Wie ein Bremer gelernt hat, seine Depression zu akzeptieren

Andreas Weippert hat einen langen Weg hinter sich: 14 Jahre hat er gebraucht, um mit seiner Depression nach außen zu gehen. Damit ist er in Bremen nicht allein.

Video vom 19. Januar 2020
Ein Mann geht bei trübem Wetter spazieren.

Die Weser ist für Andreas Weippert ein Ort der Ruhe. Ein Ort, dem ihm hilft, mit seiner Depression umzugehen. "Wasser ist ein total beruhigendes Element. Da kann ich hinschauen und ein bisschen die Seele baumeln lassen." 2006 bekam er das erste Mal die Diagnose: Depression. Später dann: bipolare Störung oder auch manisch-depressiv. Sein Leben schwankt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

16 Prozent der Bremer bekommen die Diagnose Depression

"Das sind sehr dunkle Gedanken. Es fühlt sich an, wie eine absolute Perspektivlosigkeit. Die Hoffnung schwindet. Das kann dann wirklich zu superdunklen Gedanken führen", sagt Weippert. Die Krankheit zu akzeptieren und offen damit umzugehen, sei das Schwierigste gewesen in den vergangenen 14 Jahren. Oft habe er sich selbst isoliert, wodurch er sich nur noch einsamer fühlte. "Das ist schmerzhaft."

Seit drei Jahren geht er nicht mehr arbeiten, hat mehrere Klinikaufenthalte und Therapien hinter sich. Damit ist er in Bremen nicht allein: 2009 bekamen laut dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung 66.046 Menschen die Diagnose Depression – rund 13 Prozent der Versicherten. 2017 waren es 85.866, was 16 Prozent der Versicherten entspricht.

Depression auf der Arbeit: Umgang ist oft schwer

Mittlerweile arbeitet Weippert sechs Stunden die Woche im Netzwerk Selbsthilfe. Das gibt ihm Halt und Struktur. Und genau das sei wichtig, sagt Geschäftsführerin Sabine Bütow. Depressive Menschen müssten langsam wieder an die Arbeit gewöhnt werden. Dazu müsse aber auch das Arbeitsumfeld lernen, mit den Einbrüchen der Depressiven anders umzugehen: "Dass wir direkter nachfragen: 'Ist es heute wieder so, dass du nicht belastbar bist?'" Die Tiefen einer Depression müssten wie ein Schnupfen akzeptiert werden, bei denen ein Mitarbeiter nach Hause geht.

Wann Weippert wieder mehr arbeiten geht, weiß er noch nicht. Aber er ist sicherer mit seiner Krankheit. "Da ich die Krankheit akzeptiert habe und damit auch nach außen gehe, fühle ich mich zufriedener mit mir selbst."

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit sportblitz, 19. Januar 2019, 19:30 Uhr