Kommentar

Fahrplanwechsel – mehr zahlen, weniger bekommen

Alle Jahre wieder erhöht die Deutsche Bahn zum Fahrplanwechsel im Winter ihre Preise. Darüber ärgern sich viele – auch unser Kommentator Marcus Behrens.

Ein Intercity-Zug steht an einem Bahnhof
Am 9. Dezember ändert die Deutsche Bahn ihren Fahrplan – und damit auch die Preise. Bild: DPA | Daniel Kalker

Auch in diesem Jahr werden Bahnfahrkarten zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember teurer. Das regt mich schon lange nicht mehr auf. Ich ärgere mich aber von Jahr zu Jahr mehr über die Dreistigkeit, mit der die Deutsche Bahn die Fahrpreiserhöhungen verkauft. Also darüber, dass ich froh sein soll, wieder mal mehr dafür zahlen zu dürfen, auch 2019 verlässlich stehengelassen, vergessen, ausgebremst und umgeleitet zu werden, statt pünktlich ans Ziel zu kommen.

Als Pendler im Nah- und Fernverkehr habe ich mich bewusst gegen das Auto entschieden. Weniger aus Umweltschutzgründen als vielmehr aus Bequemlichkeit. Im Zug kann ich lesen oder schlafen und muss nicht aufpassen. Das ist gut. Damit sind die Vorteile des Bahnfahrens für mich aber auch bereits umfassend beschrieben.

Steigende Preise, aber keine verbesserte Leistung

Dass Tickets zum sogenannten Super-Sparpreis nicht teurer werden, darüber freuen sich nur diejenigen, die zum Vergnügen mit dem Zug unterwegs sind. Wir anderen, die ein festes Ziel vor Augen haben und dieses auch erreichen wollen – und die oft hin- und herfahren, wir sind auf die flexiblen Fahrkarten zum Normalpreis angewiesen – oder aber, wie ich, auf eine Bahncard 100 und die wird auch teurer.

Der monatliche Preis meiner Bahncard 100 – 2. Klasse – hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren von 310 auf 406 Euro erhöht. Das ist heftig, da ich realistisch dafür keine verbesserte Leistung erhalten habe – im Gegenteil: Nur die Summe der Verspätungen hat sich von Jahr zu Jahr ebenfalls erhöht.

Verspätung, Verspätung, Verspätung

Die Gründe? Notarzteinsatz, Polizeieinsatz, technische Störungen am Zug, technische Störungen an einem anderen Zug, Verspätung eines vorausfahrenden Zuges, Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen, neuerdings auch immer öfter außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen – und wenn keine andere Begründung passt: Verzögerungen im Betriebsablauf. Es vergeht nahezu keine Fahrt auf den Strecken der Deutschen Bahn, auf der mir nicht kostbare Lebenszeit geklaut wird.

Mehr zahlen, weniger bekommen

Das Unternehmen wirbt in einem persönlichen Anschreiben mit "mehr Verbindungen auf den wichtigsten Strecken" – zwischen Berlin und München und zwischen Düsseldorf und Stuttgart. Ich fahre aber nicht auf diesen Strecken. Ich wohne in Bremen – und will nach Berlin, Frankfurt oder Freiburg. Und es wird mit mehr Platz in den ICE-Zügen der 4. Generation geworben. Auch falsch: Es sind lediglich mehr Sitzplätze in den Zügen, was realistisch bedeutet, dass weniger Platz pro Sitzplatz und Person ist – mit langen Beinen, die ich nun einmal habe, stehen alle Verbindungen, auf denen diese Züge eingesetzt werden, für mich bereits jetzt auf der schwarzen Liste.

Ich muss also mehr zahlen, weil ich weniger bekomme. Das ist die Logik der Deutschen Bahn. Eine Logik, die für das Unternehmen nur deshalb aufgeht, weil es politisch korrekt ist, mit dem Zug zu fahren. Koste es, was es wolle. Glücklich macht mich das aber nicht.

  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 6. Dezember 2018, 07:35 Uhr