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Darum finden Kritiker die Bremerhavener Corona-Maßnahmen zu schwach

Der Magistrat hat mit verschärften Regeln auf die anhaltend hohe Inzidenz reagiert. Kritik an unzureichenden Maßnahmen kommt aus der Opposition und von einem Virologen.

Ein Schild mit einem Kopf weist auf die Maskenpflicht hin.
Zu der Corona-Regelverschärfung in Bremerhaven gehört eine ausgeweitete Maskenpflicht. (Symbolbild) Bild: DPA | Rolf Vennenbernd

Die Opposition in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung sieht die neuen Corona-Maßnahmen in der Stadt kritisch. Vor allem die Maskenpflicht in der Innenstadt sei wenig zielführend. Der Magistrat hatte am Montag auf den anhaltend hohen Inzidenzwert von über 200 reagiert und neue Maßnahmen beschlossen. Zustimmung bekommen die Kritiker von einem Virologen.

Wie hat der Magistrat die Corona-Regeln verschärft?
Seit dem Wochenende liegt der Inzidenzwert der Corona-Infektionen in Bremerhaven anhaltend bei über 200, unter anderem durch einen Ausbruch in einem Altenheim. Am Montag hat daraufhin der Magistrat in einer Sondersitzung in Abstimmung mit dem Krisenstab eine Regelverschärfung beschlossen. Die Maßnahmen gelten ab dem 2. März bis einschließlich 12. März und sollen vorher nicht gelockert werden, auch wenn Bund und Länder das bei ihrem Treffen am Mittwoch beschließen sollten.

Es ist nun Pflicht, eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung in der Innenstadt zwischen Lloyd-, Columbus- und Deichstraße zu tragen. Dies gilt auch für Mitfahrende in Fahrzeugen, sobald sich darin mindestens zwei Haushalte befinden. Die Teilnehmerzahl für Veranstaltungen wurde von 100 auf 50 reduziert, etwa bei Gottesdiensten und Trauerfeiern. Eine Öffnung des Einzelhandels soll es nicht geben. Eine Schließung von Friseuren hält der Magistrat für nicht umsetzbar, so lange diese in Niedersachsen geöffnet haben. Außerdem hielt der Magistrat eine Ausgangssperre zunächst nicht für zwingend notwendig. Die Präsenzpflicht für den Unterricht wird an Grundschulen in Halbgruppen umgesetzt, ansonsten gilt er überwiegend für die Teilnahme am Distanzunterricht.
Was kritisiert daran die Opposition?
In einer Innenstadt, in der nichts los ist, bringt auch eine verschärfte Maskenpflicht nichts, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Grüne PP, Claudius Kaminiarz. Er bezeichnet diese Regel als Unsinn. Die Maßnahmen würden in der Fraktion durchaus kontrovers diskutiert: einerseits die Öffnung von Grundschulen und Friseuren, andererseits die angezogenen Zügel. Es gebe Argumente für beide Seiten. Man brauche jedoch drastischere Mittel, wenn sich die Zahlen nicht bessern. Da sei auch eine Ausgangssperre tagsüber denkbar.

Ähnlich sieht es die Fraktionsvorsitzende der Linken, Petra Brand. Sie fordert eine nächtliche Ausgangssperre, da Feiern und private Treffen mit zu vielen Personen so besser unterbunden werden könnten. Die Frage sei allerdings, ob es genug Ordnungspersonal gebe, um das am Ende zu kontrollieren.
Virologe Andreas Dotzauer steht auf einem Flur.
Andreas Dotzauer von der Uni Bremen plädiert aus virologischer Sicht für striktere Vorgaben in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen
Wie bewertet ein Virologe die Maßnahmen?
Auch der Virologe Andreas Dotzauer von der Universität Bremen schlägt ein weitreichenderes Maßnahmenpaket vor. Ein Inzidenzwert von mehr als 200 sei erschreckend. Man müsse sich angesichts dessen Gedanken machen, ob Öffnungen von Friseuren oder Grundschulen sinnvoll seien. Eine Maskenpflicht in der Innenstadt hält der Experte für weniger tauglich. Vielmehr müssten die Orte berücksichtigt werden, an denen sich Menschen auch tatsächlich treffen.

"Insgesamt muss es striktere Vorgaben geben und letztlich ein Maßnahmenpaket und keine Einzelmaßnahmen", rät Dotzauer. Nur eine Maskenpflicht oder nur eine Ausgangssperre alleine würden nicht helfen. Einzelne kleinere Maßnahmen hätten kaum eine Wirkung, verschiedene Maßnahmen müssten ineinander greifen. Und dieses Paket müsse dafür sorgen, dass Treffen reduziert werden.

Steigender Inzidenzwert in Bremerhaven: Wie geht es weiter?

Video vom 1. März 2021
Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz im Interview.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. März 2021, 19:30 Uhr