Corona-Kontrolle durch Ordnungsdienst: "Wir erfahren viel Verständnis"

Halten sich Ladeninhaber in Bremen an die angeordneten Schließungszeiten? Bleiben Infizierte zu Hause? Das kontrolliert der Ordnungsdienst. Leiter Papencord erzählt.

Video vom 19. März 2020
Eine Polizisten-Gruppe kontrolliert die Geschäfte im Bremer Viertel.
Bild: Radio Bremen
Herr Papencord, was genau müssen Sie und Ihre Mitarbeiter im Augenblick leisten?
Im Moment ist es so, dass der Ordnungsdienst, der sonst viele Aufgaben hat, hauptsächlich in Sachen Umsetzung der Allgemeinverfügungen unterwegs ist. Dafür haben wir einen Teil unserer Mitarbeiter umorganisiert. Wir haben seit letzter Woche acht Allgemeinverfügungen rausgebracht, um das öffentliche und private Leben neu zu strukturieren. Die Kollegen sind auf der Straße und gucken, dass die Betriebe, die nicht mehr geöffnet haben dürfen, auch geschlossen haben – und das tun sie überall.
Was passiert mit denen, die noch auf haben?
Die werden angesprochen und auf die gültige Lage hingewiesen. Wir können auch die Schließung anordnen. Dann darf der Laden erst wieder öffnen, wenn wir die Freigabe erteilen. Es gibt aber Unsicherheiten und Schlupflöcher, dafür ist das gesellschaftliche Leben viel zu vielfältig und kann nicht durch eine Allgemeinverfügung eins zu eins abgebildet werden. Wir haben dazu extra eine Service-Stelle, die diese Fragen aufnimmt. Wir sammeln dort auch Fragen und können so immer mehr Antworten für größere Gruppen geben.
Was für Unklarheiten begegnen Ihnen denn und wie gehen Sie damit um?
Ein Handyshop zum Beispiel, der auch eine Paketannahmestelle betreibt, darf nur noch seine Paketannahme betreiben. Das eine muss vom anderen getrennt sein. Da können wir jetzt nicht in jeden Laden hineingehen und sagen: "Du musst dies tun und das absperren!" Da muss in der aktuellen Situation jeder eigenverantwortlich handeln. Das tun die Leute aber auch. Unsere Mitarbeiter erfahren bei ihrer Arbeit viel Verständnis. Die meisten Leute sehen einfach den Gesamtkontext. Es geht darum den Ausbruch des Virus zu verlangsamen. Da muss jetzt eben jeder seinen Beitrag leisten.
Als Ordnungsdienst müssen Sie auch kontrollieren, ob Menschen sich an eine angeordnete Quarantäne halten. Wie machen Sie das?
Wir stehen bei den Menschen nicht rund um die Uhr vor der Tür, das verbietet sich von selbst. Wir fahren aber regelmäßig zu den Wohnorten der Leute, die unter Quarantäne stehen, rufen sie dann an und bitten sie, einmal ans Fenster zu gehen. Und dann wissen wir, dass die Quarantäne eingehalten wird.
Zeit zum Knöllchen verteilen bleibt Ihren Mitarbeitern aktuell wohl kaum, oder?
Das würde ich so nicht sagen. Wir sind jetzt rund um die Krankenhäuser unterwegs. Dort müssen jetzt mehr denn je die Rettungsgassen freigehalten werden. Das ist jetzt unsere vorrangige Aufgabe in diesem Bereich. Da kann der ein oder andere in der Innenstadt vielleicht auch mal falsch parken – aber machen kann man da jetzt ja sowieso nichts.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. März 2020, 19:30 Uhr