Anruf oder Fensterblick: So wird die Quarantäne in Bremen kontrolliert

Viele Kranke oder Corona-Verdächtige leben zur Zeit in Haus-Quarantäne. Sie zu brechen, ist streng verboten. Zwei Betroffene erzählen, wie sie kontrolliert werden.

Eine Frau vom Ordnungsamt auf der Straße.
Die Ordnungsämter vollstrecken die Quarantäne-Anordnungen und kontrollieren die Einhaltung. Wie sie das tun, ist in Bremen und Bremerhaven unterschiedlich. Bild: Imago | Deutzmann

Andrea V. ist an ihr Haus in Bremen gebunden. Sie wohnt zentral und wurde positiv auf Corona getestet. Seit vergangener Woche Sonntag ist sie in Quarantäne.

Corona oder Corona-Verdacht – das Gesetz ist da eindeutig: Die Behörden können Quarantäne anordnen, ihnen ist sogar ausdrücklich erlaubt, dafür in Grundrechte einzugreifen: " Das Grundrecht der Freiheit der Person ( ... ) kann insoweit eingeschränkt werden", steht im Infektionsschutzgesetz.

Im Land Bremen leben derzeit zahlreiche Menschen "abgesondert" – so nennt es das Gesetz: Allein in Bremerhaven sind es 50, die Zahlen für die Stadt Bremen sind aktuell nicht zu bekommen. Solange nichts anderes vereinbart ist, gilt die Quarantäne absolut: Niemand darf den Quarantäneort verlassen, auch nicht, wenn es das eigene Zuhause ist, auch nicht etwa nachts und ganz allein, um frische Luft zu schnappen.

Geldbuße oder Freiheitsstrafe drohen

Das Ordnungsamt habe das auch in aller Deutlichkeit angeordnet, erzählt Andrea V: "Ich habe das Haus nicht zu verlassen", sagt sie, und im Brief des Ordnungsamtes stand auch gleich, was sonst passiert: "Geldbuße oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe".

V. ist Asthmatikerin und Risikopatientin. Sie hat sich wohl bei einem Skiurlaub im Trentino angesteckt. Die Kontrollen findet sie okay. "Ich finde es aber komisch, dass der Umgang regional so unterschiedlich ist." Eine Bekannte in Delmenhorst bekäme nur jeden Tag einen Anruf vom Gesundheitsamt. Auch in Bremerhaven genügen offenbar Anrufe: "Wir machen regelmäßig Stichproben per Telefon", erklärt der Leiter des Bremerhavener Gesundheitsamtes, Ronny Möckel.

Die "Abgesonderten" in der Stadt Bremen bekommen hingegen persönlichen Besuch. Wie die Kontrollen laufen, erzählt ein Betroffener. Er ist seit mehr als einer Woche in Quarantäne, möchte namentlich aber nicht genannt werden. Seit zwei Tagen würden die Betroffenen zu Hause kontrolliert. Allerdings nicht mit direktem Kontakt: "Man erhält einen Anruf der Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit unterdrückter Nummer und muss sich zur Kontrolle ans Fenster stellen", schildert der Mann.

"Die Nachbarschaft fängt schon an zu reden"

Das Vorgehen fände er "grundsätzlich okay". Aber vielleicht jeden Tag kontrolliert zu werden, gehe ihm zu weit. Die Nachbarschaft fange schon an zu reden und bilde sich ihr ganz eigenes Bild, wenn ständig das Ordnungsamt vor der Tür stehe, meint er. Die Quarantäne sei schon hart genug "und ein solches Vorgehen findet bei allen Beteiligten keinen Zuspruch", glaubt der Betroffene. Vor allem denkt er, dass dieses Vorgehen irgendwann nicht mehr funktioniert.

Jetzt mag das Ordnungsamt vielleicht noch genug Personalstärke haben, um Kontrollen durchzuführen, aber wenn die Zahlen auch in Bremen explodieren, werden wahrscheinlich gar keine Kontrollen mehr möglich sein.

Ein mit dem Coronavirus infizierter Bremer in Quarantäne

Ob die Behörde das auch so sieht? Dazu war keine konkrete Antwort zu bekommen: "Die Lage ist außerordentlich dynamisch. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht alle Details beantworten", schrieb die Pressesprecherin des Bremer Innenressorts. Auch auf konkrete Fragen von buten un binnen, wie die Quarantäne-Kontrollen in der Stadt laufen, ging sie nicht ein.

Was bedeuten die Corona-Maßnahmen für die öffentliche Infrastruktur?

Video vom 17. März 2020
Senatorin Maike Schaefer bei der Pressekonferenz.

Autoren

  • Boris Hellmers
  • Christina Fee Moebus

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. März 2020, 15:10 Uhr