Warum steigen die Bremer Corona-Inzidenzen trotz hoher Impfquote?

Video vom 19. August 2021
Ein Schild in Pfeilform, auf dem das Wort Inzidenz steht, zeigt nach oben.
Bild: Imago | IMAGO / Christian Ohde
Bild: Imago | IMAGO / Christian Ohde

Bereits 68,5 Prozent der Bevölkerung im Land ist vollständig geimpft. Dennoch steigt die Inzidenz. In Bremerhaven hat sie sich innerhalb einer Woche sogar mehr als verdoppelt.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Impfstoff und Impftermine knapp bemessen waren. Mittlerweile haben 68,5 Prozent der Bevölkerung im Land Bremen eine vollständige Impfung gegen das Coronavirus erhalten. 72,9 Prozent sind mindestens einmal geimpft. Dennoch steigt die Inzidenz seit Tagen in beachtlicher Geschwindigkeit. Innerhalb von sieben Tagen hat sich der Wert allein in Bremerhaven mehr als verdoppelt, von 29 am vergangenen Donnerstag auf nun 66. Auch in der Stadt Bremen ist ein starker Anstieg zu beobachten. Hier stieg der Inzidenzwert von 29,4 vor sieben Tagen auf jetzt 44,7.

Wie kann das angesichts der hohen Impfquote sein? Lukas Fuhrmann, der Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, verweist auf das Alter vieler Neuinfizierter. Betroffen seien meist junge Menschen aus der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen. Gerade diese Gruppe sei sehr mobil und hätte mehr Kontakte als ältere Menschen.

Wir sehen hier eine Entwicklung nach dem Lockdown, in der viele Menschen wieder unterwegs sind. Und hinzu kommt, dass wir vermutlich in genau diesen Altersgruppen eine niedrigere Impfquote haben als in den älteren Altersgruppen.

Lukas Fuhrmann, Sprecher Gesundheitsbehörde

Es kommt in diesen Tagen auch wieder vermehrt zu Corona-Ausbrüchen, in deren Folge die Inzidenzen steigen. So geschehen in einem Restaurant in Bremerhaven oder auch in einem Logistikunternehmen im Bremer Umland, wodurch allein in der Stadt Bremen 35 Neuinfizierte registriert wurden.

Inzidenz als alleiniger Maßstab soll bald ausgedient haben

Angesichts des meist jüngeren Alters der Infizierten wird nun zu beobachten sein, inwieweit sich der Inzidenz-Anstieg auch auf die Kliniken auswirken wird. Schließlich sind die meisten Menschen in den älteren und damit gefährdeteren Gruppen inzwischen geimpft. Man müsse nun sehen, wie sich in den Kliniken die Zahlen in den kommenden beiden Wochen entwickeln werden, erklärt Fuhrmann. "Wir sehen jetzt schon, dass es sich bei den stationären Behandlungen überwiegend um ungeimpfte Personen handelt."

Dennoch sei laut des Ressortssprechers auch klar, dass junge Menschen generell weniger gefährdet sind. Zwar bleibe der Inzidenzwert eine Art Frühwarnsystem, dennoch könne der Wert aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen nicht mehr als alleiniger Maßstab herangezogen werden.

Wir entwickeln jetzt in Bremen ein System, mit dem wir auch mit anderen Indikatoren, beispielsweise mit der Krankenhausbelegung und dem Blick in die Intensivstationen, das Infektionsgeschehen vollständig einschätzen können.

Lukas Fuhrmann, Sprecher Gesundheitsbehörde

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. August 2021, 19:30 Uhr