Bremen will Kindern und Jugendlichen nach Corona helfen

Audio vom 11. Juni 2021
Spielende Kinder aus der Vogelperspektive
Bild: Imago | David Tanecek
Bild: Imago | David Tanecek
  • Experten berichten Senat über Situation der Jugend
  • Kinder haben unter der Corona-Pandemie stark gelitten
  • Senat will Maßnahmen-Paket entwickeln

In Bremen wollen Politik und Experten Kinder und Jugendliche stärker in den Blick nehmen. Auf dem ersten Kinder-Corona-Gipfel, bei dem Experten aus Kinder- und Jugendhilfe mit dem Senat gesprochen haben, wurde deutlich, dass viele Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen durch die Pandemie körperlich und seelisch gelitten haben. Sie seien zwar medizinisch am wenigstens gefährdet gewesen, sagte der Bremer Kinderarzt Stefan Trapp. Aber Kinder und Jugendliche hätten im Lockdown "eine große Solidaritätsleistung für die Gesamtbevölkerung" erbracht.

Das ist schon herzzerreißend, wie verlassen die sich gefühlt haben.

Der Bremer Kinderarzt Stefan Trapp über Gespräche mit kleinen Patienten

Psychotherapeuten berichteten, dass die psychischen Störungen bei Kindern stark zugenommen haben. Zur Zeit gebe es lange Wartezeiten für Kinder, die eine Behandlung brauchen. Die psychiatrische Klinik Bremen Ost kritisierte, dass es zu wenige stationäre Plätze für schwere Fälle gibt.

Die meisten Familien seien noch gut durch den Lockdown in der ersten Corona-Welle im vergangenen Frühjahr gekommen, sagte der Psychiater Marc Dupont. Aber ab dem Jahreswechsel mitten in der zweiten Welle hätten sich die Fälle in seiner Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie gehäuft. Als eine Schlussfolgerung sagten die Experten, dass die Einrichtungen der Sozial- und Jugendhilfe sich nicht wieder so weit zurückziehen dürfen, wie dies im Lockdown geschehen sei. Kathrin Moosdorf vom Kinderschutzbund Bremen berichtete von viel mehr Fällen von körperlicher, sexueller oder seelischer Gewalt gegen Kinder.

Zum Kinder-Gipfel im September soll es ein Maßnahmen-Bündel geben

Kinderärzte und Sportpädagogen forderten mehr Spiel- und Sportflächen in den Stadtteilen. Die meisten Kinder hätten während der Pandemie zu wenig Bewegung gehabt. Und durch die fehlenden Kontakte mit Freunden seien viele Kinder auch in ihrer Sprachentwicklung zurückgeworfen worden. Kinderarzt Trapp warnte allerdings davor, Lernlücken bei Kindern während der Ferien oder am Wochenende aufholen zu wollen. Auch lernfreie Zeiten seien wichtig.

Im Auftrag der Bremischen Bürgerschaft sammelten Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) und Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) die Anregungen. Sie sollen in ein Bündel von Maßnahmen fließen. Im September soll es einen zweiten Kinder-Corona-Gipfel geben, dann auch mit der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Vor gut vier Wochen hatte die Bürgerschaft fraktionsübergreifend beschlossen, die speziellen Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche auszuwerten.

So will Ailton Bremer Kinder nach dem Lockdown zum Sport motivieren

Video vom 9. Juni 2021
Ailton lächelt in einer kleinen Schulsporthalle in die Kamera.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 11. Juni 2020, 17 Uhr