So reagiert die Bremer Wirtschaft auf das Coronavirus

Weltweit wachsen die Sorgen rund um die Coronavirus-Ausbreitung – auch in der Wirtschaft. Wie hart trifft es die Bremer Unternehmen und wie gehen sie damit um?

Tragwerk-Montage für die Airbus-Typen A340 und A330 bei Airbus Industrie im Werk Bremen.
In Bremen stellt Airbus die Landeklappen der Flugzeugflügel her. Ein Auftrag für den A330 könnte sich auf Grund des Coronavirus verzögern. Bild: DPA | Ingo Wagner

Große Teile der Wirtschaft in Bremen und Bremerhaven rechnen mittlerweile mit ernstzunehmenden Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Eine aktuelle Umfrage zum Coronavirus der Handelskammer Bremen zeigt: Fast die Hälfte der befragten Unternehmen erwartet Umsatzeinbußen in 2020. Knapp ein Viertel erwartet sogar Rückgänge von mehr als zehn Prozent.

Der Umfrage zufolge sind besonders die Branchen des Tourismus sowie die Verkehrs- und Logistikwirtschaft betroffen. Auch die Industrie und der Handel, kriegen die Auswirkungen zu spüren.

Die Störung der Liefer- und Transportketten macht sich zunehmend bemerkbar, es fehlen Materialien und Vorprodukte.

Eduard Dubbers-Albrecht, Vizepräses der Handelskammer

Von konkreten Produktionsproblemen ist bei AB Inbev bisher keine Rede. Die weltgrößte Brauerei hat ihren Deutschlandsitz in Bremen. Dennoch rechnet sie corona-bedingt mit einem Gewinneinbruch: Allein in China hat der Konzern im Januar und Februar 285 Millionen US-Dollar weniger umgesetzt als erwartet, weil Millionen Verbraucher zwischenzeitlich ihr Haus nicht mehr verließen.

In Bremen braut Beck und Co. unter dem Dach von AB Inbev in der Neustadt Biermarken wie Beck's und Haake Beck. Für sein deutsches Geschäft hat der Konzern mittlerweile ein Dienstreiseverbot verhängt, bestätigt Deutschland-Sprecherin Claudia Hauschild. Außerdem empfehle man Mitarbeitern in ganz Europa, Geschäftsreisen zu verschieben oder zu stornieren und Sitzungen über Telefon- oder Videokonferenzen zu organisieren.

Vorsichtsmaßnahmen werden getroffen

Die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter rückt auch die Leitung des Bremer Mercedes-Werks in den Mittelpunkt. In Bremen wie in allen anderen Daimler-Werken gibt es Vorsichtsmaßnahmen, die "ständig angepasst, aktualisiert und konkretisiert" würden. Dabei orientiert sich der Konzern unter anderem an den tagesaktuellen Informationen der Weltgesundheitsorganisation.

Einige Karossen von Mercedes Benz
Im Bremer Mercedes-Benz Werk kam es bis jetzt zu keinen Produktionsverzögerungen.

Die Produktion im Mercedes-Benz Werk Bremen läuft bisher planmäßig, sagt Firmensprecherin Stefanie Krugsberger. Lücken in den Lieferketten hat der Daimler-Konzern bisher auch mit Hilfe von Flugtransporten schließen können. Dramatischer waren die Folgen in China – dort hat der Autokonzern seine Produktion nach den Ferien zum chinesischen Neujahr erst verspätet wieder aufgenommen. Weil dort der Vertrieb komplett zusammenbrach, verkaufte Daimler im weltweit größten Automarkt deutlich weniger.

Epidemie könnte Airbus-Auftrag verzögern

Sorgen macht sich auch der europäische Flugzeugbauer Airbus, der in Bremen sein zweitgrößtes Werk in Deutschland betreibt. Weil viele Flüge weltweit gestrichen werden, lasten die Fluggesellschaften ihre Flieger nicht aus. Auch der Airbuskunde Air Asia X musste bisher allein im März 600 Flüge streichen. Air Asia hat 78 Airbus A330 Neo bestellt, möchte aber offenbar die Lieferung mittlerweile verschieben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Airbus überlege auch deswegen, die Produktion des A330 zu drosseln. Hiervon wäre auch der Bremer Airbus Standort betroffen, da unter anderem die sogenannten "Hochauftriebssysteme" — die Landeklappen für die Flügel aller Airbus-Flugzeugprogramme, auch für das Modell A330 – hier gefertigt werden.

Airbus Gebäude in Bremen
Besucher des Airbus Werkes müssen bei Eintritt Auskunft über ihre Reiseaktivitäten abgeben.

Seit dem Ausbruch der Epidemie legt Airbus seinen Besuchern und Kunden bei der Anmeldung in den Werken einen Fragebogen zum Reiseverhalten und zur eigenen Gesundheit vor, erklärt Konzernsprecher Daniel Werdung dazu. Dieser Fragebogen gilt auch für die Mitarbeiter, die aus Risikoregionen zurückkehren. Werksführungen finden bei Airbus bis auf weiteres statt, das Gleiche gilt für die Brauerei Beck und Co., sowie das Mercedes-Werk.

Bremer Messen finden weiterhin statt

Auch die Messe Bremen sieht bislang keine Veranlassung, eigene Veranstaltungen abzusagen. Entsprechende Verschiebungen oder Absagen in Hannover, Hamburg, Berlin und Leipzig ließen sich nicht mit den kommenden Veranstaltungen in Bremen vergleichen, heißt es dazu. Im März veranstaltet die Messe Bremen eine Reitsport- und eine Wein-Messe. Allerdings ziehen beide deutlich weniger internationales Publikum an und werden deswegen als weniger riskant eingestuft als die abgesagte Hannover Messe und die Internorga in Hamburg.

Das ändert sich erst im April mit der Jazzmesse Jazzahead und im Mai mit der Schwergutmesse "Breakbulk" – speziell zur "Breakbulk" werden in den Messehallen um die 10.000 Besucher erwartet. Solange steht die Messe Bremen im engen Kontakt mit der Gesundheitsbehörde und bewertet die Lage jeden Tag neu, sagt Sprecherin Christine Glander. Ausgefallen sind bisher nur Gastveranstaltungen in den Messehallen – darunter eine Tagung der "Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung".

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Autor

  • Christian Schwalb

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 6. März 2020, 14 Uhr