Corona-Lockerungen und Sommer-Laune: Geht's Bremens Reisebüros besser?

Ein Paar sitzt an einem Hotelpool auf einer Sonnenliege.
Nun kommt wieder richtig Schwung in die Branche: Beliebte Reiseziele sind momentan Spanien, Griechenland und die Türkei. Bild: DPA | Benjamin Nolte

Reisebeschränkungen, Quarantäne-Regeln: Die Reisebüros in Bremen und Bremerhaven haben gelitten. Jetzt nimmt das Urlauben Fahrt auf – und trifft manchen unvorbereitet.

Der Sommer ist endlich da, die Inzidenzen sinken und die Corona-Regeln werden weiter gelockert – nicht nur hierzulande. Viele Menschen haben schon lange Fernweh. Gerade nach so einem langen Winter und dem harten Lockdown wollen alle wieder in den Urlaub. Laut dem deutschen Reiseverband nehmen die Buchungen seit kurzem wieder deutlich zu.

Die Menschen wollen raus, sie wollen Strand, sie wollen Sonne.

Andreas Tächl, Reiseverkehrskaufmann bei Tui-Reisecenter im Bremer Viertel

"Es boomt. Wir bekommen Anfragen über Anfragen", sagt Andreas Tächl vom Tui-Reisecenter im Bremer Viertel. "Die Menschen wollen raus, sie wollen Strand, sie wollen Sonne, so der 56-jährige Reiseverkehrskaufmann. Dem Reisebüro, in dem er arbeitet, gehe es momentan hervorragend. Er freue sich über jeden Kunden, der hereinkommt und seine Reise bei ihm bucht. Vor allem freue er sich auch, weil er seine Kunden wieder persönlich am Schreibtisch beraten kann.

Bünyamin Sereflioglu sitzt am Schreibtisch in seinem Reisebüro
Bünyamin Sereflioglu hat über WhatsApp eine Art Kundenservice eingerichtet, damit er rund um die Uhr für seine Kunden zur Verfügung steht. Bild: Bünyamin Sereflioglu

Auch Bünyamin Sereflioglu, Inhaber von Trio Reisen, bestätigt die vielen Anfragen und Buchungen. "Die Telefone klingeln, E-Mail-Anfragen und Kunden kommen auch wieder herein", sagt der 45-Jährige. Er habe im Moment beide Hände voll zu tun. "Ich würde schon sagen, wir kommen dem Niveau von 2019, also vor Corona näher", Bünyamin Sereflioglu, Inhaber der Trio Reisen. GmbH

Mitte Mai diesen Jahres wurde eine neue Corona-Einreiseverordnung verabschiedet. Damit wurden Haupthindernisse wie die Quarantäne-Pflicht aufgehoben. Das heißt, Reisende müssen nach ihrer Rückkehr in Deutschland nicht mehr in Quarantäne. Außerdem öffnen immer mehr europäische Länder ihre Grenzen für Touristen. Und immer mehr Menschen sind geimpft. Laut dem Deutschen Reiseverband sind 70 Prozent der aktuellen Reisebuchungen Pauschalreisen. Der Grund dafür ist die Absicherung durch die Reiseveranstalter.

Erst später mit dem Ansturm gerechnet

Beliebte Urlaubsziele sind im Moment Spanien mit den Balearen und Kanaren, Griechenland und die Türkei. Aber es geht auch vereinzelt in die Dominikanische Republik, nach Kuba, Mexiko und Dubai. Iris Mittelstädt vom Alltours-Reisecenter Bremerhaven ist in diesem Jahr auch schon selbst nach Griechenland gereist. Sie sieht keinen Grund, warum man gerade nicht reisen sollte.

Überall wird auf Hygiene-Maßnahmen und Abstände geachtet, ob im Flugzeug, im Wartebereich oder im Hotel. Und alle, die im Flugzeug sitzen, sind entweder negativ getestet oder geimpft. Was soll da passieren?

Iris Mittelstädt, Inhaberin des Alltours-Reisecenters in Bremerhaven

Auch Bünyamin Sereflioglu bekommt viel positives Feedback von seinen Kunden, die gerade aus dem Urlaub aus der Türkei zurückkommen. Sie würden ihn und die Hotels im Ausland weiterempfehlen. Er freue sich zwar über die hohe Nachfrage, sei aber auch etwas unvorbereitet. "Wir haben den Ansturm der Kunden etwas später erwartet. Jetzt müssen wir gucken, dass wir unsere Kunden zufrieden stellen können", sagt Sereflioglu.

Wird Fachpersonal jetzt geschätzt?

Iris Mittelstädt sitzt im Liegestuhl vor einer Fotowand in ihrem Reisebüro
Iiris Mittelstädt arbeitet seit mehr als 30 Jahren im Reisebüro. Sie sagt, sie hätte viele Krisen mitgemacht, aber sowas wie die Corona-Pandemie will sie nicht noch mal erleben. Bild: Iris Mittelstädt

Viele Kunden sind ihm in der Krise treu geblieben. Außerdem hat er neue dazu gewonnen, weil andere namhafte Reisebüros schließen mussten. Auch Iris Mittelstädt kann neue Kunden verbuchen. "Das sind Kunden, die 2020 Reisen im Internet gebucht hatten und schlechte Erfahrungen gemacht haben, weil auf einmal kein Ansprechpartner da war, als sie ihre Reisen nicht antreten konnten. Mit uns haben sie jemanden, der sich darum kümmert, dass die Reise storniert wird und sie ihr Geld zurückbekommen", erzählt Mittelstädt.

Mit den Reisebeschränkungen mussten die Reisebüros ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Bünyamin Sereflioglu verlor dadurch vier seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit seinem großen Büro musste er Anfang März in ein kleineres Büro umziehen. Unter anderem wegen der hohen Kosten. Und die Filiale in Horn-Lehe musste er sogar dicht machen.

Auch andere Reisebüros litten stark unter dem Lockdown und den Reisebeschränkungen. Mit dem Reisestopp mussten Reisen storniert und Gelder zurück überwiesen werden. "Das hat viele an den Rand ihrer Existenzen gebracht", sagt Torsten Schäfer, Pressesprecher des Deutschen Reiseverbandes. Die Reisebüros hätten 2020 bis zu 90 Prozent ihres Umsatzes verloren. Wie viele Reisebüros in der Corona-Pandemie dicht gemacht haben, ist noch nicht klar. Es gibt auch noch keine Statistik darüber, wie viele Reiseveranstalter aufgegeben haben.

Reiseverband fordert Verlängerung der Überbrückungshilfen

Viele Büros konnten sich nur mit Hilfe der finanziellen Unterstützung der Regierung übers Wasser halten. Bis Ende September können sie noch die sogenannten Überbrückungshilfen beantragen. Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband wünscht sich, dass die Überbrückungshilfen bis zum Ende des Jahres verlängert werden, weil das Fernreisegeschäft noch nicht richtig in Schwung kommt. Touristische Reisen in die USA, nach Kanada, Neuseeland und Australien sind noch nicht möglich.

Aber im Moment freuen sich die Bremer Reisebüros, dass sie in Europa wieder durchstarten können. "Wir sind zuversichtlich und hoffen, dass es so bleibt, dass die Politik nicht irgendwelche anderen Corona-Maßnahmen vorschreibt", so Iris Mittelstädt vom Alltours-Reisecenter Bremerhaven.

Was Bremer beim Urlaubbuchen jetzt beachten müssen

Video vom 13. Mai 2021
Der Reiserechtsexperte der Verbraucherzentrale Bremen, Mathias Hufländer, im buten un binnen Studio.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

      

Autorin

  • Necla Süre Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. Juni 2021, 23:30 Uhr