Carolin schenkt ihren Gröpelinger Tanzschülern Mutmacher-Geschichten

Die Bremer Tanzpädagogin Carolin Böse-Krings hält Kontakt mit ihren Schülern – und hört zu, wenn sie über Corona erzählen. Das inspirierte sie zu einer CD für Weihnachten.

Ein Mädchen hört sich gespannt etwas mit Kopfhöhrern an.
Gemütlichkeit und Entspannung: Auch das will Carolin den Kindern mit ihrer CD schenken. Bild: Imago | Westend61

"Seit 37 Jahren unterrichte ich als Tanzpädagogin Kinder. Die meisten begleite ich über eine langen Zeitraum: Sie fangen mit fünf Jahren bei mir an und bleiben bis zum Abitur. Ich erfahre also viel über sie und ihr Leben und bin nah an ihnen dran. In diesem Jahr habe ich von meinen kleinen Tänzerinnen und Tänzern im Lichthaus in Gröpelingen viele Coronageschichten aus Kindersicht erzählt bekommen.

Da ist zum Beispiel die sechssjährige Ava, die mir sagte: 'Corona ist soooo scheiße: Immer muss ich Abstand halten, aber ich kann das nicht. Ich habe mir schon extra 'Abstand' auf die Hände geschrieben.' Oder Julius, der immer ganz laut Abstand geschrien hat, wenn jemand zu nah gekommen ist.

Für Kinder ist das gerade eine sehr sensible Zeit. Sie finden Corona schrecklich oder erzählen, dass ihnen das Virus Angst macht.

Carolin, Tanzpädagogin
Tanzpädagogin Carolin Böse-Krings im Porträt
Carolin hat für ihre Tanzschülerinnen und -schüler eine CD aufgenommen. Bild: Privat

Wegen des Lockdowns dürfen wir schon seit November nicht mehr zusammen tanzen. Ich komme also nicht mehr an die Kinder heran. Um trotzdem mit ihnen in Kontakt zu bleiben, habe ich angefangen, ihnen zu Mails schreiben mit Film- und Musikvorschlägen. Den Tanzkurs online anzubieten, ist für mich keine Option. Ich kann einfach nicht vor einer Mattscheibe tanzen, das finde ich furchtbar. Und von meinen Tanzschülerinnen und Tanzschülern will das auch niemand. Da schreibe ich lieber Geschichten. Zum Beispiel über Frido.

Irgendwann während des Lockdowns habe mich hingesetzt und die ersten Frido-Geschichten geschrieben. Mir ging es darum aufzuzeigen, wie Kinder die Coronazeit erleben – zu Weihnachten und überhaupt.

Welche Gefühle spielen im Moment eine Rolle und was kann Kinder stark machen, trotz Corona?

Carolin, Tanzpädagogin

In einer Geschichte geht es zum Beispiel darum, wie Frido zum Menschenkenner wird. Wegen der Maske kann man ja gerade nicht mehr erkennen, wie jemand drauf ist. Aber Frido findet heraus, dass man auch über die Körperhaltung sehen kann, ob jemand gute oder schlechte Laune hat, wütend oder fröhlich ist.

Corona bedeutet auch Gemütlichkeit

Insgesamt sind so 14 Geschichten entstanden, die ich auf einer CD aufgenommen habe. Meine Freundin, die Karikaturistin Bettina Bexte, hat den Frido gezeichnet. In jeder CD findet sich zudem ein Spendenaufruf für die UNO-Flüchtlingshilfe. Vor den Feiertagen werde ich an alle meine Schülerinnen und Schüler eine CD verschicken – als Weihnachtsgeschenk. Unsere große Weihnachtsfeier im Lichthaus muss dieses Jahr ja leider ausfallen.

Ich wünsche mir, dass die Kinder durch die Geschichten von Frido erfahren, dass es manchmal Mut und Erfindungsreichtum braucht, um durch diese verrückte Zeit zu kommen. Die Corona-Zeit hat ja ganz viele Aspekte und nicht alle sind schlecht. Frido findet Corona zum Beispiel auch ganz gemütlich. Und auch das will ich den Kindern zeigen: Dass sie jetzt viel mehr Zeit mit sich haben und dass sie sich diese Zeit auch nehmen sollen. Die Geschichten sind übrigens nicht nur etwas für Kinder: Mein 50-jähriger Kollege, der gerade alleine in Quaratäne ist, hat mir erst neulich gesagt, wie gut sie ihm getan haben."

Das Gesprächsprotokoll wurde von Catherine Wenk verschriftlicht.

Wie feiert Bremen Weihnachten im Corona-Lockdown?

Video vom 15. Dezember 2020
Ein typisches Weihnachtsessen: Rotkohl, Klöße und Fleisch.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Dezember, 19:30 Uhr