Ist diese Werbung sexistisch?

Nach Aufregung in den sozialen Netzwerken wurde ein Werbeplakat im Flughafen Bremen entfernt. War das überhaupt notwendig?

Ein Plakat am Bremer Flughafen, dass eine junge Frau zeigt, mit dem Text "Ich lass
Der Chefredakteur des Weser Kurier, Moritz Döbler, hatte ein Bild der Werbetafel mit der Aufschrift "Ich lass' mich doch nicht abschleppen" getwittert. Bild: Moritz Döbler , Bremen Airport

Sexistisch? Oder einfach nur unglücklich? An einem Werbeplakat für das Parkhaus am Bremer Flughafen scheiden sich die Geister. Zu sehen ist das Gesicht einer Frau, daneben der Satz "Ich lass' mich doch nicht abschleppen". Der Flughafen hat das Banner mittlerweile abhängen lassen, bestätigte Sprecherin Andrea Hartmann.

Wer in Bremen Werbung als sexistisch wahrnimmt, kann sie einer Beschwerdestelle melden. Sie ist bei der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) angesiedelt und orientiert sich an den Verhaltensregeln des Deutschen Werberates gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen. Das Regelwerk benennt sieben Arten von Aussagen und Darstellungen, die in der kommerziellen Werbung nicht verwendet werden dürfen. Geht eine Beschwerde ein, prüfen die Mitarbeiterinnen der ZGF deshalb folgende Punkte:

1 Diskriminierung

Eine Diskriminierung wegen des Geschlechts ist nicht erlaubt. Das gilt auch für weitere Merkmale, wie zum Beispiel die Herkunft, den Glauben oder eine Behinderung. Im Fall des Plakats am Flughafen sieht die ZGF hier jedoch keinen Verstoß. "Zwar wird das Klischee aufgegriffen, dass Frauen sich abschleppen lassen, aber die Frau wird hier nicht als Frau diskriminiert. Wir fanden Text und Bild des Plakats dafür nicht stark genug", erklärt Susanne Gieffers von der ZGF.

2 Abwertung wegen Abweichung von der Norm

Als nächstes wird geprüft, ob eine Person allein deswegen abgewertet wird, weil sie in Bezug auf ihr Aussehen, ihr Verhalten, ihre sexuelle Orientierung, ihre Eigenschaften oder Lebensweisen von den herrschenden Vorstellungen abweicht. Diesen Punkt sahen die Prüferinnen nicht berührt.

3 Gewaltdarstellungen

Anschließend geht es im dritten Punkt um die Darstellung von Gewalt oder ihre Verharmlosung. Eine Gewaltdarstellung sei hier nicht erkennbar gewesen.

4 Darstellung von Menschen als käuflich

Die Prüferinnen hielten auch das vierte Kriterium für nicht erfüllt: Danach darf Werbung keine Menschen mit Sachen gleichsetzen oder den Eindruck erwecken, sie seien käuflich. Susanne Gieffers erläutert, dass dieses Kriterium zum Beispiel bei Bordellwerbung erfüllt ist.

5 Menschen werden auf ihre Sexualität reduziert

Fünftens soll die Werbung nicht vermitteln, dass die abgebildeten Personen sexuell verfügbar sind. Außerdem dürfen sie nicht auf ihre Sexualität reduziert werden. "Der Spruch auf dem Plakat reicht nicht aus, um die Frau auf ihre Sexualität zu reduzieren, meinen wir", sagt Gieffers. Die Bremer Frauenbeauftragte Bettina Wilhelm hält das Motiv persönlich für unglücklich. "Es funktioniert nur in Verbindung mit dem Abschlepp-Spruch und spielt mit dem Klischee weiblicher Verfügbarkeit. Es zeigt eine selbstbewusste Frau, die genau das verneint, worauf der Spruch doppeldeutig anspielt", ließ sie mitteilen. Das Klischee wird aus Sicht der ZGF also gerade auf den Kopf gestellt.

6 Übertriebene Nacktheit

Zu viel nackte Haut kann diskriminierend sein – jedenfalls dann, wenn dadurch vermittelt wird, dass das Geschlecht an sich herabgewürdigt wird. Das war in diesem Fall nicht gegeben.

7 Pornographischer Charakter

Ebensowenig gab es Anhaltspunkte für einen pornographischen Charakter der Werbung.

Das Fazit der Prüferinnen: Die Werbung am Flughafen war nicht sexistisch. Deshalb wurde auch keine Entfernung empfohlen. Der Flughafen ließ das Plakat dennoch abhängen. "Es ist nicht die Aufgabe des Flughafens, eine solche Debatte zu führen", teilte Flughafensprecherin Andrea Hartmann mit. Außerdem wäre das Plakat im September ohnehin entfernt worden.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 14. September 2018, 23:30 Uhr