Fragen & Antworten

Bremer entwickelt Corona-Spiel – und verschenkt es 100 Mal

Ein Patient will Schutzmasken aus der Klinik stehlen. Wie reagiert man? Die Geschäfte öffnen wieder. Ist das richtig? Mit einem Spiel will ein Bremer neue Lösungen finden.

Eine Karte wird vor ein Spielfeld gehalten.
Aus vier verschiedenen Perspektiven können die Situationen diskutiert werden.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Arzt. In Ihrem Krankenhaus haben sich einige Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Was tun Sie? Bei seiner Entlassung versucht ein geheilter Patient, Schutzmasken mitgehen zu lassen – was wäre die richtige Reaktion?

Mit solchen Situationen möchte sich wohl kaum einer gerne auseinandersetzen. "Aber durch eine andere Perspektive kann man auch Ideen für sich selbst entwickeln", sagt Ralf Besser. Um dabei zu helfen, hat er das Spiel "Deutschland steht still! Was tun?" entwickelt – und verschenkt nun 100 Exemplare davon an die Bremer und Bremerhavener.

Was ist das für ein Spiel, wie funktioniert es?
Eines schon vorweg: Bei Ralf Bessers Spiel geht es nicht darum, zu gewinnen. Wenn ein Spieler gewürfelt hat, rückt er auf dem Spielfeld vor. Je nachdem, auf welchem Feld er nun steht, muss er eine bestimmte Perspektive einnehmen – die der Geschäfte, der Politik, des Gesundheitswesens oder der Haushalte – und für eine Situation oder eine Frage eine Lösung vorschlagen. Daraufhin bewerten die anderen Mitspieler die Antwort auf einer Skala von förderlich bis kritisch. Doch es geht in erster Linie nicht darum, eine möglichst gute Bewertung zu bekommen. "Durch die Bewertungen entsteht ein Austausch über die Antwort – und auch Situationshumor", beschreibt Entwickler Ralf Besser. Denn es gibt auch einige komische Situationen: So hat wohl kaum jemand schon mal darüber nachgedacht, was wäre, wenn das Virus sprechen könnte?
Eine Hand versetzt eine Spielfigur auf einem Spielfeld.
Nach jedem Szenario bewerten die Mitspieler die Antwort auf einer Skala.
Warum hat Ralf Besser das Spiel entwickelt?
Egal, ob die Szenarien realistisch oder völlig abwegig sind: "Es geht darum, über die Situationen in Perspektivwechsel reinzukommen", erklärt Ralf Besser. Denn dann entdeckten die Spieler vielleicht Ideen, die ihnen vorher noch nicht in den Sinn gekommen sind.

Außerdem ist das Corona-Spiel ist nicht das erste Reflexionsspiel, das Ralf Besser entwickelt hat. Mit seiner Firma macht er Team-Coachings für Unternehmen und Behörden. Um den Austausch zwischen den Mitarbeitern zu fördern, setzt er ähnliche Spiele wie das aktuelle ein. "Dafür gehe ich zum Beispiel zum Chef und und frage ihn, was er seinen Mitarbeitern schon immer über seine Arbeit sagen wollte", erklärt Ralf Besser. Aus diesen Antworten entstehe dann das Spiel. "Und als dann der Shutdown wegen Corona kam, habe ich mir gesagt: 'Ralf, da kannst du auch mal ein Reflexionsspiel zu machen'", sagt Besser.

Das ist ein Spiel, das keinen Gewinner produziert. Der Gewinn ist die Erkenntnis.

Ein Mann, Ralf Besser, schaut in die Kamera.
Ralf Besser, Entwickler des Spiels
Ist es richtig, für solch ein ernstes Thema ein Spiel zu entwickeln?
Diese Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten. "Menschen nutzen in vielen schwierigen Situationen Humor, um damit umzugehen", meint Ralf Besser. Doch für alle, die sich damit nicht wohlfühlen, hat er eine zweite Version des Spiels entwickelt. Bei dieser Variante mit dem Namen "Hilfe zur Selbsthilfe" geht es eher darum, reale Probleme zu bearbeiten und vielleicht sogar eine Lösung zu finden. Auf einem Spielfeld werden dazu Zettel mit den verschiedenen Aspekten eines Problems verteilt und dann alleine oder zu zweit in mehreren Schritten durchdacht. "Das ist dann eher kognitiv, ohne Humor", erklärt Ralf Besser.
Für wen ist das Spiel geeignet und wie kann ich ein Exemplar bekommen?
Laut Ralf Besser können Kinder ab etwa neun Jahren mitspielen. Insgesamt ist das Spiel für bis zu vier Mitspieler ausgelegt. Wer es selbst einmal ausprobieren will, der kann sich bei ihm melden. Die Mail-Adresse lautet: mail@besser-wie-gut.de.

Statt um Geld bittet Ralf Besser darum, nach dem Spielen einige Erkenntnisse und Erfahrungen mit dem Spiel an ihn zurückzumelden. "Es ist geplant, die Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. In der Hoffnung, dass es anderen hilft", erklärt Ralf Besser. Außerdem solle das Spiel nach dem Spielen an einen anderen Haushalt weitergegeben werden – damit möglichst viele Menschen davon profitieren können.

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Video vom 17. März 2020
Ein Junge und ein Mädchen sitzen am Küchentisch und puzzeln zusammen.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. April 2020, 23:30 Uhr