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Corona-Patienten im Land Bremen: So ist die Lage in den Kliniken

Corona-Patienten im Land Bremen: So ist die Lage in den Kliniken

Krankenschwestern und Pflegekräfte arbeiten im besonders geschützten Teil einer  Intensivstation für Corona-Patienten (Symbolbild)
Bild: DPA | Jens Büttner
Bild: DPA | Jens Büttner

Die Hospitalisierungsinzidenz zeigt die Auslastung der Krankenhäuser mit Corona-Patienten. Doch die Lage auf den Intensivstationen in Bremen und Bremerhaven ist komplexer.

Seit wenigen Wochen ist die Hospitalisierungsinzidenz unter anderem in Bremen der wichtige Wert für die Pandemie. Er gibt an, wie viele Menschen mit Corona in den vergangenen sieben Tagen in die Krankenhäuser gekommen sind. So soll ein Überblick über die Lage in den Kliniken entstehen und das System nicht überlasten. In Bremen-Stadt liegt der Wert aktuell laut Gesundheitsressort bei 2,47, Bremerhaven bei 7,04.

Bedeuten die Werte, dass die Krankenhäuser in Bremerhaven überlastet sind und in Bremen nicht?
Nein, so einfach lässt sich das nicht sagen. Denn es liegen auch Patienten ohne Corona auf den Intensivstationen. In der Stadt Bremen sind zum Beispiel fast alle der rund 140 Intensivbetten belegt – allerdings sind es nur 16 Corona-Patienten, die auf der Intensivstation liegen. Es wird aktuell also eher in Bremen eng, obwohl die Hospitalisierungsrate niedriger ist. In Bremerhaven stehen insgesamt 40 Betten zur Verfügung. Sieben Personen liegen hier mit Corona auf der Intensivstation, 13 Betten sind noch frei.
Vergangenes Jahr wurden Betten für Corona-Patienten freigehalten, jetzt nicht mehr?
Im letzten Jahr wurden noch fast alle sogenannten elektiven Eingriffe verschoben, um die Kapazitäten für Corona-Patienten freizuhalten. Das sind Operationen, die nicht wirklich akut sind und verschoben werden können. Die können im Moment relativ normal durchgeführt werden. Aber sollte sich die Situation verschärfen, es also vermehrt zu Corona-Patienten kommen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, ist auch das wieder eine Option. Genauso die Verlegung von Patienten in andere Krankenhäuser, die noch Kapazitäten haben.
Wie kritisch ist die Lage aktuell in den Krankenhäusern?
Vom Bremerhavener Klinikum Reinkenheide heißt es: die Lage sei angespannt – auch mit Blick auf das Umland. Aber noch sind genug Betten und Beatmungsgeräte da. Man muss allerdings auch im Blick haben, dass die Zahl der Impfdurchbrüche zunimmt, sagt der Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, Lukas Fuhrmann.

Tatsächlich haben wir die meisten Impfdurchbrüche im September registriert, also in den letzten fünf bis sechs Wochen. Wir haben aber auch mehr Impfungen, die jetzt sechs Monate her sind und bei denen der Impfschutz ein klein wenig nachgelassen hat.

Lukas Fuhrmann im Interview.
Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) waren deutschlandweit zuletzt rund 10 Prozent der Corona-Patienten, die auf Intensivstationen behandelt wurden, vollständig geimpft.

Ist die Impfung überhaupt sinnvoll, wenn eine Ansteckung trotzdem jederzeit möglich ist?
Ja, denn der größte Teil der Corona-Patienten mit besonders schweren Verläufen in den Krankenhäusern ist ungeimpft. Eine Impfung hilft also auf jeden Fall mit einem milden Verlauf durch die Krankheit zu kommen, betont der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.

Wir haben einen gewissen hohen Anteil an geimpften Personen, aber es kommt zu Kontakten, zwischen infizierten Personen und den geimpften Personen. Und dadurch ergibt sich, dass es keinen hundertprozentigen Impfschutz gibt. Man sieht aber auch, dass bei den Geimpften die Folgen dieser Infektion, die Hospitalisierung und die Behandlung mit dem Beatmungsgerät, deutlich niedriger sind, als bei den Nicht-Geimpften.

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.
Andreas Dotzauer, Bremer Virologe

Das bestätigen auch die Informationen aus dem Bremerhavener Klinikum Reinkenheide. Von da hieß es zuletzt immer wieder, dass die schweren Verläufe ausschließlich bei den Ungeimpften aufgetreten seien. Und auch das RKI sagt mit Blick auf die letzten vier Wochen: Eine Impfung schützt in über 90 Prozent der Fälle vor einer Intensivbehandlung.

Mehr Impfdurchbrüche: Bremerhavener Chor infiziert sich trotz Impfung

Video vom 11. Oktober 2021
Mehrere Chorschwestern und ihre Chorchefin in Bremerhaven beim singen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Patrick Florenkowsky
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 12. November 2021, 16:15 Uhr