Wer muss wann, wie lange in Corona-Quarantäne? Die 4 Haupt-Regeln

Wenn das Gesundheitsamt es nicht schafft, jeden zu informieren, der in Quarantäne muss, sollte man selbst zumindest die wichtigsten Regeln kennen. Ein Überblick.

Eine Frau mit Maske steht am Fenster und schaut hinaus (Symbolbild)
Muss ich in Quarantäne? Wenn ja, wie lange? Und: Wann kann ich diese verlassen? Solche Fragen stellen sich derzeit viele Bremerinnen und Bremer. Bild: Imago | Manuel Geisser

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsämter sind gnadenlos überlastet und kommen bei der Kontaktverfolgung nicht mehr hinterher. Das gilt für das Land Bremen wie für viele andere Orte in Deutschland. Zentral für die Eindämmung des Coronavirus ist, dass sich jeder Mensch mit einem positiven Testergebnis sofort in Quarantäne begibt. Dasselbe gilt für die unmittelbaren Kontaktpersonen. Die Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass alle die Quarantäneregeln kennen. Diese können sich ändern. Wir bilden hier den aktuell geltenden Stand ab. Dieser findet sich in der 23. Coronaverordnung vom 15. Dezember.

1 Ich habe einen positiven Test

Wer ein positives Testergebnis hat, muss in jedem Fall für 14 Tage in Quarantäne. In diesem Zeitraum darf man die eigene Wohnung nicht verlassen und keinerlei Besuch empfangen, der nicht zum eigenen Haushalt gehört. Die Quarantäne darf laut aktueller Bremer Rechtsverordnung frühestens nach 14 Tagen beendet werden, wenn seit mindestens 48 Stunden keine Symptome mehr auftreten und der behandelnde Arzt seine Zustimmung gegeben hat. Der Sprecher des Bremer Gesundheitsamtes, Lukas Fuhrmann, sagt, dass die Behörde es nach wie vor schaffe, jede Person mit einem positivem Testergebnis über das weitere Vorgehen zu informieren. Die Mitarbeiter würden auch während der Quarantäne Kontakt zu der positiv getesteten Person halten und Hinweise zum richtigen Verhalten geben. So werde dann auch abgesprochen, ob man die Quarantäne verlassen kann.

2 Ich hatte engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person

Das Gesundheitsamt teilt die Kontaktpersonen zunächst, gemäß der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, in zwei Kategorien ein. Wer länger als 15 Minuten und ohne Maske engen Kontakt zu einer Person mit einem positiven Testergebnis hatte oder in einer Situation Kontakt zu einer solchen Person hatte, in der das Gesundheitsamt von einem hohen Infektionsrisiko ausgeht, gehört zur Kategorie I und muss für 14 Tage in Quarantäne. Neu ist, dass die Isolation ab dem zehnten Tag nach dem letzten Kontakt mit der infizierten Person mit einem negativen Testergebnis beendet werden kann. Vorher war das nicht möglich.

In allen Fällen darf die Quarantäne nur nach einer Anordnung des Gesundheitsamtes vorzeitig beendet werden. Wer nichts vom Gesundheitsamt hört, muss 14 Tage in Quarantäne bleiben. Dadurch soll möglichst ausgeschlossen werden, dass eine Person die Quarantäne verlässt, obwohl sie noch ansteckend ist. Laut Lukas Fuhrmann, Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, gab es schon Fälle, in denen Personen nach zehn Tagen plötzlich Symptome entwickelten. Hierbei ist auch wichtig, dass man sich mit der positiv getesteten Person abspricht. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, sich in Quarantäne zu begeben, wenn man weder von der infizierten Person als Kontaktperson angegeben wurde, noch vom Gesundheitsamt dazu aufgefordert wurde. In solch einem Fall würde man zum Beispiel keine Quarantänebescheinigung vom Gesundheitsamt bekommen, die für den Arbeitgeber wichtig sein kann.

Kontaktpersonen der Kategorie I werden gemäß der aktuellen Teststrategie Bremens ab der Woche vom 16. November nur noch dann getestet, wenn sie Symptome haben oder zu den Risikogruppen gehören, also zum Beispiel in Krankenhäusern oder Pflegeheimen arbeiten. Auch Präventiv-Tests in Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas fallen dann weg. Diese hätten zuvor nur wenige positive Ergebnisse zutage gefördert. Zwar haben gemäß einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums alle Kontaktpersonen der Kategorie I Anspruch auf einen Test. Laut Bremer Gesundheitsbehörde ist es aber schlicht nicht machbar alle Kontaktpersonen der Kategorie I zu testen. An manchen Tagen gebe es mehr als 1.000 neue Kontaktpersonen der Kategorie I. Mit den neuen Regeln will Bremen mehr Kapazitäten für Risikogruppen schaffen. Wenn beispielsweise ein Schnelltest in einem Pflegheim auftaucht, soll er in kürzerer Zeit durch einen Labortest abgesichert werden. Für alle Personen gilt aber weiterhin: Wenn sich das Gesundheitsamt zunächst nicht meldet, man aber sicher ist, dass man zur Kategorie I gehört, muss man sich selbstständig in Quarantäne begeben – auch wenn man nicht getestet wird.

Die Haushaltsangehörigen einer symptomfreien Kontaktperson der Kategorie I müssen nicht in Quarantäne. Treten Symptome auf oder liegt ein positives Testergebnis vor, ändert sich das. Die Angehörigen werden dann selbst zur Kontaktperson der Kategorie I.

3 Ich hatte fernen Kontakt zu einer positiv getesteten Person

Wenn man zwar engen Kontakt zu einer infizierten Person hatte, dieser aber nicht so lang war oder beide Personen dabei einen Mund-Nase-Schutz trugen, wird man gemäß Vorgaben des Robert Koch-Instituts in die Kategorie II der Kontaktpersonen eingeordnet. Eine Quarantänepflicht gibt es dann nicht, es wird aber eine besondere Vorsicht empfohlen. Vor allem sollte man für eine gewisse Zeit Kontakte reduzieren.

4 Ich bin aus einem Risikogebiet zurückgekommen

Laut einer Verordnung der Bundesregierung müssen sich Bremer und Bremerinnen schon vor oder unmittelbar nach der Einreise aus einem Risikogebiet innerhalb von 48-Stunden in Deutschland auf Corona testen lassen. Diese Regelung wurde im Januar auf Länder ausgeweitet, in denen die neue Corona-Mutation mehrfach aufgetreten ist. Dort muss ein negativer Test auch vor Einreise in die Bundesrepublik nachgewiesen werden. Der negative Test könne bei der Einreise verlangt werden, so teilte es das Bundesgesundheitsministerium mit. Das Testergebnis muss auch noch zehn Tage nach Einreise aufbewahrt und gegebenenfalls vorgezeigt werden.

Unabhängig des Testergebnisses besteht eine Quarantänepflicht für zehn Tage. Diese Kann durch ein negatives Testergebnis auf fünf Tage verkürzt werden.

Autor

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Oktober 2020, 19:30 Uhr