"Irgendwas läuft schief": Bremer Forscher sind für härteren Lockdown

  • Merkel fordert Verschärfung der derzeitigen Beschränkungen
  • Bremer Wissenschaftler pflichten Kanzlerin bei
  • Virologe Dotzauer und Epidemiologe Zeeb kritisieren Bremer Haltung
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf den Pflastersteinen vor dem Alten Rathaus, dem Bremer St.-Petri-Dom und der Bremischen Bürgerschaft.
Der Bremer Senat sieht bisher keinen Anlass, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angesichts weiter steigender Corona-Infektions- und Todeszahlen eine Verschärfung der Maßnahmen noch vor Weihnachten verlangt. "Die Zahl der Kontakte ist zu hoch. Die Reduktion der Kontakte ist nicht ausreichend", sagte die Kanzlerin am Mittwoch in der Generaldebatte des Bundestags zum Bundeshaushalt 2021. Selbst wenn man Länder mit sehr starkem Anstieg wie Sachsen herausrechne, gebe es Anstiege. 590 Todesfälle am Tag, wie am Mittwoch gemeldet, seien nicht akzeptabel. "Und weil die Zahlen so sind, wie sie sind, müssen wir etwas tun, und zwar Bund und Länder gemeinsam."

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer pflichtet der Kanzlerin bei: "Irgendwas läuft ja gewaltig schief, wenn man sich die Infektionszahlen anschaut." Generell sei daher ein totaler Lockdown sinnvoll. "Man darf sich nur nicht der Illusion hingeben, dass danach alles sofort wieder gelockert werden kann." Sonst würden die Zahlen dann wieder in die Höhe schnellen.

Auch der Epidemiologe Hajo Zeeb hält einen härteren Lockdown für die einzige Chance, die Infektionslage wirklich zu ändern. "Das gegenwärtige Vorgehen reicht nicht aus. Wir bewegen uns auf 200 Krankenhauspatienten in Bremen hin und sehen hier allenfalls geringe Veränderungen."

Kanzlerin Merkel kritisiert Glühwein-Ausschank

Merkel kritisierte in ihrer Rede auch, dass in vielen Städten, wie in Bremen, improvisierte Glühweinstände aufgebaut werden. "Es tut mir wirklich im Herzen leid, aber wenn wir dafür den Preis zahlen, dass wir Todeszahlen am Tag von 590 Menschen haben, dann ist das nicht akzeptabel aus meiner Sicht." Bremens CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Röwekamp hat dazu eine andere Haltung als die Kanzlerin. Er sprach sich gegen ein Glühweinverbot in Bremen aus, das der Senat Ende November angedacht hatte.

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Dotzauer und Zeeb teilen Merkels Sichtweise. In diesem Jahr müssten die Menschen auf Treffen an Glühweinbuden verzichten. Mit Blick auf Bremen fordert Dotzauer: "Wir dürfen nicht mehr nur auf die eigene Region schauen, wir müssen die Gesamtsituation betrachten." Und die sei nun mal schlecht. Außerdem würden auch in Bremen jeden Tag Menschen sterben. Insgesamt sind im Land Bremen bisher 143 Menschen am oder mit dem Coronavirus gestorben. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hatte noch am Montag zu buten un binnen gesagt, dass das Infektionsgeschehen derzeit keinen Anlass zu schärferen Maßnahmen gebe.

Auch Zeeb ist sich sicher: "Die Buden in der Stadt sind eine rundweg schlechte Idee, mit oder ohne Glühwein." Schließlich solle am besten keine Möglichkeit und Aufforderung seitens der Stadt geschaffen werden, sich zu treffen oder an Orte zu kommen, wo viele andere auch hinkommen werden.

Bremer Ordnungsamt genehmigt Weihnachts-Buden in der Innenstadt

Video vom 7. Dezember 2020
Kleine weihnachtlich geschmückte Häuschen vor dem Einkaufszentrum Waterfront Bremen.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 9. Dezember 2020, 12 Uhr