Fragen & Antworten

Konkurrenz Onlineshop: Bremer Einzelhändler nehmen digitale Nachhilfe

Händler in Bremen und Bremerhaven setzen teils noch auf Fax und Co. So unterstützen Digitallotsen sie jetzt dabei, auch im Netz besser auffindbar und aktiver zu sein.

Eine junge Frau mit Einkaufstaschen tippt auf ihrem Smartphone.
Kunden können sich stets online über Produkte und Preise informieren, Einzelhändler punkten dagegen mit persönlicher Beratung und einladender Ladenatmosphäre. Bild: Imago | Panthermedia

Weil Onlineshops dem Einzelhandel zunehmend Konkurrenz machen, bekommt der vom Land Bremen nun Unterstützung: Seit einigen Wochen haben Bremen und Bremerhaven Digitallotsen. Malte Breford und Michael Arzenheimer begleiten kleine und mittelständische Unternehmen dabei, ihre Firmen digital gut aufzustellen. Als eine Art "Streetworker“ besuchen die Experten der Bremer Wirtschaftsförderung die Unternehmen und nehmen Kontakt bei Branchentreffen auf. Einige Firmen fragen auch selbst nach Unterstützung. Eine von vielen Herausforderungen: Händler müssen beispielsweise dieselben Preise bieten wie im Internet.

Als Digitallotsen ist es unser Ziel, insbesondere kleineren inhabergeführten Unternehmen die Möglichkeiten zur Nutzung digitaler Instrumente aufzuzeigen, bestehende Netzwerke auszubauen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Malte Breford, Digitallotse für Bremer Unternehmen
Ein Mann steht mit einem Tablet in der Hand in der Bremer Fußgängerzone. Im Hintergrund ist unscharf eine Straßenbahn zu sehen.
Der Bremer Digitallotse Malte Breford ist bei der Wirtschaftsförderung Bremen angestellt. Bild: WFB | Frank Pusch
Wie gut sind die Bremer Einzelhändler in der digitalen Welt aufgestellt?
Laut Bredford und Arzenheimer reicht die Bandbreite von Händlern, die nach wie vor per Katalog und Fax bestellen und Quittungen per Quittungsblock ausstellen, bis hin zu komplett "durchdigitalisierten“ Unternehmen – letztere sind allerdings die Ausnahme. Viele Firmen sind schlicht unsicher, was genau zu tun ist und in welcher Reihenfolge. In einigen Unternehmen sind Teilbereiche bereits digitalisiert, aber es fehlt eine ganzheitliche Strategie. Oder es gibt zwar eine Homepage, diese ist aber inzwischen in die Jahre gekommen und genügt nicht mehr den heutigen Ansprüchen der Kunden.

Genaue Zahlen und statistisch gesicherte Informationen über den Stand der Digitalisierung der Bremer Firmen sollen im Frühjahr kommenden Jahres vorliegen. Die Wirtschaftsförderung Bremen finanziert aktuell gemeinsam mit der Handelskammer Bremen eine Befragung der Händler zur Digitalisierung des Einzelhandels. Michael Arzenheimer stellt aber auch klar, dass die Bremer und Bremerhavener Gewerbetreibenden nach seinem Eindruck insgesamt ebenso gut oder schlecht aufgestellt sind, wie der Durchschnitt der Händler in anderen Städten.
Wo gibt es dringenden Verbesserungsbedarf?
Viel zu selten sei es noch möglich, in Geschäften bargeldlos bezahlen zu können. "Da müssen sich die Unternehmer dringend anders aufstellen, weil Kundinnen und Kunden diesen Service immer mehr erwarten“, sagt Malte Breford. Auch Brancheneinträge bei "Google MyBusiness“ oder "Google Maps“ sind laut der Digitallotsen nicht überall vorhanden oder schlecht gepflegt. Dort sind dann zum Beispiel falsche oder alte Fotos und Öffnungszeiten hinterlegt.
Ein Internetauftritt bringt nichts, wenn er nicht regelmäßig gepflegt wird, das gilt auch für die gewerbliche Nutzung von Social Media. Man müsse nicht gleich einen Onlineshop anbieten, aber die Firmen sollten im Netz zumindest zu finden sein. Eine gut gepflegte Internetseite ist heutzutage Pflicht, sagen die Experten – mit einem ansprechenden Webdesign, den Kerninformationen zum Geschäft.
Wirklich durchdringende Digitalisierung geht aber noch viel weiter: "Durch ein synchronisiertes Kassen- und Warenwirtschaftssystem spare ich effektiv Arbeitszeit ein und kann meine Verkäufe in Echtzeit analysieren und entsprechend mein Angebot anpassen oder auch die Vorsteuermeldung komplett digital vornehmen", sagt Breford.

Vielerorts fehlt die Zeit, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Die Kaufleute stehen tagsüber in ihren Geschäften und arbeiten am Kunden. Für organisatorische sowie buchhalterische Tätigkeiten verbleibt regelmäßig nur die Zeit nach Geschäftsschluss, so dass die Zeit für die Bewirtschaftung einer Website bzw. für das Social-Networking von der restlich verbleibenden Familien- bzw. freien Zeit genommen werden muss.

Michael Arzenheimer, Digitallotse für Bremerhavener Unternehmen
Ein Mann steht mit einem Notizbuch in der Hand am Hafen in Bremerhaven. Im Hintergrund sind Schiffe zu sehen.
Michael Arzenheimer ist Angestellter der Erlebnis Bremerhaven. Bild: Erlebnis Bremerhaven | Lothar Scheschonka
Was ist die größte Herausforderung für Einzelhändler?
Der veränderte Anspruch der Kunden: Sie können sich über Smartphone oder Tablet stets online über Produkte oder konkurrierende Angebote in Echtzeit informieren. Die Digitallotsen stellen klar: Ein Händler muss sich bewusst sein, dass die Kunden den gleichen Komfort und Service erwarten, den sie online bekommen, nur versehen mit persönlicher Betreuung und einladender Ladenatmosphäre.

Wenn ich als Händler ohne weiteren Mehrwert dieselben Produkte anbiete, die es im Zweifel online auch noch günstiger gibt, dann muss ich mich fragen, warum jemand dann zu mir kommen sollte.

Malte Breford, Digitallotse für Bremer Unternehmen
Wie sieht die Hilfe der Digitallotsen konkret aus?
Die Hilfe der Digitallotsen ist kostenlos. "Das Angebot ist als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht", sagt Arzenheimer. Die Digitallotsen zeigen die Möglichkeiten und Chancen von eigenen Websites, Social-Networking, Google und anderen digitalen Instrumenten. Dazu werden das derzeitige digitale Engagement und die vorhandene Kundendaten analysiert und der spezifische Bedarf festgestellt. Michael Arzenheimer und Malte Breford lösen aber nicht alle Probleme alleine. Sie vermitteln Experten für spezielle Bedürfnisse. Außerdem bieten sie Workshops und Weiterbildungsveranstaltungen rund um das Thema Digitalisierung an.

Nicht zu unterschätzen ist der Wert einer neutralen Meinung. Als Digitallotse und Angestellter der Wirtschaftsförderung Bremen muss ich nichts verkaufen und kann frei nach neutralen Aspekten Hilfestellung bieten.

Malte Breford, Digitallotse für Bremer Unternehmen
Waren die Digitallotsen schon erfolgreich?
Seit Herbst haben Michael Arzenheimer und Malte Breford Kontakt zu mehr als 60 Unternehmen aufgenommen. "Die Ergebnisse reichen von neuen digitalen Zahlungsmöglichkeiten bis zum Wechsel vom veralteten Onlineshop hin zu einer gut gestalteten und informativen Website“, fasst Breford zusammen. Zudem gab es bereits mehrere Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das ganze Programm steht unter www.digitallotsen-bremen.de.
Was ist der größte Fehler, den Einzelhändler machen?
Abwarten. Malte Breford bringt es auf den Punkt: "Die Digitalisierung hört nicht auf oder geht wieder weg, sie hat gerade erst begonnen.“

Was ist Bremern beim Einkaufen wichtig?

Video vom 26. September 2019
Eine Frau die interviewt wird hinter ihr ein Regal und ein Sofa.

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Dezember 2019, 19.30 Uhr