Digitales Erbe: So vermeiden Sie Fallstricke

Der BGH hat entschieden, dass Eltern das Facebook-Konto ihrer verstorbenen Tochter einsehen dürfen. Wie kann man sein "digitales Erbe" regeln? Antworten von der Bremer Verbraucherzentrale.

App-Icons sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter nebeneinander auf einem Smartphone
Facebook erlaubt den Zugriff auf Facebook-Konten Verstorbener nicht. Bild: Imago | Image Broker Simon Belcher

Berlin 2012: Eine 15-Jährige wird von einer U-Bahn erfasst und stirbt. Die Eltern sind ratlos und suchen nach Antworten. War es vielleicht Suizid? Der Facebook-Account des Mädchens könnte Hinweise liefern. Facebook verweigerte den Eltern aber den Zugang zu dem Konto.

Der BGH hat nun entschieden, dass Facebook den Eltern Zugang zu dem seit fünfeinhalb Jahren gesperrten Nutzerkonto der Tochter gewähren muss. Denn die Inhalte in einem sozialen Netzwerk dürften nicht anders behandelt werden als zum Beispiel Tagebücher. Es ist ein wegweisendes Urteil und wirft die Frage auf, wie Nutzer mit ihrem "digitalen Erbe" umgehen sollten. Die Verbraucherzentrale Bremen rät, sich zu Lebzeiten darum zu kümmern, wer die Konten nach dem Tod einsehen darf.

So sollte man sich um sein digitales Erbe kümmern

Was passiert nach meinem Tod mit meinen Daten? Was soll mit meinen Profilen in sozialen Netzwerken passieren? Wer kümmert sich um meine E-Mail-, Online-Banking- und andere Konten? Das Online-Leben nach dem Tod verläuft nur wie gewünscht, wenn man zuvor einige Fragen regelt. So erspart man Angehörigen langwierige bürokratische Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Anbietern.

Alles, was ich an E-Mail-Accounts, an Accounts bei sozialen Medien habe, Facebook, Twitter und Co.: Da habe ich persönliche Daten hinterlassen und da sollte ich frühmöglichst selber drüber entscheiden, was nach meinem Tod damit passiert.

Gerrit Cegielka, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Bremen
  • Zunächst sollte man in einer Vollmacht eine Vertrauensperson zum digitalen Erben ernennen.
  • Zusätzlich fertigt man eine Übersicht aller Accounts bei sozialen Netzwerken, E-Mail-Anbietern, Banking-Portalen, Streaming-Diensten, Online-Shops und Co. an. Darin vermerkt man nicht nur Benutzernamen und Kennwort, sondern verfügt auch, was mit den Accounts nach dem Tod passieren soll. Zum Beispiel ob das Facebook-Profil in den Gedenkzustand versetzt oder komplett gelöscht werden soll.
  • Die Übersicht speichert man am besten auf einem passwortgeschützten USB-Stick oder einem versiegelten Brief und verwahrt sie sicher in einem Tresor oder Bankschließfach auf, auf das die Erben zugreifen können. Auch an Endgeräte wie Laptop, Smartphone oder Tablet und die darauf gespeicherten Daten sollte gedacht werden.

Ich würde es dann immer sowohl analog als auch digital machen. Also irgendwo an einem sicheren Ort den Zettel mit meinen Zugangsdaten hinterlegen, die auch digital auf einen Stick ziehen und sicher aufbewahren.

Gerrit Cegielka, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Bremen

Mittlerweile gibt es zudem Firmen, die sich um den digitalen Nachlass kümmern. Wie sicher diese sind, lässt sich momentan jedoch schwer beurteilen und ihre Dienste könnten zudem ziemlich teuer werden. Etwas tun sollte man auf jeden Fall, denn die rechtliche Handhabung des digitalen Erbes ist nicht einheitlich geregelt. Und das sollte man ändern: Denn unser Online-Vermächtnis ist mittlerweile beinahe genauso wichtig, wie das im realen Leben.

Ein Handy mit der Facebook-App.

Die Verbraucherzentrale gibt wichtige Tipps zum digitalen Nachlass:

  • Arne Helms

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Juli 2018, 19:30 Uhr