Fragen & Antworten

Das plant Bremens neuer Polizeichef

Lutz Müller geht, Dirk Fasse kommt: Der neue Bremer Polizeipräsident will die Polizei vielfältiger und moderner machen. Diese Baustellen stehen für ihn an erster Stelle.

Dirk Fasse
Dirk Fasse ist bereits seit 2012 stellvertretender Bremer Polizeipräsident und übernimmt das Amt seines Vorgängers Lutz Müller zum 12. Mai 2021. Bild: Polizei Bremen

Die Polizei solle wieder in feste Hände kommen: Mit diesen Worten gab Bremens bisheriger Polizeipräsident Lutz Müller Anfang März 2021 bekannt, dass er seinen Chef-Posten zum nächst möglichen Zeitpunkt abgeben wolle. Mit ein Grund für Müllers Ausscheiden ist die Verpflichtung, die er zur Bewältigung der Corona-Pandemie in Bremen übernommen hat. Denn seit rund einem Jahr ist der 60-Jährige nicht nur Polizeipräsident und Abteilungsleiter beim Innensenator, sondern auch Leiter des Corona-Krisenstabs.

Nun steht fest: Müllers bisheriger Stellvertreter Dirk Fasse übernimmt mit sofortiger Wirkung den Posten des Polizeipräsidenten. Doch wer ist Dirk Fasse, was sind seine Aufgaben und welche Ziele verfolgt er?

Welche Stationen hat Dirk Fasse bislang in seiner Karriere durchlaufen?
Fasse hat Stallgeruch: Er begann seine Ausbildung 1980 bei der Polizei Bremen. Er ist gebürtiger Niedersachse und studierte an der Hochschule für öffentliche Verwaltung, an der er auch später als Dozent tätig war. Bei der Bremer Polizei führte der heute 59-Jährige unter anderem die Spezialeinheiten, war stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei, Leiter der Schutzpolizei und zuletzt Polizeivizepräsident.
Welche Bereiche und wie viele Mitarbeitende unterstehen dem Polizeipräsidenten?
Dem Polizeipräsidenten ist die gesamte Polizei Bremen unterstellt – vom Kontaktbeamten bis zum Fahnder. Nach dem Stand vom 1. Mai 2021 ist Fasse für insgesamt 2.771 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verantwortlich.
Was sind seine konkreten Aufgaben?
Laut Polizeipressestelle ist Dirk Fasse als Polizeipräsident "für die Sicherheit in allen Bremer Stadtteilen verantwortlich". Er ist Behördenleiter und damit gesamtverantwortlich für die Bremer Polizei. Unter den weiten Begriff der "öffentlichen Sicherheit" fallen Aufgaben wie die Kriminalitätsbekämpfung, aber auch der Katastrophenschutz oder die Verkehrssicherheit. Als Leiter der Abteilung 3 im Innenressort untersteht der Polizeipräsident Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).
Welche Bremer "Baustellen" möchte Dirk Fasse als Polizeipräsident angehen und in welchen Bereichen sieht er besondere Herausforderungen?
Anlässlich der Proteste im Zusammenhang mit der Tod von George Floyd bezeichnete Fasse die Polizei als "Menschenrechtsorganisation", deren vordringliche Aufgabe es sei, jeden Bürger zu beschützen. Vorurteilsfrei als "Bürgerpolizei". Sein ambitioniertes Ziel ist es, eine "Vorreiterfunktion in der Rassismusdebatte" einzunehmen.
Um für Sicherheit in der Stadt zu sorgen, will er insbesondere offene Stellen im Bereich der Kontaktpolizei besetzen. Auf seiner Prioritätenliste steht auch explizit der Kampf gegen Gewalt an Kindern, gegen organisierte Kriminalität und Clankriminalität sowie gegen rechten wie linken Extremismus.
Welche Akzente möchte Fasse innerhalb der Strukturen der Bremer Polizei setzen?
Laut Polizeisprecherin Franka Haedke gibt es für Fasse gleich mehrere Bereiche, die ihm wichtig sind. Er wolle vor allem "den Anschluss nicht verlieren". Will sagen: Die Polizei soll sich als moderner Arbeitgeber zeigen, bei dem man Familie und Beruf unter einen Hut bekommt, der für Vielfalt und gegenseitigen Respekt steht und der seinen Mitarbeitenden hilft, die belastenden Erlebnisse des täglichen Polizeidienstes zu verarbeiten.
Ob Smartphone oder Tablet, ob Bodycam oder Taser, ob Homeoffice oder modernes Büro – die Arbeitswelt der Polizei soll modern und technisch gut ausgestattet sein. Und dabei obendrein noch nachhaltig sein: Fasse plant eine "ökologische Polizei", die zu Fuß, per Rad, möglicherweise auch zu Pferd und mit Elektrofahrzeugen unterwegs ist.
Wie will Dirk Fasse das erreichen und wie möchte er als neuer Polizeipräsident wahrgenommen werden?
"Mit klugem Kopf und großem Herz" will Fasse seinem Team "auf Augenhöhe" begegnen. Besonders wichtig sei Fasse Transparenz und "die Bereitschaft für Veränderungen". So sollen Probleme "offen und klar angesprochen" werden. So ist er beispielsweise der Idee eines "Polizeibeauftragten", der als Anlaufstelle in Streitfällen oder bei internen Ermittlungen zum Zuge kommt, durchaus offen: "Es ist völlig in Ordnung, wenn es unabhängige Stellen gibt, an die man sich als Betroffener oder vielleicht auch als Polizist wenden kann und möchte", sagte Fasse im Juni 2020 gegenüber buten un binnen.

Abschied von Bremer Polizeipräsident Lutz Müller

Video vom 12. Mai 2021
Der Ex-Polizeipräsident Lutz Müller im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Mai 2021, 19:30 Uhr