Fragen & Antworten

So verlief der Impfstart für das Personal am Klinikum Bremerhaven

Das Klinikpersonal im Land Bremen wird mit dem frisch zugelassenen Impfstoff der Firma Moderna geimpft. Am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide gab es zum Auftakt viel Zuspruch.

Video vom 14. Januar 2021
Eine Pflegekraft wird von einem Arzt geimpft.
Bild: Radio Bremen
Wie ist der Impfstart am Klinikum Bremerhaven gelaufen?
Er sei sehr froh, dass es jetzt früher als erwartet endlich losgehen konnte, sagt Chefarzt und Infektiologe Martin Holtmann. Von den landesweit 1.200 angekündigten Impfdosen standen für den ersten Tag am Klinikum in Bremerhaven-Reinkenheide 66 Stück für Ärzte und Pflegepersonal bereit. Wie auch gesamtgesellschaftlich werde die Frage der Impfbereitschaft am Klinikum diskutiert, sagt Holtmann. Anfangs sei nicht klar gewesen, ob Skeptiker, nur weil sie vielleicht lauter sprächen, in der Mehrheit seien oder die Impfbefürworter. "Jetzt erleben wir eine Abstimmung mit den Füßen, die uns sehr optimistisch stimmt." Mit dem aktuellen Impfkontingent sei ein wichtiger Anfang in kritischen Bereichen wie Notaufnahme, Isolierstation, OP oder Intensivstation möglich. Langfristiges Ziel wäre es laut Holtmann allen 2.000 Mitarbeitenden des Klinikums die Impfung anzubieten – und eine Impfquote von mindestens 60 Prozent zu erreichen.
Ein Mann mit Maske und Kittel schaut in die Kamera.
Martin Holtmann ist Infektiologe und Chefarzt am Klinikum Bremerhaven. Bild: Radio Bremen
Wie wird das Impfangebot von den Mitarbeitenden angenommen?
Chefarzt Holtmann ist optimistisch die Quote von 60 Prozent zu erreichen. Dazu trage auch eine intensive Aufklärungsarbeit bei. In der Belegschaft gebe es ein hohes Maß an Aufgeklärtheit, die weit über Stammtischniveau hinaus gehe. "Ich habe mich belesen auf vielen guten Seiten", sagt Marion Hoffmann. Sie arbeitet in der Notaufnahme des Klinikums und war unter den ersten Geimpften. "Es gibt auch viele Fehlinformationen im Internet. Davon darf man sich nicht verrückt machen lassen." Was sie gelesen habe, habe sie überzeugt. Sie glaube, dass die Impfung der richtige Weg sei, irgendwann zu einem normalen Leben zurück zu kehren.

Im Team werde viel über die Impfung gesprochen, die meisten seien dafür. "Es gibt natürlich auch welche, die sich noch nicht dazu durchringen können", berichtet Hoffmann. "Das kann ich in irgendeiner Form verstehen, weil es noch keine Langzeitstudien über diese Impfung gibt." Man wisse nicht was in zehn Jahren oder vielleicht auch in einem Jahr sei. "Ich merke aber, je mehr sich von uns impfen lassen, desto mehr ziehen die anderen dann auch nach." Sie hoffe, dass das auch im ganzen der Fall sein werde. Auch Chefarzt Holtmann ist froh sich impfen lassen zu können, wenn er an der Reihe sei – und so einen Beitrag zu leisten, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen.
Eine Frau mit Maske und Kittel schaut in die Kamera.
Marion Hoffmann arbeitet in der Notaufnahme und war unter den ersten Geimpften am Klinikum Bremerhaven. Bild: Radio Bremen
Welche Rolle spielt die Sorte des Impfstoffs?
Keine, sagt Infektiologe Holtmann. "Biontec und Moderna funktionieren auf identische Weise. Da ist molekularbiologisch, zellbiologisch und somit wahrscheinlich auch immunologisch kein Unterschied." Und auch für die Mitarbeiterin der Notaufnahme war das egal. "Ich hatte mich über beide gut informiert", sagt Hoffmann. "Für mich gibt es da keine gravierenden Unterschiede in den Wirkstoffen." Sie habe die Inhaltsstoffe verglichen und vertraue beiden.
Wie steht es um die Impfpflicht-Debatte am Klinikum?
Für Chefarzt Holtmann ist die Sache klar: "Erstens ist es im Moment nicht nötig, dass wir die Diskussion bezüglich einer Impfpflicht hier mit Nachdruck führen." Die Impfbereitschaft sei so groß, dass es die Frage einer Impfpflicht unnötig mache. Und zweitens seien im Rahmen der Pandemie und des Lockdown die Einschränkungen auf allen Ebenen sehr groß, auch der persönlichen Freiheit. Daher müsse man sich darüber im Klaren sein, dass all diese Einschränkungen letztendlich Präzedenzfälle sein könnten, auf die man in späteren Notlagen und Krisenzeiten Bezug nehmen werde. "Von daher ist das nichts, das wir auf Ebene des Klinikums diskutieren sollten."

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Januar 2021, 19:30 Uhr