Fragen & Antworten

Darum kleiden sich 4 Bremerinnen wie japanische Schulmädchen

Das wird bunt: Cosplayer treffen sich in Vegesack zur Nipponcon, einer Manga- und Anime-Messe. Vier Mitglieder einer Cosplay-Tanzgruppe erzählen, worum es dabei wirklich geht.

Mitglieder einer Cosplay-Tanzgruppe.

Schulmädchen, Fantasy-Wesen und junge Frauen mit grellen Haarfarben, kurzen Röcken und Superkräften: Es wird bunt in Bremen-Nord. Dieses Wochenende treffen sich in Vegesack Comic-Charaktere aus dem Fernen Osten bei der Nipponcon. Verkörpert werden die Charaktere meistens von jungen Männern und Frauen aus der Hansestadt und dem Umland.

"Cosplay" nennt sich das Phänomen aus Japan, das auch in Deutschland Fuß gefasst hat. In Bremen gibt es sogar eine Gruppe junger Tänzerinnen, die sich dem Cosplay widmet. Die Gruppe trägt den Namen "Kawa no Hana" – zu deutsch: "Blumen vom Fluss". Was ist das für ein Trend, und was bedeutet es im Alltag, ein Cosplayer zu sein? Das haben uns vier Bremerinnen erzählt.

Was bedeutet "Cosplay"?
Das Wort "Cosplay" setzt sich eigentlich aus den englischen Begriffen "costume" (Kostüm) und "play" (Spiel) zusammen. Cosplay ist mit einem Rollenspiel oder eine Maskerade vergleichbar. Die Cosplayer stellen durch Kleidung, Make-Up und Verhalten ihre Lieblingsfiguren möglichst naturgetreu dar. Traditionell gehören die Charaktere der japanischen Manga oder Anime an, also Comics oder Zeichentrickfilmen. Allerdings können auch Figuren aus westlichen Romanen oder Filmen verkörpert werden, erzählen die Mitglieder der Bremer Tanzgruppe "Kawa no Hana". "Alles, was fiktional ist", so die 22-jährige Alice Ziegeler.
Bleiben Cosplayer auch im Alltag in ihrer Rolle?
In der Regel nicht, antworten die Tänzerinnen. Die Gruppe habe sich vorgenommen, die Kleider nicht im Alltag zu tragen. "Das ist image-schädlich", sagt Ziegeler. Weil Cosplay dann oft als Krankheit dargestellt werde und zwar als Identitätsstörung oder Flucht aus der Realität. Die Gruppe sieht Cosplay als Hobby, als Freizeitbeschäftigung. "Trotzdem kann es gelegentlich vorkommen, dass man während eines Treffens schnell zum Supermarkt oder zum Kiosk muss. Da zieht man sich meistens nicht um", sagt Gruppenmitglied Sanny Paegelow.  

Wir möchten die Vorurteile aus dem Weg räumen und das Cosplay als Kunstform betrachten. Nicht alle Cosplayer haben eine Identitätsstörung oder ein gesundheitliches Problem. Das ist nicht der Normalfall.

Alice Ziegeler, Cosplayerin
Wie reagieren Freunde und Arbeitgeber, wenn sie davon erfahren?
"Meine Freunde waren entweder mega-interessiert oder ganz desinteressiert", sagt Ziegeler. Früher sei es teilweise vorgekommen, dass Cosplayer verhöhnt wurden, vor allem an Schulen, berichtet sie. Heute soll das seltener geworden sein. Wohl auch, weil die Subkultur durch die digitalen Medien bekannter geworden ist. Außerdem gehen Cosplayer anscheinend nicht offensiv damit um. "Ich habe manchmal auf Conventions Nachbarn getroffen und wusste nicht, dass sie auch Cosplayer sind", sagt Ziegeler. "In Bremen ist die Szene ein wenig versteckt", bestätigt die 29-jährige Melanie "Ren" Guth.  
Ist Cosplay eine reine Freizeitbeschäftigung?
Für die meisten, ja. Es gibt aber auch Menschen, die das beruflich machen und damit Geld verdienen. Sei es durch das Nähen von Kostümen, Auftritte, Videos oder Werbung. "Ich arbeite hauptberuflich als Krankenschwester, nähe aber gelegentlich auch für andere", sagt Ziegeler. Für die Gruppe liegt jedenfalls der Spaß im Mittelpunkt. Ausgefallene Kleider anzuziehen, in die Rolle von geliebten Charakteren zu schlüpfen. "Sowie die Herausforderung, etwas zu schaffen und die Figur gut darzustellen. Und die Zusammengehörigkeit. Wir nähen, tanzen und wachsen wie eine Familie zusammen", sagt die junge Frau.
Kann man auch mit 60 Jahren Cosplayer sein?
Ja, sagen die Tänzerinnen. "Ich will weitermachen, bis ich sterbe", erklärt Guth. Als älterer Mensch könne man ältere Charaktere besser verkörpern. "Die ganzen Omis", freut sich schon Paegelow. Allerdings sehen die meisten Cosplayer auf Bildern, Videos und Conventions tatsächlich jung aus. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass der Trend im Westen ebenfalls relativ jung ist.   

Ich will weitermachen, bis ich sterbe!

Melanie "Ren" Guth, Cosplayerin
Wieso gibt es eine Tanzgruppe in Cosplay-Kostümen?
"Wir wollten eine feste Cosplayer-Gruppe haben und das mit dem Tanzen kombinieren", erläutert Ziegeler. Die zehn jungen Frauen sind jedoch keine professionellen Tänzerinnen. Einige studieren noch, andere suchen gerade eine Ausbildung – und manche stehen schon fest im Arbeitsleben. Wie viel Zeit oder Geld sie ins Cosplay investieren, hängt immer von der individuellen Situation ab, erzählen sie. "Das ist wie ein Hobby. Jeder lebt das aus, wie er möchte", sagt Guth.
Wieso hat die Tanzgruppe den Namen "Kawa no Hana" gewählt?
Das Cosplay ist offensichtlich auch eine Verbindung zwischen ganz verschiedenen Welten: Realität und Fiktion, West und Ost. Und der Name der Gruppe bringt das auf den Punkt. "Kawa no Hana" ist japanisch und bedeutet so viel wie "Blumen vom Fluss". Ziegeler sagt: "Wir sind alle Mädchen, die an der Weser oder am Wasser wohnen. Er drückt eine Verbundenheit mit der Heimat aus."

In fremde Rollen schlüpfen: Cosplay-Convention in Bremen-Vegesack

Die Cosplayerin Judith Rißler in einem Geschäft.
  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. August 2019, 19:30 Uhr