Was die Corona-Verdopplungszeit in Bremen verrät — und was nicht

Bei der Corona-Pandemie wird ein statistischer Wert inzwischen immer wichtiger: die Verdopplungszeit der Infektionen. Wo stehen wir in Bremen und was sagt die Zahl aus?

Illustration der ultrastrukturellen Morphologie des neuartigen Coronavirus 2019-nCoV-Virus
Die Verdoppelungszeit der Infektion gilt als wichtige Größe im Kampf gegen das Virus. Bild: DPA | Cdc/ZUMA Press

Spätestens als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verdopplunsgzeit von zehn Tagen als Ziel ausgegeben hat, ist dieser Maßstab stärker ins Bewusstein der Bevölkerung gerückt. Aus der Quarantäne ließ die Kanzlerin wissen, dass über eine Lockerung der Regelungen erst nachgedacht werden könne, wenn sich die Zahl der Coronavirus-Infizierten alle zehn Tage verdoppele.

Die Verdopplungszeit gibt an, wie schnell sich die Corona-Epidemie in Deutschland oder den Bundesländern ausbreitet.

Verdopplungszeit in den Bundesländern

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Lange haben wir uns an der Zahl der Menschen orientiert, die sich neu infiziert haben. Jetzt wird die Verdopplungszeit zunehmend zum wichtigsten Wert für Politik und Wissenschaft. Zu Beginn des Ausbruchsgeschehens hat sich dieser Wert alle zwei Tage verdoppelt. Inzwischen zeigt sich ein anderes Bild. Das Virus verbreitet sich langsamer — auch in Bremen.

Wir bilden diese Entwicklung jetzt auch regelmäßig in unserer Übersicht als Grafik ab. Dabei blicken wir auf einen Zeitraum von fünf Tagen. Warum? "Betrachtet man einen sehr kurzen Zeitraum, dann können die Zahlen stark schwanken. Ist der Zeitraum zu lang gewählt, dann werden Trends schlechter sichtbar", erklärt Katharina Lutz, Sozialwissenschaftlerin und Statistikerin an der Universität Bremen, die uns bei der Datenaufbereitung beraten hat. "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" rechnen mit fünf Tagen. Ein richtig oder falsch gibt es bei diesem Betrachtungszeitraum laut Statistikern nicht. Unsere Quelle für die Infiziertenzahlen und damit die Datenbasis sind die Gesundheitsbehören der Bundesländer.

Verdopplungszeit Entscheidungshilfe für Politiker

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer hält die Verdopplungszeit für einen guten Anhaltspunkt, da der Wert Hinweise darauf liefert, ob die getroffenen Maßnahmen wie Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen, ein Runterfahren des öffentlichen Lebens auch wirken. "Ziel der Maßnahmen ist, die Verdopplunszeiten zu vergrößern", sagt Dotzauer. Der Parameter könne den Politikern bei ihrer Entscheidung helfen, wie mit Maßnahmen umzugehen ist, also auch mit eventuellen Lockerungen.

Verdopplungszeit im Land Bremen

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Immer wieder wird die unsichere Datenlage kritisiert. Denn die Zahlen hängen stark davon ab, wer und wie häufig überhaupt getestet wird. Die vorliegenden Zahlen haben eine begrenzte Aussagekraft, denn niemand kennt bislang die Dunkelziffer von Menschen, die vielleicht keine oder nur leichte Symptome hatten, nicht getestet wurden und damit nicht in der Statistik auftauchen. Sie wird auf das Fünf- bis Zehnfache der Infiziertenzahlen geschätzt. Angenommen ihr Anteil in der Bevölkerung bleibt gleich, dann bleibt auch die Verdopplungszeit ein valider, also recht sicherer, Wert.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Twitter anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. April 2020, 19:30 Uhr