Autokorso statt Party: So kämpfen Bremens Veranstalter ums Überleben

Konzerte, Festivals, Partys: Eventuell nie wieder? Bremens Eventbranche fürchtet um ihre Zukunft. Jetzt ging sie mit ihrem Hilferuf an die Politik auf die Straße.

Veranstaltungsbranche demonstriert in Bremen

Video vom 13. Juli 2020
Ein volles Konzert in einem Club.
Bild: Radio Bremen

Abgesagte Konzerte und Events, leere Hallen und Clubs – und das seit mittlerweile vier Monaten. Veranstalterinnen und Veranstalter sind von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Trotz erster Lockerungen fürchten auch in Bremen viele von ihnen um ihre Existenz. Mit einer Protestaktion unter dem Titel "EVENTuell nie wieder" machten sie deshalb auf ihre schwierige Lage aufmerksam.

Demonstrationszug startete am frühen Abend

Geplant war ein Konvoi aus rund 200 Fahrzeugen vom Weserstadion über den Osterdeich in Richtung Wallanlagen.

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Organisiert wurde der Protest von der "Initiative der Veranstaltungswirtschaft Nordwest". Eine ähnliche Aktion gab es bereits in Hamburg. Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte die Branche Ende Juni mit der "Night of the Light": Spielstätten und Bauwerke wurden eine Nacht lang rot angestrahlt, um auf die dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise aufmerksam zu machen.

Hilfe ist derzeit nur Tropfen auf den heißen Stein

"Wir sehen, dass die Hilfsmaßnahmen, die kommen oder geplant sind, für uns nicht ausreichen werden", sagt Thorsten Meyer, Organisator von "EVENtuell nie wieder" und selbst Veranstalter aus Delmenhorst. Er fordert mehr Unterstützung von der Politik. Dringend nötig sei unter anderem ein Überbrückungsprogramm, welches auf alle Unternehmen, alle Kosten und über alle Krisenmonate greife. Zudem brauche es angepasste Kredite mit längeren Laufzeiten, so Meyer.

Auch der Bremer Veranstalter Oliver Brock wünscht sich konkrete finanzielle Unterstützung von der Politik. Er betreibt die Konzerthalle "Pier 2" sowie den Musikclub "Tower".

Für uns ist das schon eine ziemlich schlimme Geschichte. Wir haben seit dem 12. März keine Einnahmen, weder im Tower noch im Pier 2 und versuchen da irgendwie durchzukommen.

Oliver Brock, Veranstalter

Zwar hat auch er finanzielle Unterstützung im Rahmen des Corona-Soforthilfe-Programms bekommen, das habe aber nicht ausgereicht: "Für den Tower gab es 9.000 Euro. Damit sind wir gerade mal so eineinhalb Monate hingekommen, dann war das Geld weg", sagt Brock. Wie Thorsten Meyer fordert auch er ein Überbrückungsprogramm von der Politik – ähnlich wie in Berlin. Dort bekommen Clubs im Schnitt 81.000 Euro vom Berliner Senat.

Wenn ich jetzt sehe, dass im Bremen-Fonds 1,2 Milliarden zur Verfügung stehen, dann finde ich, brauchen wir auch einfach ein kleines Stück vom Kuchen, damit wir nach der Krise überhaupt noch tanzen gehen können in Bremen.

Oliver Brock, Veranstalter

Auch Oliver Brock wollte deshalb beim Protest-Konvoi mitfahren. Neben der Protest-Aktion hatte die "Initiative der Veranstaltungswirtschaft Nordwest" am Mittag zu einer Podiumsdiskussion mit Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und Veranstalterinnen und Veranstaltern geladen.

Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt über die Zukunft der Eventbranche

Video vom 13. Juli 2020
Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 13.Juni 2020, 8:45 Uhr