Coronavirus und Grippe: Das unterscheidet sie

Influenza- und Corona-Fälle liegen zahlenmäßig weit auseinander. Auch die Krankheitsverläufe sind unterschiedlich. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Virologe Sandro Halbe betrachtet in einem Forschungslabor des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg auf einem Computermonitor die Elektronenmikroskopaufnahme eines MERS-Coronavirus, einem engen Verwandten des neuartigen Coronavirus.
Ein Wissenschaftler schaut auf die Elektronenmikroskopaufnahme eines MERS-Coronavirus. Bild: DPA | Arne Dedert

In China stehen Millionenstädte unter Quarantäne, in Italien finden Fußballspiele vor leeren Rängen statt, in Deutschland werden Messen abgesagt – und auch in Bremen gibt es seit dem Wochenende den ersten Corona-Fall. Doch ist der Virus so gefährlich wie die jährliche Grippewelle, die allein in Deutschland jedes Jahr tausende Leben kostet? Wir haben beide Infektionskrankheiten verglichen.

1 Fallzahlen: Zehntausende Grippekranke in diesem Winter

Die Zahl der Coronavirus-Fälle liegt derzeit (Stand 2. März) bei weltweit 89.197. Davon hat sich der Großteil, also gut 80.000 der infizierten Menschen, in China angesteckt. Wobei eine statistische Erhebung der amerikanischen John Hopkins University zeigt, dass sich inzwischen mehr Menschen von der Krankheit erholen, als sich neue Menschen mit ihr anstecken.

Zum Vergleich: Allein 2019 wurden dem Robert-Koch-Institut in Deutschland 193.853 Influenza-Fälle gemeldet. In diesem Jahr liegt die Zahl bislang bei mindestens 59.122 Fällen. In Bremen waren es 2019 insgesamt 408 Fälle. In diesem Jahr wurden bislang mindestens 83 Influenza-Erkrankungen aus dem Land Bremen gemeldet.

Zahl der Corona- und Grippe-Fälle in Bremen seit Jahresbeginn

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Pflichtmeldungen ansteckender Krankheiten im Land Bremen

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2 Ansteckung: Husten. Schnupfen, Handkontakt

Das Coronavirus wird als Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Vor allem Händekontakt, Anhusten, Sekrete oder Schnupfen können die Viren übertragen. Es gibt Belege dafür, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch stattgefunden hat. Dabei wiesen die Überträger zum Teil keine Beschwerden auf. Eine Infektion über Oberflächen, die nicht zur direkten Umgebung eines symptomatischen Patienten gehören, wie zum Beispiel importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck, gilt Experten zufolge als unwahrscheinlich.

Auch die Grippe wird als Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Es gelten für beide Infektionskrankheiten dieselben Vorsorge- und Hygieneempfehlungen.

Wie Sie sich und andere vor Infektionen schützen

Video vom 27. Februar 2020
Teaserbild zur einem Video, in dem erklärt wird, wie man sich vor Viren schützen kann.

3 Inkubationszeit: Grippe verläuft deutlich schneller

Als Inkubationszeit wird die Dauer von der Infektion bis zum Ausbruch erster Krankheitsanzeichen bezeichnet. Den bisherigen Beobachtungen zufolge beträgt die Inkubationszeit beim Coronavirus bis zu vierzehn Tage.

Bei mit dem Grippevirus Infizierten zeigen sich erste Symptome deutlich schneller – meist schon nach ein bis zwei Tagen.

4 Sterberate: Corona rechnerisch gefährlicher als Influenza

Der Weltgesundheitsorganisation zufolge gab es bis zum 2. März 2020 insgesamt 81.197 bestätigte Corona-Fälle. Gleichzeitig waren sind bis dato 3.048 Todesfälle vermeldet worden. Daraus würde sich rechnerisch eine Sterberate, also eine Letalität, von 3,7 Prozent ergeben. Da sich von den bekannten Fällen bis zum Erhebungszeitpunkt bislang weltweit erst 45.150 Patienten erholt hatten, ist bei rund 45.000 Patienten weiter unklar, wie die Krankheit verlaufen würde. Die Angaben zur Sterberate bei Corona sind daher noch sehr unsicher. Die Weltgesundheitsorganisation geht allerdings jenseits des Epizentrums Hubei von einer Sterblichkeitsrate von lediglich 0,7 Prozent aus. Der Direktor des Instituts für Virologie am Berliner Charité rechnet damit, dass die Letalität in Deutschland noch geringer ausfallen dürfte. "Im Moment sind wir eher in einem Korridor von 0,3 bis 0,7 Prozent Fallsterblichkeit", sagte der Virologe am Montag. Er geht sogar davon aus, dass die Quote in nächster Zeit weiter sinkt.

Zum Vergleich: Bei den jährlichen Influenza-Wellen wird die Sterblichkeitsrate auf 0,1 bis 0,2 Prozent geschätzt. Höher lag diese Quote allerdings bei der so genannten Asiengrippe, der größten Epidemie nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals starben Schätzungen zufolge 0,5 Prozent der Infizierten.

5 Symptome: Krankengeschichte für Diagnose wichtig

Die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit "Covid-19" führt bei bisherigen Infektionen meist zu verschiedenen Atemwegsproblemen und grippeähnlichen Symptomen. Betroffene leiden an Fieber und Atemproblemen. Diese Symptome wies auch erste Corona-Patientin in Bremen bei Ihrer Aufnahme ins Krankenhaus Bremen-Mitte auf.

Das Robert-Koch-Institut nennt explizit Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber als Symptome. Einige Betroffene leiden demnach auch an Durchfall.

Experten schätzen, dass rund 80 Prozent der Coronavirus-Infektionen mild verlaufen, also ähnlich einer Erkältung. 13,8 Prozent aller bestätigten Fälle verliefen bislang schwer, 4,7 Prozent werden als kritisch eingestuft.

Bei mit Influenza infizierten Menschen treten die Symptome deutlich schneller auf. Betroffene fühlen sich schlapp und sehr krank. Das Robert-Koch-Institut  nennt als typische Influenza-Symptomatik einen plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen. Häufig kommt etwas später ein trockener Reizhusten dazu. Diese Symptome gelten allerdings nur für rund ein Drittel der Infizierten. Ein Drittel zeigt mildere, ein weiteres Drittel gar keine Symptome. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei fünf bis sieben Tagen.

Um die Symptome von Corona-Fällen und Grippe-Fällen unterscheiden zu können, ist es oft wichtig, die Krankengeschichte von Patienten zu kennen. Auch vor diesem Hintergrund sollten Menschen, die entsprechende Symptome verspüren, zunächst telefonisch ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin kontaktieren.

6 Impfschutz: Nachholbedarf in beiden Fällen

Gegen Grippeviren gibt es seit Jahren vorbeugende Schutzimpfungen. Sie werden jedes Jahr wieder an die neu kursierenden Viren-Hauptgruppen angepasst. In Deutschland ist die Ständige Impfkommission zuständig. Sie empfiehlt vor allem Risikogruppen wie älteren Menschen, chronisch Kranken und Schwangeren die Impfung gegen Grippeviren. Für diese Menschen macht eine Impfung noch bis ins Frühjahr Sinn. Zumal der Impfschutz schon in rund zwei Wochen aufgebaut werden kann. Trotz vielfältiger Impfkampagnen in jedem Herbst erreicht Deutschland mit rund 35 Prozent dennoch nur knapp die Hälfte der von der Weltgesundheitsorganisation vorgegebenen Zielquote von 75 Prozent bei den über 60-Jährigen.

Für das Coronavirus Sars-CoV-2 ist bislang kein Impfstoff verfügbar. Dies liegt auch daran, dass er mit den üblichen Grippeviren nichts zu tun hat. Stattdessen zählt er zur Familie der Coronaviren und stammt vermutlich aus dem Tierreich, bevor es erstmals auf Menschen übertragen wurde. An einer entsprechenden Impfstoff-Entwicklung wird jedoch geforscht. Ein erster Impfstoff könnte in einigen Monaten gefunden werden. Bis dieser aber weltweit verfügbar ist, dürften Experten zufolge ein bis zwei Jahre vergehen.

Gängige Grippe-Impfstoffe helfen im Übrigen nicht vor einer Coronavirus-Infektion. Denn dafür sind die Viren zu unterschiedlich.

7 Meldepflicht: Bremer können sich bei der 115 melden

Sowohl Corona-Fälle als auch Influenza-Fälle sind in Deutschland meldepflichtig. Eine genaue Auflistung der Symptome gibt das Robert-Koch-Institut sowohl für die Grippe wie auch für den Coronavirus. Hier sollten sich potenziell Betroffene zunächst informieren.

Das Bremer Gesundheitsamt sowie Krankenhäuser und Hausärzte empfehlen eindringlich, dass Patienten nicht direkt in die Arztpraxen oder Krankenhäuser kommen. Stattdessen sollten sie zunächst ihren Hausarzt telefonisch kontaktieren – und nicht auf Notrufnummern wie die 112 zurückgreifen. Alternativ können sich Bremerinnen und Bremer auch bei der Behördennummer 115 melden.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 2. März 2020, 17 Uhr