Diskussionsrunde im Alten Fundamt gegeben. Der Tenor: Die Mauer soll weg. Wann das so entschieden wird, steht allerdings noch nicht fest.

Polizei: Kriminalität hinter der Mauer hat zugenommen

Viele Leute sitzen in einem Raum. Ganz vorne steht eine Frau mit einem Mikrofon. Dahinter sitzen Teilnehmer einer Diskussionsrunde.
Etwa 40 Menschen waren am Donnerstag ins Alte Fundamt gekommen, um die Diskussion über die Zukunft der Hellenenstraße zu verfolgen.

Die Bremer Grünen hatten am Abend zuvor eine Diskussion im Bremer Steintor organisiert. Knapp 40 Anwohner hörten sie sich an. Auf dem Podium saßen unter anderem der Staatsrat im Umweltressort, Ronny Meyer (Grüne), Beate Augustin vom Prostituierten-Beratungsverein Nitribitt und Polizeipräsident Lutz Müller. Und sie alle waren sich einig, dass der Bereich der Helenenstraße heller und besser einsehbar werden soll. Keiner der Diskussionsteilnehmer setzte sich an diesem Abend dafür ein, die Sichtschutzwand auf jeden Fall zu erhalten.

Das hört sich jetzt nach einer guten Aktion an. Wir reißen die Mauer ab, und am Ende ist alles gut. Das ist es einfach nicht.

Björn Fecker, Sprecher für Inneres der Grünen-Fraktion im Bremer Landtag

Polizeipräsident Müller argumentierte mit zusätzlicher Sicherheit, die ein Abriss der Wand mit sich bringen könnte. Müller zitierte aus Statistiken, nach denen es zuletzt mehr Raube, Körperverletzungen und auch mehr Drogendelikte im Bereich der Helenenstraße gegeben hat – alles im Bereich der Mauer. Mit einem Abriss seien diese Probleme aber nicht sofort gelöst, wandte Grünen-Fraktionschef Björn Fecker ein, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm. Fecker sprach sich dafür aus, für mehr Sicherheit auch den Ziegenmarkt und Umgebung ins Visier zu nehmen.

Auch Müll in der Helenenstraße ein Problem

Ein weiterer Punkt ist der Müll, der sich rund um die Schutzwand in der Helenenstraße auftürmt. Der halte inzwischen vernünftige Freier ab, sagte Beate Augustin vom Verein Nitribitt, der Prostituierte berät und betreut. Denen sei übrigens egal, ob der Sichtschutz verschwindet oder nicht, berichtete Augustin. Sie bezweifelte aber, dass Anwohner und Passanten den offenen Anblick von Prostituierten wirklich klaglos hinnehmen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Vier, 15. Dezember 2017, 9:20 Uhr,
buten un binnen, 15. Dezember 2017, 19:30 Uhr,
Hörfunknachrichten, 15. Dezember 2017, 21 Uhr.