Interview

So sendet eine Bremerhavener Kunstgalerie Lebenszeichen im Lockdown

Wenn es dunkel wird, werden die Fenster der Bremerhavener Galerie Goethe45 zur Bühne für Aktionskunst. So wollen Künstler zeigen, dass es sie trotz Pandemie noch gibt.

Hinter einem beleuchteten Fenster ist die Silhouette einer Puppe zu sehen.
Was in den drei Fenstern der Galerie Goethe45 zu sehen ist, wechselt ständig – hier ist es eine Lichtinstallation samt bewegter Schaufensterpuppe. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Die Kunst- und Kulturwelt leidet besonders unter der Corona-Pandemie. Sie lebt davon gesehen zu werden. Doch im Lockdown kann sie sich kaum zeigen. Die Galerie Goethe45 in Bremerhaven-Lehe hat darum ihr Schaffen kurzerhand ins Schaufenster gestellt. In den vorderen drei Räumen haben die Kreativen ein Kommunikationsdesign für und um das Gebäude in der Goethestraße 45 geschaffen. So können Passanten das Treiben anschauen und werden als Beobachter Teil der sozialen Skulptur. Frei nach dem erweiterten Kunstbegriff des berühmten Aktionskünstlers Joseph Beuys. So beschreibt es das Kulturamt der Stadt, das das Projekt fördert.

Gleichzeitig entspricht die Aktion dem Gemeinschaftssinn der Galerie, die ihr Publikum in der Vergangenheit immer wieder einbezogen hat, etwa mit Werkstattevents. Nun wird die ursprünglich bis zum 6. März geplante Installation um mehrere Wochen verlängert, denn die Anschlusspläne haben sich coronabedingt zerschlagen. Goethe45-Koordinator Moritz Schmeckies gibt Einblicke in den Zustand der Galerie während der Pandemie und hinter die Kulissen der Kunstaktion.

Ein Mann grinst in die Kamera.
Moritz Schmeckies ist Koordinator der Galerie Goethe45 in Bremerhaven. Bild: Goethe45
Was steckt hinter der Idee einer Installation im Lockdown?
Die aktuelle Installation, die man von der Straße aus sehen kann, hat vor allen Dingen den Zweck zu zeigen, dass hier noch Leben ist. Im Moment ist ja alles heruntergefahren, auch im Kulturbereich. Reguläre Ausstellungen sind nicht möglich, wegen des Publikumsverkehrs. Und das ist auch ganz richtig so. Wir wollen einfach, dass die Leute, die hier durch die Straße gehen sehen, dass wir noch da sind. Und, dass wir nicht aufgeben. Gleichzeitig ist das natürlich für uns eine gute Gelegenheit Dinge auszuprobieren, die wir schon lange im Kopf hatten, ohne uns ein komplettes Ausstellungsformat ausdenken zu müssen. Es ist eine Mischung aus Spielerei für uns und Signal an den Stadtteil und die Leute hier.
Und was können Passanten bei der Kunstaktion sehen?
Das ist vom Konzept her so gedacht, dass wir häufiger wechseln. Also wir gehen immer wieder abends hin, bauen um, probieren Dinge aus. Wir haben aktuell zum Beispiel verschiedene Dia-Geschichten laufen, die wir zum Teil bearbeitet haben. Zum Teil sind das einfach kuriose Aufnahmen, die wir zeigen. Über einen Tageslichtschreiber gibt es außerdem verschiedene Projektionen mit Materialien, mit denen die Künstlerin Sofia Schneider arbeitet. Oder eine sich bewegende Schaufensterpuppe mit Medusa mäßigen Haaren und verschiedenen Lichteffekten gibt es hier zu sehen. Und auch Fotos aus den letzten acht Jahren Galerie Goethe45. Die laufen im Wechsel in einem dritten Fenster durch.
Wie geht es der Galerie in der Pandemie?
Was fehlt ist natürlich zum einen die Möglichkeit zu präsentieren. Die Sachen, die wir hier machen, leben auch davon, dass wir sie einem Publikum zeigen können. Und die Leute, die bei uns ihre Werkstätten und Ateliers haben, versuchen auch davon zu leben, dass sie ihre Kunstwerke verkaufen, ob das nun klassische Kunst oder Kunsthandwerk ist. Und die Möglichkeiten fehlen uns gerade. Das heißt wirtschaftlich ist das eine schwere Situation. Keine Messen, keine Ausstellungen, kein Einzelhandel. Das ist problematisch.
Wird denn hinter den Kulissen weitergearbeitet?
Ja, die Leute, die hier ihre Werkstätten haben, die arbeiten natürlich weiter. Das Problem ist, dass die Sachen, die hergestellt werden aktuell auf Halde liegen und auf den Moment warten, wo man sie wieder anbieten kann. Das heißt, die Lager sind voll. Alle brennen darauf, sich zu präsentieren. Und jetzt müssen eben Konzepte her, die das ermöglichen, ohne dass man pandemiebedingt jemanden gefährdet. Wir rechnen nicht damit, dass es in absehbarer Zeit einfach weitergeht wie bisher. Sondern es müssen einfach neue Ideen her, wie man da ran gehen kann.

Museum auf Zeit: DiscART Kunstevent in der ehemaligen Coca-Cola Fabrik

Video vom 4. Dezember 2020
Eine Wand der ehemaligen Cola-Fabrik, die bunt angemalt ist.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. März 2021, 23:30 Uhr