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Studieren mit Facebook: Hochschule Bremerhaven wird in Krise kreativ

Professoren streamen bei Facebook, Vorlesungen gibt es bei Youtube und Studenten treffen sich in virtuellen Räumen. So läuft das Studium während der Coronakrise.

Ein Mädchen sitzt an ihrem Schreibtisch und guckt auf ihren Laptop. Auf dem Monitor ist eine Frau zu sehen.
Die Hochschule Bremerhaven versucht, in der Coronakrise möglichst viele Vorlesungen im Internet anzubieten. Bild: Imago | Action Pictures

Wegen des Coronavirus gibt es an den Hochschulen im Land Bremen schon seit Wochen keine Präsenzveranstaltungen mehr. Die Hochschule Bremen will ab dem 20. April auf ein digitales Sommersemester umsteigen, die Hochschule Bremerhaven, bei der das Sommersemester schon im März gestartet ist, nutzt schon jetzt Online-Angebote. 937 Lehreinheiten sind in diesem Sommersemester betroffen. Einen Großteil kann die Hochschule online anbieten. Buten un binnen hat sich von Professor Hauke Hilz erklären lassen, wie das läuft. Er ist Professor für Lebensmitteltechnologie.

Ein Mann steht vor einer Leinwand und erklärt etwas. Vor ihm ist ein Stativ mit einem Handy aufgebaut.
Hauke Hilz streamt seine Vorlesungen kurzerhand bei Facebook. Bild: Hochschule Bremerhaven
Wie sehen die Vorlesungen aktuell aus?
Hauke Hilz streamt seine Vorlesungen im Moment einfach auf Facebook. Statt nach einer aufwändigen Kameraausstattung zu suchen, greift er nach seinem Smartphone und filmt seine Vorlesungen allein im Labor. Inzwischen sind bereits mehrere seiner Vorlesungen zu Lebensmittelanalytik und Lebensmittelrecht auch im Youtube-Kanal der Hochschule Bremerhaven zu finden. Einige seiner Kollegen nutzen auch einen Konferenz-Server. Dort können sich Studenten einen virtuellen Raum nehmen und dort in Arbeitsgruppen arbeiten. Die Professoren können sich in die Gruppenräume schalten und helfen. Auch Studenten höherer Semester haben angeboten, die Arbeitsgruppen zu unterstützen. Einige Professoren nutzen zudem auch die Möglichkeit, digitalisierte Materialien auf der Lernplattform "Elli" anzubieten.
Wie schnell ging das Onlineangebot an den Start?
Hauke Hilz hat gar nicht lange gefackelt. Das Sommersemester an der Hochschule Bremerhaven startete am 16. März, am selben Nachmittag kam die Meldung, dass das öffentliche Leben in Deutschland weitgehend heruntergefahren wird. Am Montag darauf startete er mit seiner Onlinevorlesung.

Besonderes Equipment brauchte ich nicht. Von zu Hause habe ich mir ein Stativ mitgebracht mit einer Handyhalterung und über die Selfiekamera habe ich dann meine Vorlesung live aufgezeichnet.

Hauke Hilz, Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Bremerhaven
Gab es bisher Probleme?
Es gab Startschwierigkeiten. So war bei Hauke Hilz das Bild am Anfang gespiegelt, es war also falsch herum auf dem Display. So konnten die Studenten nicht alles lesen. Aber das Problem konnte schnell behoben werden. Ansonsten funktioniert die Technik gut und die meisten Studenten nehmen das Angebot laut Hilz an.
Können die Studenten zwischendurch Fragen stellen?
Bei den Livestreams gibt es eine Kommentarfunktion, über die man Fragen stellen kann. Ansonsten können sich die Studenten auch nach der Vorlesung per Mail melden. Und in den virtuellen Arbeitsräumen können individuelle Fragen geklärt werden. Hauke Hilz gibt aber zu, dass die Kommunikation so natürlich deutlich schwieriger ist als im Hörsaal. Online könne man nicht so leicht ins Gespräch kommen.

Die Studierenden schicken einen Kommentar, der mir auf dem Display angezeigt wird und auf den ich reagieren kann, wenn auch einige Sekunden zeitversetzt.

Hauke Hilz, Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Bremerhaven
Wären Online-Vorlesungen nicht auch eine Idee für die Zukunft?
Hauke Hilz kann sich Online-Vorlesungen zumindest als Ergänzung gut vorstellen. Als Vorteil sieht er, dass man sich die Videos auch später nochmal angucken kann, wenn man irgendetwas verpasst oder nicht richtig verstanden hat.
Wie soll es an der Hochschule in Bremerhaven weitergehen?
Bis Mitte April will die Hochschule an den Online-Vorlesungen festhalten. Dann will sie je nach Lage entscheiden, wie es weitergeht.

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Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Nachmittag, 6. April 2020, 14:20 Uhr