Liveticker

Corona-Ticker (28. März): Klima-Forscher fürchten Rückschlag-Effekte

Die Luftwerte im Land Bremen haben sich nach Angaben des Umweltressorts verbessert. Laut AWI-Chefin Boetius sind Forscher dennoch in Sorge. Die Entwicklung im Liveticker.

Die Leiterin des AWIs Antje Boetius im Studio von buten un binnen.

+++ Besseres Klima: Nachhaltige Effekte bei Pandemie laut AWI-Chefin wohl nicht möglich +++

Laut Umweltressort haben sich die Luftwerte im Land Bremen verbessert. Die genaue Auswertung soll noch folgen. Hintergrund ist die Corona-Krise. Die großen Unternehmen produzieren weniger, die Menschen reisen weniger und auch der Stromverbrauch ist nach Angaben des Energieversorgers SWB um 20 Prozent zurückgegangen. Der Preis dafür sei unglaublich hoch, sagte Anke Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, im Gespräch mit buten un binnen. "Kein noch so ernster Klimaforscher oder Klimaschützer wünscht sich diese Art von Rückbau", so Boetius. "Wir wünschen uns alle einen richtigen Umbau, einen geplanten, strategischen Umbau, der auch hält, der nachhaltig ist." Das werde bei einer solchen Pandemie nicht möglich sein. "Im Gegenteil. Wir befürchten Rückschlag-Effekte, dadurch, dass jetzt erst einmal so viel aufzuholen ist, die Wirtschaft zu reparieren ist, wenn das noch länger weitergeht." Die Sorge sei groß, dass keine Mittel vorhanden sein werden, um die Infrastruktur in notwendigen Schnelligkeit voranzutreiben.

So beeinflusst Corona das Klima – und Klimaforscher

Video vom 28. März 2020
Die Leiterin des AWIs Antje Boetius im Studio von buten un binnen.

+++ Austausch der "Polarstern"-Crew wird vorbereitet +++

Die aktuelle Crew des Forschungsschiffs "Polarstern" kann nicht wie geplant Ende April aus der Arktis zurückkehren. Wegen der Corona-Krise sitzen die Wissenschaftler weiter fest. Die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, Anke Boetius, sagte im Gespräch mit buten un binnen, dass die winterlichen Bedingungen für die Menschen dort nicht einfach seien. Die Mitarbeiter hätten nur minimalen Kontakt zu ihren Familien. Den Austausch des Teams habe man aber bereits für Mai geplant. Weltweit hätten sich Polarforscher angeboten, um zu unterstützen. Für die neue Crew, die künftig auf dem Schiff arbeiten soll, hoffe man "sehr auf die Schnelltests, die angekündigt sind. Wenn man regelmäßig und viel testen kann vorher plus Quarantäne, dann sollte es möglich sein, die Leute gesund hoch zu kriegen und den Austausch durchzuführen", sagte Boetius.

+++ Bremer halten sich auch bei schönem Wetter an Kontaktbeschränkung +++

Laut Polizei haben sich die Bremer auch bei dem frühlingshaften Wetter weitgehend an die Kontaktbeschränkungen gehalten. Die Beamten fuhren wie schon in den vergangenen Tagen im ganzen Stadtgebiet verstärkt Streife. Größere Verstöße gegen die Auflagen habe es aber nicht gegeben, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Weder in den Grünanlagen wie dem Bürgerpark oder Knoops-Park noch am Osterdeich.

+++ Jetzt 278 nachgewiesene Corona-Fälle in Bremen +++

Im Land Bremen ist die Zahl der bestätigten Coronafälle auf mittlerweile 278 gestiegen. Laut Gesundheitsbehörde sind damit im Laufe des Tages 15 neue Infektionen dazugekommen. Zwei Menschen sind inzwischen an den Folgen der Viruskrankheit gestorben. 53 der Corona-Patienten im Land Bremen sind mittlerweile wieder gesund. In Niedersachsen ist die Zahl der Infizierten im Lauf des Tages auf insgesamt 3.480 gestiegen – das sind 300 Fälle mehr als gestern. Das Sozialministerium meldete am Samstagnachmittag 21 Todesfälle.

+++ 12 Tote in Wolfsburg: "Entwicklung dramatisch" +++

Nach dem Tod von zwölf Menschen durch das Coronavirus in einem Wolfsburger Pflegeheim hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) alle Bürger erneut zu Vorsicht gemahnt. "Das Geschehen in Wolfsburg führt uns die Unerbittlichkeit dieses Virus vor Augen", sagte er am Samstag. Er bitte alle Bürgerinnen und Bürger, direkte Kontakte zu vermeiden und Telefon, Mail oder Post zu nutzen. Der SPD-Politiker nannte die Entwicklung in Wolfsburg dramatisch. "Mein besonderer Dank gilt all denen, die in dem Heim versuchen, trotz eigener Gefährdung weitere Ansteckungen und weitere Todesopfer zu verhindern", sagte Weil der Staatskanzlei in Hannover zufolge.

+++ Merkel bedankt sich bei Bürgern +++

Die Corona-Krise ist heute auch das Thema von Bundeskanzlerin 'Angela Merkel (CDU) in ihrem wöchentlichen Podcast. Darin bedankt sie sich für die Disziplin der meisten Bürger, fordert von ihnen aber auch geduldig zu bleiben. Die Ausgangsbeschränkungen schon bald zu lockern, davon hält Merkel nichts. Die Zahl der Neuinfektionen sei nach wie vor zu hoch.

+++ "Artania": Nicht positiv Getestete werden laut Reiseveranstalter ausgeflogen +++

Der Reiseveranstalter Phoenix-Reisen schrieb buten un binnen, es seien 45 Personen mit Erkältungssymptomen getestet worden. Das Ergebnis werde morgen erwartet. Positiv Getestete kämen in australischen Krankenhäusern in Quarantäne. Die übrigen Schiffsgäste würden morgen mit vier Charterflügen nach Frankfurt gebracht, wo sie Montagmorgen erwartet werden. Der Transfer in die Heimatorte erfolge per Bus.

Corona-Verdachtsfälle auf der "MS Artania"

Video vom 28. März 2020
Ein Bild des Kreuzfahrtschiffes MS Artania auf See.
Bild: Jose R. Montero

+++ Ergebnis von Verdachtsfällen auf dem Schiff steht noch aus +++

Auf dem deutschen Kreuzfahrtschiff "Artania" gibt es weitere Corona-Verdachtsfälle. Das Schiff, das auf dem Weg nach Bremerhaven war, liegt zurzeit in einem Hafen in Australien. Neun Passagiere der "Artania" befinden sich in Kliniken in Perth, drei davon in kritischem Zustand. Bei 46 Corona-Verdachtsfällen steht das Testergebnis noch aus. Der Regierungschef des Bundeststaats Westaustralien, McGowan, sprach von einer "dringenden Situation" an Bord des Kreuzfahrtschiffs.

Die "Artania" liegt zur Zeit im Hafen von Freemantle nahe Perth. Morgen sollen die verbliebenen rund 800 Passagiere nach Frankfurt ausgeflogen werden. McGowan sagte, auch alle Verdachtsfälle, die negativ getestet wurden, würden nach Deutschland gebracht. An Bord der Artania befinden sich zudem 230 Crewmitglieder. Soweit sie nicht infiziert sind, reisen sie mit dem Schiff zurück nach Bremerhaven, wo sie Anfang April erwartet werden.

+++ Kanzleramtsminister: Maßnahmen bleiben bis 20. April +++

Plata mit der Aufschrift "Stay the fuck home"
Eine Diskussion um die Lockerung der Maßnahmen sei verfrüht, so der Kanzleramtschef. Bild: Imago | foto2press

Kanzleramtschef Helge Braun hat klargestellt, dass es vor dem 20. April keine Lockerungen der bestehenden Einschränkungen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie geben werde. "Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen", sagte der CDU-Politiker dem "Tagesspiegel". "Bis dahin bleiben alle Maßnahmen bestehen." Ältere Menschen müssten noch deutlich länger als Jüngere mit Kontakteinschränkungen rechnen.

In Deutschland sind bis Samstagvormittag mehr als 48.800 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert worden. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Besonders hohe Zahlen. haben Nordrhein-Westfalen mit mehr als 12.000 nachgewiesenen Fällen und 88 Toten sowie Bayern mit mindestens 10.180 Fällen und 60 Toten. Im Land Bremen sind 263 Fälle bestätigt.

+++ Bremen will Pflegeeinrichtungen mit Schutzausrüstung versorgen +++

Bremen will Pflegeheime und -dienste schnell mit weiterer Schutzausrüstung versorgen. In Bremer Heimen hätten sich inzwischen 25 bis 26 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, sagte Sozial-Staatsrat Jan Fries buten un binnen. Ungefähr zwei Drittel davon seien Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch bei Pflegekräften sei das Virus festgestellt worden.

"In die betreffenden Einrichtungen gehen wir zusammen mit dem Gesundheitsamt und unserer Wohn- und Betreuungsaufsicht rein, um noch mal zu gucken: Werden da alle Hygienestandards eingehalten?", sagte Fries. Nun müsse geschaut werden, "dass auf jeden Fall diese Einrichtungen, aber auch die ambulanten Pflegedienste, die solche Personen pflegen, zuerst ausgestattet werden."

+++ Gesundheitsamt verzeichnet immer mehr Corona-Infizierte +++

Demnach steigt in der neusten amtlichen Erhebung die Zahl der bestätigten Corona-Fälle auf 263, ein Anstieg von 19 infizierten Personen. In der Stadt Bremen sind es aktuell 247 Fälle, in Bremerhaven 16. Ein Mann aus Bremen ist auf der griechischen Insel Kreta an den Folgen der Erkrankung gestorben. Er ist der zweite Bremer, der an dem Corona-Virus gestorben ist.

Was macht die Corona-Kontaktbeschränkung mit uns?

Video vom 26. März 2020
Ein älterer Mann steht alleine an seinem Balkon.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. März 2020, 19:30 Uhr