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So werden die Folgen einer Corona-Erkrankung in Bremen behandelt

Audio vom 12. Juli 2021
Ein Physiotherapeut mit Maske behandelt eine Frau
Bild: Imago | Addictive Stock
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Ermüdung, Schmerzen, Geruchsstörungen — nach Covid-19 ist manchmal nichts mehr wie zuvor. Wie eine Reha abläuft und welche Chancen es gibt, eine zu bekommen.

Eine Corona-Erkrankung kann schwerwiegende und vor allem langfristige Folgen für die Gesundheit haben. Bei schweren Verläufen dauert es mitunter lange, bis die Betroffenen den Weg in den Alltag zurückfinden. Ihnen kann eine Reha helfen – wir klären die wichtigsten Fragen.

Wie viele Menschen müssen nach einer Corona-Erkrankung in Bremen eine Reha machen?
Darüber gibt es kein allgemein aussagekräftiges Bild. Grund: Es fehlen bislang schlicht die Statistiken und Daten darüber. Das hat auch damit zu tun, dass die Folgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus so vielfältig sind und es häufig schwer ist, die Beschwerden einwandfrei auf die Infektion zurückzuführen. Bei der Deutschen Rentenversicherung Bund wurden 2020 rund 1.350 Rehabilitationen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung über die Rentenversicherung durchgeführt und abgeschlossen.

Thomas Rathmann von der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen teilt auf Anfrage mit: "Bislang gibt es keine Festlegung zu der Frage, ob eine Primärdiagnose Post-Covid sinnvoll ist oder ob die Hauptbeschwerden erfasst und Post-Covid in die Sekundärerfassung geht." Schätzungsweise gingen aus Bremen pro Woche drei Anträge auf eine Reha nach einer Corona-Erkrankung ein. Hinzu kommen noch diejenigen, die bei der Deutschen Rentenversicherung Bund eingehen. Die AOK Bremen erreichen pro Monat geschätzt etwa vier Anträge von Covid-19-Patienten. Genaue Zahlen gibt es jedoch bei der Ambulanz der Berufsgenossenschaften in Bremen. Dort werden Menschen rehabilitiert, deren Covid-19-Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wurde. Laut Jürgen Brötje, Kaufmännischer Direktor der BG Ambulanz Bremen, haben 52 Patientinnen und Patienten seit April 2021 ein sogenanntes Post-Covid-Screening, eine umfassende Untersuchung mit Tests der körperlichen und kognitiven Fitness, in der BG Ambulanz Bremen durchlaufen (Stand 30. Juni 2021). Davon kamen fast zwei Drittel aus dem Gesundheitswesen, die Hälfte war 51 Jahre und älter.

Auch beim Bremer Gesundheitsressort gibt es keinen Überblick über die Zahl der Rehafälle in Bremen. Long-Covid-Fälle seien nicht meldepflichtig, teilt Sprecher Lukas Fuhrmann mit. "Außerdem gibt es bislang keine einheitliche Definition, was durchaus eine Schwierigkeit darstellt."
Wo kann man eine Reha beantragen?
Für eine Reha gibt es verschiedene in Frage kommende Kostenträger. In den meisten Fällen übernehmen Renten- oder Krankenversicherungen die Kosten. Die Techniker Krankenkasse lässt über den Verband der Ersatzkassen in Bremen mitteilen: "Sofern die Maßnahme dazu dient, eine erhebliche Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit wiederherzustellen bzw. abzuwenden, ist der Rentenversicherungsträger Kostenträger der Maßnahme. Andernfalls ist dies die Krankenkasse." Die Krankenkasse leitet Reha-Anträge, bei denen die Rentenversicherung zuständig wäre, aber an diese weiter.

Handelt es sich um eine berufsbedingte Erkrankung, dann ist hingegen die gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Wer eine Reha wegen einer Berufskrankheit anmeldet, wird dann in den Kliniken und Ambulanzen der Berufsgenossenschaft behandelt.
Welche Beschwerden werden in einer Reha nach Covid-19-Erkrankungen behandelt?
Von Kopfschmerzen bis hin zu Wortfindungsstörungen, gesunkener Belastbarkeit oder Geruchsstörungen — das Beschwerdebild von Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, aber sich immer noch nicht richtig gesund fühlen, ist vielfältig. Pneumologische, kardiologische, neurologische oder psychische Erkrankungen können die Folge sein, heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung. Dementsprechend können ganz unterschiedlich spezialisierte Einrichtungen in Frage kommen.

Eine davon ist die neurologische Frührehabilitation am Klinikum Bremen-Ost. Oberarzt Matthias Elsner erklärt: "Die Frühreha ist eine Mischung aus Intensivstation und Reha. Wir nehmen Menschen mit schweren neurologischen Defekten auf." Dazu gehören zum Beispiel Patienten, die als Folge ihrer Erkrankung eine Hirnblutung bekommen haben. "Die Covid-19-Erkrankung stört das Blutgerinnungssystem. Wird als Reaktion mehr blutverdünnendes Medikament gegeben, kann das Blut so dünn werden, dass es durch die Gefäße tritt", erklärt Elsner. Zu weiteren Beschwerden gehören Schlaganfälle oder auch Schluckstörungen. Die Schluckstörungen treten häufig im Zusammenhang mit Luftröhrenschnitten auf. Diese wiederum können bei Langzeitbeatmung nötig werden, weil dies für den Patienten schonender sei, als den Beatmungsschlauch dauerhaft durch Mund und Kehlkopf zu führen. "Seit einem Jahr haben wir eigentlich permanent Covid-19-Patienten bei uns", sagt Elsner. Von den 27 Betten sind etwa ein bis zwei stetig mit ihnen belegt, schätzt er.

Gero Endsin ist Chefarzt der Geriatrie in der Reha-Klinik am Sendesaal in Bremen und hat es ebenfalls seit Monaten mit Patientinnen und Patienten zu tun, die an Covid-19 erkrankt waren. Einige davon waren zumindest anfangs deutlich pflegebedürftig, mussten beispielsweise lernen, wieder selbständig über weitere Strecken zu gehen oder Treppen zu steigen, weil sie wegen langer Bettlägerigkeit Muskelschwund erlitten haben, erklärt Endsin. Er berichtet auch von psychischen Belastungen. So hätten einige der schwer Erkrankten das Vertrauen in ihren eigenen Körper verloren.
Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Ein wichtiger Pfeiler ist die sogenannte Medizinische Trainingstherapie. Hierbei werden unter medizinischer Überwachung zum Beispiel gezielt Muskeln wiederaufgebaut. Auch Atemgymnastik und Physiotherapie gehören zum Behandlungsspektrum, ebenso wie Ergotherapie oder Logopädie. Zusätzlich gibt es Angebote aus der Psychotherapie.
Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit eine Reha genehmigt wird?
Zunächst muss die Reha aus medizinischen Gründen erforderlich sein und ihre Notwendigkeit muss ärztlich festgestellt werden. Meist wird eine Reha von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt vorgeschlagen. Außerdem muss die Reha voraussichtlich in einem bestimmten Zeitrahmen zum Erfolg führen und die Patientin oder der Patient muss in der Lage sein, sie in Anspruch zu nehmen, die Übungen auszuführen. Soll die Rentenversicherung die Kosten tragen, dann muss die Erwerbs- oder Arbeitsfähigkeit der Patientin oder des Patienten erheblich gefährdet oder gemindert sein.

Wer Folgen einer Covid-19-Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen lassen will, muss zeigen, dass die Ausübung des Berufs ursächlich mit der Erkrankung zusammenhängt. Patientinnen und Patienten hätten meist keine Probleme, diese Kausalität nachzuweisen, weiß Jürgen Brötje von der BG Ambulanz Bremen. "Wenn man im Krankenhaus arbeitet, positiv getestet wurde und entsprechende Symptome entwickelt hat, ist das erfüllt." Auch Niklas Wellmann, Berater zum Thema Berufskrankheiten bei der Arbeitnehmerkammer Bremen hat den Eindruck, dass es keine Probleme gebe, eine Reha zu bekommen. Allerdings habe es sich dabei auch um Personen gehandelt, die unter einem schweren Verlauf von Covid-19 litten.

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Autorin

  • Verena Patel Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 12. Juli 2021, 7:36 Uhr