Ramadan in Bremen: So verändert Corona auch den Fastenmonat

Ostern und das Pessachfest litten schon unter Corona. Für Muslime in Bremen, Bremerhaven und umzu läuft nun die Fastenzeit anders ab, als es die Tradition will.

Betende in einer Moschee
Der islamische Fastenmonat Ramadan endet am 23. Mai.

Der Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam. Von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang ist es Muslimen und Muslimas nicht erlaubt, zu essen oder zu trinken. Zum Iftar, dem traditionellen Fastenbrechen, treffen sich am Abend viele Gläubige, um gemeinsam zu essen. Doch bleiben die Kontaktbeschränkungen wegen der Coronakrise bestehen, wären auch solche Versammlungen nicht erlaubt. Muss der Ramadam in diesem Jahr also ausfallen?

Covid-19 verändert muslimische Traditionen

Raum der Stille mit Sitzkissen und Teppich
In allen Gemeinden ist die Religionsausübung derzeit erschwert.

Die Pandemie schränkt das religiöse Leben in Bremen stark ein. Religiöse Versammlungen in Moscheen, Synagogen und Kirchen sind verboten. Für Muslime bedeutet das: Das wöchentliche Freitagsgebet in der Moschee fällt aus.

Seit dem 13. März sind alle Moscheen der Ditib Gemeinden geschlossen. Das berichtet ihr Sprecher Fatih Kurutlu. Der Fastenmonat Ramadan, der am 23. April begonnen hat, muss aber nicht ausfallen. Er läuft nur deutlich anders ab. Kurutlu sagt, seine Gemeinde würde seit über zehn Jahren während des Ramadan am Abend zusammenkommen. Dort werde dann gekocht und gemeinsam gegessen.

Wir diskutieren gerade, ob wir stattdessen Essen an bedürftige Menschen ausfahren. Oder, dass diese sich es abholen können.

Fatih Kurutlu, Ditib Bremen

Auch die traditionellen Besuche im Familien- und Freundeskreis wollen sie in diesem Jahr unterlassen. "Stattdessen findet das Fastenbrechen nun innerhalb der eigenen Familie zu Hause statt. Also mit den Menschen, mit denen man sowieso zusammenlebt."

"Ramadan wird definitiv anders."

Ramadan Zuckerfest
Das tägliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang kann nicht wie gewohnt stattfinden.

Auch Murat Çelik berichtet von großen Veränderungen im religiösen Leben. Er ist Vorsitzender der Schura Bremen, einem Dachverband islamischer Gemeinden. Für ihn steht fest: "Ramadan wird dieses Jahr definitiv anders." Ramadan sei der spirituelle Höhepunkt im muslimischen Jahr. "Das herzliche, soziale und die Nähe des Ramadan wird darunter leiden", sagt Çelik. Auch der Koran-Unterricht in den Moscheen falle im Moment aus. "Stattdessen passiert das nun in einigen Gemeinden online. Dafür werden Apps und Programme genutzt." Die älteren Gläubigen seien jedoch mit dem Internet nicht vertraut. Zu ihnen halte man per Telefon den Kontakt.

Es ist schwierig, das Gemeindeleben so am Leben zu erhalten.

Mann mit dunklen Haaren, Bart und Brille
Murat Çelik, Schura Bremen

Muezzin-Rufe bald in Gröpelingen?

Blick auf Moschee in Bremen mit Minarett
Bremens Moscheen sind – wie andere Kirchenhäuser auch – wegen Corona geschlossen.

Die Moscheen in Bremen und Bremerhaven sind geschlossen. Darum wollen die Ditib-Gemeinden ein Zeichen setzen. Eine ihrer Moscheen in Bremerhaven sowie zwei in Gröpelingen haben beantragt, am Ramadan den Gebetsruf des Muezzin in die Nachbarschaft schallen zu lassen.

Der Beirat Gröpelingen will sich solidarisch zeigen. Er hatte sich dafür ausgesprochen, einmalig zu Beginn des Ramadan und zum Ende den Gebetsruf zu gestatten. Darüber entscheidet allerdings nicht der Beirat, sondern die Senatskanzlei. In Bremerhaven hat der Magistrat die Anfrage abgelehnt. Pressesprecher Volker Heigenmooser begründet dies wie folgt: "Ein solcher Gebetsruf könnte bei der Bevölkerung zu Irritationen führen." Oberbürgermeister Melf Grantz sei aber weiterhin im Gespräch mit der Gemeinde.

Spenden bleiben aus

Auch finanziell haben viele muslimischen Gemeinden Probleme. Das berichten die Sprecher von Schura und Ditib. Viele Moscheen finanzierten sich über Spenden, um die laufenden Kosten zu decken. Diese Einnahmen fehlten nun zum Teil. Man hoffe auf Hilfe durch den Staat. Dieser solle Gemeinden, die finanziell in Notlage sind, unterstützen.

Fatih Kurutlu versucht trotzdem, das positiv zu sehen: "Wir setzen uns jetzt mehr mit der Familie zusammen. Wir lernen die Freiheiten, die wir normalerweise in diesem Land haben, viel mehr zu schätzen." Auch Murat Çelik von der Schura Bremen will die Hoffnung nicht aufgeben. Er ist optimistisch, dass die Maßnahmen gegen Corona bald gelockert werden. "Vielleicht können wir uns ja dann unter strengen Bedingungen treffen – mit nur wenigen Menschen in der Moschee."

Legt Corona auch die Kirchen lahm?

Video vom 15. März 2020
Eine fast leere Kirche mit zwei männlichen Gäste.

Autor

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, 10. April 2020, 14:50 Uhr