Von wegen abgesagt – viele Bremer Events soll es jetzt digital geben

Keine Konzerte, keine Lesungen, kein Gang ins Museum – das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Bremen scheint stillzustehen. Diese Initiative will das ändern.

Eine junge Frau tanzt mit Kopfhörern durch ihr Wohnzimmer.
Bremer Kulturschaffende wehren sich gegen ein drohendes Aus – mit digitalen Angeboten und kreativen Spendenaufrufen. Bild: Imago | JuNiArt

Ist in Bremen und Bremerhaven in Zeiten des Coronavirus wirklich kein Platz mehr für Spaß, Sport oder kulturelles Vergnügen? Seit Mitte der Woche dürfen nur noch wenige Geschäfte öffnen, viele Einzelhändler bangen seitdem um ihre Einnahmen – und ihre Existenz. Ähnlich wie in Berlin soll sich nun auch das kulturelle Leben in Bremen per Eigeninitiative und mit digitalen Angeboten aus der Schockstarre befreien.

Die Macher des Projektes #bremenist wollen die sonstige Offline-Welt der Bremer Kulturlandschaft digitalisieren und dadurch auch in Zeiten von Corona weiterleben lassen. Denkbar seien Livestreams von Konzerten oder Lesungen aber auch Führungen durch Museen oder Übertragungen von Yoga- und Sportkursen, sagt Initiator Niklas Renner. Über einen Eventkalender können sich User einen Überblick über alle anstehenden Veranstaltungen in Bremen verschaffen. Pro Tag sind laut Renner in etwa drei Events geplant.

Eigeninitiative statt Jammern

Zusammen mit fünf weiteren Kollegen hatte der 28-Jährige Anfang der Woche die Idee zu #bremenist. "In unseren Agenturen sind sämtliche Kampagnen weggebrochen, wir haben also plötzlich alle sehr viel Zeit", sagt Renner. Die Situation sei wirtschaftlich bedrohlich, trotzdem wolle man nicht jammern. "Es kann nicht sein, dass hier alles zum Erliegen kommt, kulturell aber auch gesellschaftlich", findet Renner. Auf der #bremenist-Webseite, dem YouTube-Kanal, auf Instagram, Facebook und TikTok soll nun all das, was offline ausfällt, gebündelt werden und digital trotzdem stattfinden.

Von dieser Idee bis zum ersten Live-Konzert vergingen nur wenige Tage. Der Ort für die Konzerte soll auch in Zukunft so geheim wie möglich gehalten werden und wird immer wieder wechseln. Neben den Konzerten sind auch Angebote für Kinder oder Mitmachaktionen aus den Bereichen Kunst, Sport und Bildung geplant. "Möglich ist eigentlich alles und wir hoffen hier sehr, dass sich die Community mit einbringt", sagt Renner.

Virtuelle Biere trinken

Als wichtiges Netzwerk der Bremer Live-Musik-Szene ist mittlerweile auch der Clubverstärker Bremen aktiv geworden. Unter dem Motto "Clubverstärker united" können Bremerinnen und Bremer in Form von Spenden jetzt ganz konkret etwas für die örtlichen Veranstalter, Künstler und Clubbetreiber und Kulturschaffenden tun.

Unterstützer haben gegen eine Spende die Wahl, beispielsweise virtuelle Biere zu trinken oder aber die Jacke an der Garderobe abzugeben. Bereits 3.400 Euro wurden auf diesem Wege bisher gesammelt – 100.000 Euro sind das Ziel.

Theater im eigenen Wohnzimmer

Auch in Bremerhaven müssen die Menschen nicht auf Kultur verzichten. Aus dem derzeit leeren Theater im Fischereihafen sollen ab Sonntag Kultur-Angebote auf der Facebookseite des Theaters per Livestream gesendet werden.

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. März 2020, 19:30 Uhr