Interview

Wie diese Bremerhavener regionalen Firmen in der Corona-Krise helfen

Die Corona-Krise bedroht die Existenz vieler lokaler Einzelhändler und Gastronomen. Um sie zu unterstützen, haben zwei Bremerhavener nun die Plattform Havenmarkt gegründet.

Zwei junge Männer sitzen in der Sonne an einem Picknick-Tisch.
Kevin Engelbert und Soenke Blank haben die Bremerhavener Plattform Havenmarkt gegründet. Bild: Havenmarkt

Wer ein Geschäft, ein Restaurant, eine Bar, ein Friseursalon oder ähnliches hat, steckt während der aktuellen Kontaktbeschränkung in großen Schwierigkeiten. Einnahmen brechen weg, Ausgaben bleiben bestehen. Als Antwort auf die Corona-Krise haben zwei junge Bremerhavener die Plattform Havenmarkt ins Leben gerufen – einen Online-Marktplatz zur Unterstützung lokaler Einzelhändler und Gastronomen. Nur 48 Stunden nach der Idee ist die Seite online und wird nach und nach mit Angeboten befüllt. 31 Restaurants und 17 Einzelhändler sind schon mit an Bord. Die Gründer Soenke Blank und Kevin Engelbert über das Engagement hinter der Rettungsaktion.

Was ist Havenmarkt?
Soenke Blank: Das ist eine regionale Hilfsplattform für lokale Gastrobetriebe, Dienstleister, aber auch den Einzelhandel, deren Existenz gerade aufgrund der Corona-Krise bedroht ist. Uns geht es darum, dass wir gemeinsam unsere Lieblingsorte vor der Insolvenz retten, indem wir ihnen jetzt das Geld zur Verfügung stellen, das wir sowieso in den nächsten Monaten bei ihnen ausgeben werden. Jeder Gastronom und jeder Einzelhändler in Bremerhaven, Bremen, Oldenburg, Wilhelmshaven, Cuxhaven und umzu kann sich dort registrieren. Nutzer kaufen dann Gutscheine, die sie einlösen, sobald der Laden wieder geöffnet hat. Wir übernehmen den ganzen Ablauf mit dem Versenden der Gutscheine und so weiter.
Wie kamen Sie auf die Idee dazu?
Kevin Engelbert: Wir sind beide selbstständig und haben von vielen Unternehmerfreunden gehört, dass sie Angst um ihre Existenz haben. Daraufhin haben wir uns am Montag zusammengesetzt und wollten besprechen, was wir aktuell machen können, um Unternehmen in dieser Situation unter die Arme zu greifen. Wir haben gesehen, dass in Berlin eine ähnliche Idee ins Leben gerufen wurde. Dann haben wir keine weitere Sekunde gewartet und uns an die Arbeit gemacht. Innerhalb von 48 Stunden erstellten wir die Plattform, trommelten ein Team zusammen und fanden einen Partner für den Zahlungs- und Gutscheinverkehr. Nun geht die Reise los und wir sind sehr gespannt, was wir mit Havenmarkt schaffen können. Ab spätestens Donnerstag werden die Unternehmen gelistet sein und die Verkäufe können starten.
Landet das ganze Geld bei den Teilnehmern?
Soenke Blank: Ja, wir sind eine Non-Profit-Plattform. Es wird nur ein kleiner Betrag für Transaktionsgebühren erhoben. Es geht uns nicht darum, dass wir uns da Geld abzwacken. Das ist nicht der Plan. Wir wollen Freunde und Bekannte unterstützen, die in betroffenen Läden arbeiten oder selber welche haben. Damit wollen wir unseren Teil dazu beitragen, dass die Gastronomie und die ganzen Einzelhändler, die jetzt gerade so notleiden, weiter dabei bleiben. Damit wir unsere Lieblingsläden in Zukunft weiter besuchen können.
Gehören Sie selbst zu der betroffenen Gruppe?
Soenke Blank: Ich habe selbst mit Gastronomie nichts zu tun. Kevin auch nicht. Aber wir sind beide selbständig in einer Versicherungs- und einer Online-Agentur. Wir kennen einfach unfassbar viele Selbständige, die von der Krise betroffen sind. Wenn man jetzt seinen Job verliert, findet man so schnell keinen neuen. Und wenn man ein Haus bezahlen oder eine Familie ernähren muss und in Kurzarbeit geht, dann hat man einfach ein riesiges Problem zur Zeit. Deswegen ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem wir uns da gewidmet haben.

Restaurants ohne Gäste: Ab jetzt nur noch Außer-Haus-Verkauf

Video vom 20. März 2020
Mehrere gestapelte Stühle vor einem Restaurant stehend.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 25. März 2020, 13:15 Uhr