Fragen & Antworten

Sekündlich hagelt es Cyberangriffe auf die Bremer Häfen

Legen Hacker die Häfen lahm, ist die ganze Wirtschaft betroffen. Die Hafengesellschaft Bremenports hat jetzt einen Mann eingestellt, der diese Angriffe abwehren soll.

Video vom 4. Februar 2020
Ein BIld eines Hafens mit oragenen Baukränen im Hintergrund.
Bild: Radio Bremen

Die bremischen Häfen, das Nadelöhr der Wirtschaft – und das perfekte Ziel für Cyberangriffe. Bremens Hafenmanagementgesellschaft Bremenports hat einen neuen Mitarbeiter, der solche Angriffe verhindern und Bedrohungen einschätzen soll: "Port Cyber Security Officer" nennt sich Jan Schirrmachers Position.

Was für Auswirkungen könnte ein Cyberangriff haben?
Mehr als 100 Unternehmen sind in den bremischen Häfen tätig: vom Terminalbetreiber bis zur Reederei, vom Logistiker bis zum Werftbetrieb. In einem Rechenzentrum in einem Bremer Bürogebäude laufen die Fäden zusammen: Hier ist die Hafenwirtschaft untereinander vernetzt und tauscht Informationen aus. Werden die Systeme eines Akteurs angegriffen und ausgeschaltet, dann hat das Folgen für alle.
Ein Mann schaut an der Kamera vorbei.
Jan Schirrmacher ist der neue "Port Cyber Security Officer" bei Bremenports. Bild: Radio Bremen
Wo könnten Hacker zuschlagen?
Hacker könnten an mehreren Punkten zuschlagen, denn ohne IT läuft im Hafen nichts mehr – zum Beispiel bei der Abfertigung von Schiffen und Containern. Auch die Computersysteme in den Steuerständen der Schleusen sind ein potenzielles Ziel, ebenso wie die Anlagen der Hafenbahn.
Welche Motive verfolgen Angreifer?
Während es klassischen Kriminellen schlicht darum geht, Geld zu erpressen oder wertvolle Daten zu stehlen, werden Cyberangriffe auch für politische Aktivisten immer interessanter.
Gab es schon einen Angriff auf die bremischen Häfen?
Einfache Netzwerkangriffe finden sekündlich statt, sagt Schirrmacher. Einen wirklich verheerenden Cyberangriff auf die Infrastruktur der bremischen Häfen hat es bislang aber noch nicht gegeben. Für gezielte Cyberattacken auf Häfen und die maritime Wirtschaft gibt es aber Beispiele: 2011 manipulierten Hacker die Containerabfertigung des Hafens von Antwerpen. Die Auftraggeber waren Drogenschmuggler, die so ungehindert operieren konnten. 2017 legte ein Virus die Systeme der dänischen Reederei Maersk lahm. Vermutlich galt der Angriff eigentlich der ukrainischen Wirtschaft. Da Maersk aber mit den IT-Systemen der Ukraine eng verbunden war, waren auch die Abläufe der Reederei mehr als einen Monat gestört.
Was würden die Sicherheitsexperten bei einem Cyberangriff machen?
Für den Fall der Fälle gibt es Notfallpläne. Details dazu will Schirrmacher aber nicht verraten, denn dieses Wissen würde auch potenziellen Angreifern nützen. Im Fall eines wirklich verheerenden Angriffs bliebe oft nur der Tausch der kompletten Systemtechnik – eine extrem aufwändige und teure Lösung.

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Christian Brans-Schreckeneder Redakteur und Autor
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Februar 2020, 19:30 Uhr