Kolumne

Hey Politiker, Ihr macht grad einen richtig guten Job

Man sieht viele müde Gesichter in diesen Tagen. Im Bundeskabinett, bei den Länderchefs, bei allen, die Verantwortung tragen. Zeit für ein Danke, meint Redakteur Jochen Grabler.

Ein Konterfeit von Jochen Grabler, unten sieht man einen Zollstock der bei 150cm markiert ist.

Was bin ich froh, in diesem Land zu leben! Und zwar gerade mal ganz ohne irgendwelche Einschränkungen. Ich stelle fest: Dieser Staat funktioniert. Und das ist eine ziemlich beruhigende  Erkenntnis, gerade in beunruhigenden Zeiten. Man muss nur mal eben in den Abgrund der italienischen oder spanischen Katastrophe blicken oder nur fünf Minuten dem US-amerikanischen oder dem brasilianischen Präsidenten zuhören. Was für ein irres Glück, nicht in Chicago, Rio, Madrid oder Florenz zu leben! Sondern hier.

Ein gut organisierter Staat

Dieser Staat, unser Staat trifft gerade 'ne ganze Menge kluger Entscheidungen. Und zwar auf allen Ebenen. Dieser Staat ist gerade gut organisiert. Dieser Staat wird gerade gut regiert. Die politischen Entscheider holen sich hinreichend Rat von Fachleuten. Alle Beteiligten sind besonnen. Und ehe jetzt jemand das eine oder andere „Aber“ auf den Lippen hat: Ja, noch vor wenigen Tagen gab es den gleichermaßen blöden wir unnötigen Wettstreit um die noch drastischeren Beschränkungen. Schnee von gestern.

Muss man Markus Söder wegen seiner Alleingänge nochmal und nochmal verhauen? Nö! Kann passieren, da decken wir den Mantel der Barmherzigkeit drüber. Wer Söder am vergangenen Sonntag bei Anne Will ins Gesicht geguckt hat, hat doch gesehen, wie fertig dieser Mann gerade ist. Am Rand. Und darüber hinaus.

Wie übrigens viele, die jetzt Verantwortung tragen. Man sieht in viele müde Gesichter. Im Bundeskabinett, bei den Länderchefs, bei vielen. Möchte jemand tauschen? Nicht wirklich!

Es ist an der Zeit, den Dank auszuweiten

Zu Recht gibt es Applaus und Dankesbekundungen an das Personal in Krankenhäusern, Supermärkten, und, und und... an all diejenigen, die mit großem Einsatz den Laden am Laufen halten. Es ist mal an der Zeit, diesen Dank auszuweiten.

Weil wir in Bremen sind: Diese Landesregierung ist gerade mal ein paar Monate im Amt, viele Abgeordnete der Bürgerschaft sind Frischlinge im Parlament, da stehen viele Neulinge in großer Verantwortung. Erst recht vor diesem Hintergrund ist jetzt mal was fällig. Hey, Senat, hey Abgeordnete, Ihr macht gerade einen richtig guten Job! Jeder an seinem Platz.

Ich hab mir gestern die Bürgerschaftsdebatte angeguckt. Und genau zugehört. Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff hat die richtigen Worte gefunden. Andreas Bovenschulte hat die richtigen Themen angesprochen und vor allem den richtigen Ton getroffen. Und alle nach ihm auch.

Von Thomas Röwekamp von der CDU bis zu Nelson Janßen von den Linken, alle stehen beieinander, bei allen Differenzen, alle ringen um die besten Lösungen, bei allem war viel Respekt zu spüren. Der nötige Respekt vor der Aufgabe, und der Respekt voreinander. Gut so!

"Der Staat hat das Heft des Handelns in der Hand."

Allen ist ganz offensichtlich und hörbar sehr bewusst, dass es jetzt auf sie ankommt. Denn das ist wohl klar: Jetzt hat der Staat das Heft des Handelns in der Hand. Und wer repräsentiert gerade diesen Staat? Diejenigen, die wir alle in diese Jobs gewählt haben. Die Senatorinnen und Senatoren, die Abgeordneten der Bürgerschaft und die Stadtverordneten in Bremerhaven. Sie ganz persönlich haben jetzt zu entscheiden, sie persönlich tragen Verantwortung in einer wahnsinnig komplizierten Lage.

Sie müssen eine kaum lösbare Aufgabe lösen. Sie müssen Leben retten UND Jobs, Wirtschaft, Wohlstand. Vor allem sie müssen aushalten, was wir gerade alle aushalten müssen: diese Zeit der Ungewissheit. Bis sich endlich zeigt, dass die Maßnahmen greifen, dass die Infektionskurve flacher wird, dass dann endlich ein paar Lockerungen entschieden werden können. Am Ende treffen sie Entscheidungen um Leben und Tod.

Einfach mal "Danke" sagen

Darum, vor allem darum: Danke für Eure Besonnenheit, Danke dass keiner durchdreht, Danke, dass ihr diese Verantwortung schleppt! War fällig. Überfällig.

In diesen Dank schließe ich ausdrücklich die Abgeordneten der AfD und ihrer Spaltprodukte mit ein. Sie hätten am Mittwoch Rederecht gehabt, haben aber nicht geredet. Das war eine gute Entscheidung! Ein herzliches Dankeschön! Wer zu nichts nutze ist, wer nichts beizutragen hat, sollte am besten die Klappe halten. 

Und, ehe jetzt zu viel Gemütlichkeit ausbricht: Morgen, ihr Bovenschultes, Röwekamps und wie ihr alle heißt, morgen kloppen wir uns wieder um die richtigen politischen Lösungen. Und wenn ihr Mist macht, dann gibt es morgen einen auf die Mütze. Oder übermorgen. Wenn wir alle wieder normal arbeiten können. Versprochen!

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Video vom 25. März 2020
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  • Jochen Grabler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr