Interview

Seit Dienstag impfen Hausärzte in Bremen und Bremerhaven

Ab sofort dürfen Hausärzte Patienten gegen Corona impfen. In Bremen kriegen sie dafür vorerst nur den Impfstoff von Biontech. Pflegebedürftige Menschen kommen zuerst zum Zug.

Video vom 6. April 2021
Ein Apotheker zeigt den Corona Impfstoff der an die Hausärzte verteilt werden soll.
Bild: Radio Bremen

Lange haben sie warten müssen. Jetzt ist es so weit: Bremens niedergelassene Ärztinnen und Ärzte steigen mit ihren Praxen in die Corona-Impfungen ein. Allerdings steht ihnen hierzu vorerst ein stark begrenztes Kontingent an Impfdosen zur Verfügung. Bernhard Rochell und Peter Kurt Josenhans von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen erläutern, wie Bremens Ärzte beim Impfen verfahren wollen.

Wenn alles nach Plan läuft, können die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Land Bremen schon heute damit beginnen, Ihre Patientinnen und Patienten gegen Corona zu impfen. Rechnen Sie damit, dass nun ganz viele Leute in den Praxen anrufen, um beim Impfen vorgezogen zu werden?
Rochell: Wir möchten alle Bremerinnen und Bremer bitten, das zu lassen! Wir hoffen sehr, dass es nicht zu einer Anrufwelle in den Praxen kommt. In Einzelfällen wird es aber wohl passieren.

Josenhans: In der jetzigen Phase, so lange der Impfstoff knapp ist, werden die Ärzte auf die Patienten zugehen und sie zur Impfung einladen. Und zwar diejenigen zuerst, die aufgrund der bekannten Priorisierungs-Kategorien zuerst geimpft werden sollten.
Wie viele Praxen im Land Bremen werden impfen?
Josenhans: Wir haben noch keine verlässlichen Zahlen dazu. Aber wir gehen davon aus, dass nahezu alle hausärztlichen und fachärztlichen Praxen, die berechtigt sind, Impfungen durchzuführen, es auch tun werden.
Ärztinnen und Ärzte welcher Fachrichtungen sind das?
Rochell: Hausärztinnen und Hausärzte sowie beispielsweise Gynäkologen, Pneumologen, Internisten und Hämato-Onkologen.
Inwiefern unterscheiden sich die Kriterien, nach denen die niedergelassenen Ärzte ihre Patientinnen und Patienten impfen, von den Kriterien der Impfzentren?
Rochell: Es geht grundsätzlich nach den Dringlichkeitskriterien der Impfverordung. Wobei wir mit der Landesbehörde abgestimmt haben, dass sich die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zunächst auf jene Patientinnen und Patienten konzentrieren, die sich in häuslicher Pflege befinden, immobil sind, außerdem um die Impfungen der Begleitpersonen dieser pflegebedürftigen Menschen.
Gibt es noch eine weitere Gruppe?
Es gibt Patientinnen und Patienten, die jetzt gerade in ein Pflegeheim aufgenommen werden oder in häusliche Pflege kommen werden. Die sind meist noch nicht auf dem Radar der Impfzentren. Auch diese Menschen sollen bevorzugt von niedergelassenen Ärzten aufgesucht und geimpft werden. Hinzu kommen die Bezugspersonen schwangerer Frauen. Jede Schwangere hat das Recht, zwei Bezugspersonen zu benennen. Das werden in Bremen und in Bremerhaven die gynäkologischen Praxen übernehmen.
Die niedergelassenen Ärzte in Bremen sollen Ihrer Website zufolge zunächst ausschließlich Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer bekommen. Was halten Sie davon?
Josenhans: Das ist der letzte Stand. Allerdings kann sich das auch kurzfristig ändern. Wir sind dazu mit der senatorischen Dienststelle im Gespräch.
Würden Sie auch gern den Impfstoff von AstraZeneca verimpfen?
Rochell: Wir haben nicht genügend Impfstoff. Da kann man nicht die Frage nach den Idealen stellen, finde ich. In einer derartigen Situation sind wir einfach nicht. Aber wir wissen für jeden bei uns zugelassenen Impfstoff: Es ist sehr viel sinnvoller, das Risiko einer theoretisch möglichen Impfnebenwirkung einzugehen, als sich vor dieser Impfnebenwirkung durch Nicht-Impfung zu schützen und auf diese Weise Covid-19 in die Arme zu laufen. Insofern wäre es auch wünschenswert, dass wir – trotz der geltenden Einschränkungen – den Impfstoff von AstraZeneca einsetzen könnten. Wir haben großes Vertrauen in unsere Zulassungsbehörden.
Die Kassenärztliche Vereinigung hat sich schon sehr früh dafür ausgesprochen, dass Hausärzte Corona-Impfungen übernehmen sollten. Das Hauptargument: Die Hausärzte wüssten genau über ihre Patientinnen und Patienten Bescheid, anders als die Impfzentren. Fällt Ihnen ein Beispiel für eine Patientengruppe ein, wo dieser Vorteil besonders ins Gewicht fällt?
Josenhans: Uns ist von vielen Seiten zu Ohren gekommen, dass sich viele Menschen einfach deshalb lieber von Ihrem Hausarzt impfen lassen wollen als von einem unbekannten Arzt, weil sie ihrem Hausarzt besonders vertrauen.

Rochell: Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte kennen ihre Patienten und die Entwicklungen ihrer Krankheiten aus dem langjährigen Erleben und nicht bloß aufgrund einer Befragung aus Anlass der Impfung. Daher können sie sowohl von der medizinischen Warte aus als auch aufgrund ihrer persönlichen Beziehung zu den Patienten besser auf sie eingehen. Das kann gerade in einer Situation, wie sie gerade mit AstraZeneca erleben, wichtig sein, in der es darauf ankommt, den Patientinnen und Patienten Ängste zu nehmen. Aber: Das meine ich nicht als Kritik an den Impfzentren. Die erledigen ihre Aufgabe sehr gut und sehr professionell.
Wird die Corona-Impfung bei uns auf lange Sicht zu einer ähnlichen festen Größe wie die Grippe-Impfung?
Rochell: Darauf läuft es nach unserer Erwartung hinaus.

Bremer fordern mehr Klarheit bei der Impfreihenfolge

Video vom 31. März 2021
Eine Seniorin bekommt eine Impfung von einer Ärztin verabreicht.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. April, 19.30 Uhr