Fragen & Antworten

Bremer Virologe: Maskenpflicht ersetzt nicht die Abstandsregel

Jede Maske ist besser als keine. Sagt der Virologe Andreas Dotzauer. Warum Profimasken für den Privatgebrauch ungeeignet sind und Schulen über Masken nachdenken sollten.

Selbstgebastelte Mundnasenbedeckung aus Haushaltspapier
Maske Mark Eigenbau: Der Virologe schwört auf seine selbstgebastelten Einwegmasken. Bild: Andreas Dotzauer
Wenn Bremen nun die Maskenpflicht einführt: Welcher Maskentyp ist sinnvoll?
Andreas Dotzauer, Virologe von der Universität Bremen, hat selbst mehrere Masken. Alle "Marke Eigenbau". Seiner Ansicht nach sind diese völlig ausreichend für den Hausgebrauch. Ihre Herstellung ist denkbar einfach: "Zwei Lagen Haushaltstücher, zum Gesicht hin verstärkt mit einem Tempotaschentuch, umrandet von Kreppband und mit Gummis versehen, um es an den Ohren fest zu machen." Eine typische Einmal-Maske, die nach Gebrauch weggeworfen wird. Ob selbstgenähte Mund-Nasen-Bedeckung oder Einwegmaske aus dem Supermarkt: "Für den täglichen Gebrauch, wenn man sich draußen bewegt, erfüllen sie alle ihre Funktion, indem sie die Virenzahl reduzieren – sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen." Nach Meinung des Virologen erfüllen sie alle im Alltag vollkommen ihren Zweck.
Keine Maske zur Hand – was tun?
Ob der hochgezogene Rollkragen, das umfunktionierte Halstuch, ein zweckentfremdeter T-Shirt-Ärmel als Maske: All das erfüllt laut Dotzauer als Mund-Nasen-Bedeckungen den grundsätzlichen Zweck und ist in jedem Falle ein besserer Schutz, als gar keinen zu haben. "Hauptsache, man hat irgendwas." Masken sieht er nicht als "begleitende Maßnahme", die nur ergänzend zu anderen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen zu verstehen ist.

Diese Bedeckungen sind nicht 100-prozentiger Schutz, aber jede Reduktion der Viren, die man abgibt oder aufnimmt, hilft.

Andreas Dotzauer
Andreas Dotzauer, Virologe von der Universität Bremen
Wie funktionieren Mundnasenbedeckungen?
Masken wirken laut Dotzauer durchaus in zweierlei Hinsicht: "Nicht nur die Weitergabe von Viren wird damit eingedämmt: Ein gewisser Schutz besteht auch durchaus beim Einatmen. Die Virenreduktion ist schon ein ganz guter Schutz, um die Infektionswahrscheinlichkeit zu reduzieren." Man schütze damit also andere als auch sich selbst. "Sie fangen viele Viren weg, die auch in der Atemluft sind. Denn die sind nicht nur in den Tröpfchen, die man beim Husten oder Niesen erzeugt. Auch beim Einatmen hat eine Maske – egal aus welchem Material – einen gewissen Effekt."
Dotzauer hält es für wichtig, "man hat überhaupt etwas vor Nase und Mund." Aber wirklich entscheidend findet er, dass jedem klar ist, dass Masken keinesfalls einen absoluten Schutz bieten. "Man muss auch mit Maske unbedingt die Abstandsregeln einhalten. Das ist ganz wichtig: Die werden dadurch nicht außer Kraft gesetzt!"
Wie sinnvoll sind Profimasken für den Hausgebrauch?
Dotzauer warnt, sich von allzu großer Angst leiten zu lassen und "paranoid" zu werden. In Bezug auf Masken heißt das: "Man muss nicht denken, es muss immer das Beste sein. Man darf nicht vergessen, dass je besser Masken Viren herausfiltern oder sogar ganz wegfiltern, je geringer ist auch der Tragekomfort." Zertifizierte Profimasken, wie sie in Kliniken, Praxen oder Laboren sinnvollerweise zum Einsatz kommen, hält Dotzauer für den Alltag für übertrieben, weil sie dafür schlicht nicht gemacht sind. "Das Atmen kann einem mit diesen Masken schwerfallen, man kann nicht vernünftig damit sprechen. Eine Maske muss schon situationsangepasst sein."
Wie ist der richtige Umgang mit Masken?
Die allerwichtigste Regel in der Handhabung von Masken lautet laut Dotzauer: "Masken nie von Innen anfassen." Man könne sie zwar durchaus mal vom Gesicht ziehen, müsse dabei eben darauf achten, dass die Innenseite nicht kontaminiert wird. Wiederverwendbare Masken sollte man laut Dotzauer nach jedem Tragen reinigen. Eine Handwäsche mit viel Seife und möglichst heißem Wasser erfüllt nach Expertenmeinung bereits ihren Zweck. "Ideal ist, sie bei 80 bis 90 Grad zu waschen." Man könne sie auch im Backofen mit trockener Hitze desinfizieren, "das dauert aber mehrere Stunden." Und will man zwischendurch auf Nummer Sicher gehen, könne man sie im Zweifel auch einfach mal mit Desinfektionsmittel besprühen.
Eine Grafik die darstellt, wie man eine Schutzmaske richtig verwendet. 1. Händewaschenvor dem Aufsetzender Maske 2. Maske weder innennoch außen anfassen 5. Beim Auf- und Absetzen nur an den Schlaufen anfassen 6. Stoffmasken beimindestens 60 Gradwaschen 7. Einwegmaskenentsorgen undHändewaschen 3. Feuchte Maskenauswechseln 4. Vor/nach dem Ausziehen Händewaschen
Wer sollte Masken tragen?
Wenn eine Maskenpflicht besteht, dann sollte die laut Dotzauer für alle gelten. Auch für Kinder: "Kinder infizieren sich ja auch und laufen damit auch als Infektionsüberträger rum." Ansonsten ist er der Ansicht, dass überall, wo es schwierig ist, die Abstandsregeln einzuhalten, situationsbedingt angezeigt sei, Masken zu tragen. "Das gilt auch für den Schulbereich oder die Polizei."
 

Autorin

  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. April 2020, 19:30 Uhr