Wie sicher Bremens ÖPNV ist, haben die Kunden auch selbst in der Hand

Corona hat auch das Fahren mit Bus und Bahn verändert. Noch sind Gesichtsmasken im Land Bremen keine Pflicht. Wie lange noch? Der VBN empfiehlt sie bereits ausdrücklich.

Mann mit Mundschutz sitzt im Bus
Mit Abstand nicht mehr so genutzt wie vor Corona: Der ÖPNV. Bild: DPA | Markus Gilliar

Seit Wochen ist die Bevölkerung dazu angehalten, aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus Zuhause zu bleiben und direkte Kontakte sowie Reisen zu vermeiden. Ob Homeoffice oder sogar Jobverlust, ob Schul- oder Kitaausfall, Ladenschließungen oder Kontaktverbot: All das hat auch Folgen für den öffentlichen Nahverkehr. Während die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) sonst rund 290.000 Fahrgäste pro Tag befördert, sind es derzeit nur noch etwa 72.000 – also rund ein Viertel davon.

"Die BSAG geht derzeit von einem Fahrgastrückgang von 70 bis 80 Prozent im April aus", teilt Andreas Holling, Sprecher der BSAG, mit. Das bedeute einen finanziellen Verlust von 150.000 bis 170.000 Euro pro Tag. Ähnlich verhält es sich in Bremerhaven: "Mindestens 60 Prozent weniger nutzen derzeit die öffentlichen Verkehrsmittel", so Robert Haase, Sprecher der BremerhavenBus. Normalerweise seien es täglich rund 40.000 Fahrgäste.

Für Sicherheit müssen alle sorgen

Corona stellt den Öffentlichen Nahverkehr vor echte Herausforderungen. Das Absperrband zum Fahrerbereich war nur der Anfang: Um Infektionen zu vermeiden, hat BremerhavenBus beispielsweise schon jeden zweite Sitz in ihren Bussen gesperrt. Und appelliert zusätzlich an die Kunden, auch selbst etwas zur Sicherheit und Hygiene beizutragen.

Zwar tragen unsere Fahrgäste schon vermehrt Masken, aber wir möchten nochmal ausdrücklich empfehlen, diese im öffentlichen Nahverkehr zu tragen.

Robert Haase
Robert Haase, Sprecher von BremerhavenBus

Auf die Bitte an die Kunden, Masken zu tragen, wolle man zukünftig mittels Anzeigen auch hinweisen. "Wir suchen gerade nach einem passenden Aufkleber für unsere Busse, aber ein allgemeines Zeichen gibt es dafür noch nicht."

Auch in Bremen weisen Piktogramme daraufhin, sich an den Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander zu halten. "Sollte ein Fahrzeug zu voll sein, bitten wir die Fahrgäste zu prüfen, ob auch die Fahrt danach genutzt werden kann", so BSAG-Sprecher Holling. 

Effektiv schützen können die Betriebe allerdings letztlich nur das eigene Personal: "In den Bussen ist mit der Schließung der ersten Tür, dem Stopp des Ticketverkaufs sowie der räumlichen Absperrung verbundweit der geforderte Abstand gewährleistet", erklärt Eckhard Spliethoff, Sprecher des Verkehrsbund Bremen/Niedersachen (VBN). Darüber hinaus würden viele Verkehrsunternehmen die Trennscheibe im Fahrzeug vergrößern. "Um unsere Fahrer zu schützen, haben wir vom Boden bis zur Decke eine Schutzfolie abgeklebt", so Haase.

Keine Ticket-Kontrollen in Bremen

Blick in eine nahezu leere Straßenbahn.
"Fahrkarten bitte": Kontrollen im ÖPNV lohnen kaum noch in Zeiten von Corona. Und sind auch ein Sicherheitsrisiko.

Während in Bremerhaven noch Ticketkontrollen durchgeführt werden und die Kontrolleure angehalten sind, die Fahrgäste auf den Mindestabstand hinzuweisen, sind diese in Bremen derzeit ausgesetzt. "Wir appellieren an alle Fahrgäste, sich fair zu verhalten", bittet Holling. Und hofft auf Solidarität: Mit dem Ticket helfe man, das Angebot für all diejenigen Menschen aufrecht zu erhalten, die beispielsweise in Krankenhäusern, Supermärkten oder der Logistik-Branche arbeiteten und dort dringend gebraucht würden. Auch diejenigen, die kein eigenes Auto besäßen, seien beispielsweise zum Einkaufen auf den ÖPNV angewiesen. "Auch in Corona-Zeiten ist Fahren ohne Ticket eine Ordnungswidrigkeit und gilt als Schwarzfahren", erinnert Holling.

Gibt es jetzt Geld zurück?

Monats- und Einzeltickets des VBN
Wer nicht fährt, kann unter Umständen Fahrgast-Rechte geltend machen.

Gekauft werden können die Tickets nach wie vor über die Fahrplaner-App, Fahrausweisautomaten, Kundencenter und private Vorverkaufsstellen. "Bereits gekaufte Monatstickets für den April wurden zum Zeitpunkt, als der April noch nicht begonnen hatte, ohne Bearbeitungsgebühr erstattet“, so Spliethoff. BSAG-Fahrgäste, die ein Abonnement (MIA) oder Job-Ticket beim VBN haben, können sich telefonisch an das Verkehrsunternehmen wenden. In Bremerhaven ermöglicht man Job-Ticket-Inhabern, einen Monat auszusetzen.

Wann wieder der normale Fahrbetrieb aufgenommen werden kann, ist bisher noch unklar. Derzeit fahre die BSAG 85 Prozent ihres Angebotes, in Delmenhorst werde weiterhin nach unverändertem Fahrplan gefahren. "Ich gehe davon aus, dass wir ab Schulbeginn in Bremerhaven nahezu nach Normalplan fahren", meint Haase. Immer darauf bedacht, die Sicherheitsbestimmungen nicht außer Acht zu lassen. So sei es laut VBN Ziel, damit auch bei wieder steigender Kundenzahl "der Abstand weitgehend gewährleistet werden kann".   

Autorin

  • Johanna Ewald

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. April 2020, 19:30 Uhr