So kämpft eine Bremerin gegen die Einsamkeit wegen Corona

Monatelang musste sich Petra Lange wegen einer Krebserkrankung isolieren. Jetzt ist sie durch Corona weiter Zuhause gefangen. Ein Experte gibt Tipps gegen die Einsamkeit.

Video vom 28. April 2020
Petra Lange sitzt auf einem grauen Sofa, vor einer weißen Wand. Sie hält eine pinke Tasse in der Hand.

Zurück ins Leben und voll durchstarten: Das hatte Petra Lange sich für dieses Jahr vorgenommen. Denn zehn Monate lang hatte eine Krebserkrankung ihr Leben auf den Kopf gestellt. "Im Februar konnte ich wieder angefangen mit Arbeiten, auf Konzerte gehen", erzählt die Bremerin. "Und dann kommt Corona, und mein komplettes Leben ist wieder auf null runtergefahren." Das heißt: Wieder Isolation - wieder alleine.

"Ich bin generell ein sehr kommunikativer Mensch, ich bin gerne mit Freunden zusammen, ich bin gerne draußen", sagt Petra Lange. Doch darauf jetzt zu verzichten sei noch nicht einmal das schlimmste an dieser Situation. "Das, was mich am allermeisten nervt, ist dieses Gefühl, nicht gebraucht zu werden. So nutzlos und so machtlos zu sein", beschreibt die Bremerin.

Die Suche nach den kleinen Highlights

Um sich abzulenken und das Gefühl zu bekommen, zumindest etwas kleines geschafft zu haben, hilft Petra Lange vor allem eins: Beschäftigung. Doch nach so vielen Wochen und Monaten alleine in der Wohnung gehen auch dafür die Ideen aus. "Man muss aufpassen, dass man nicht anfängt, zu Grübeln und in ein Loch zu fallen", sagt sie.

Um das zu verhindern, hat sie ihre eigene Strategie entwickelt: Auch im grauen Alltag in den immer gleichen vier Wänden sucht sie nach kleinen Highlights. "Ich hänge mir zum Beispiel abends mein 'Outfit des Tages' an meine Schlafzimmertür, auf das ich mich dann freue", erzählt Petra Lange.

Kontakte und Struktur erhalten

Psychologe Ulrich Stangier lobt diese Strategie. "Sie versucht bewusst Dinge zu planen, die ihr Freude bereiten könnten. Das ist ein positives Beispiel", sagt der Experte. Doch nicht alle Menschen könnten so damit umgehen. "Es gibt viele Menschen, die eher passiv werden und anfangen, sich zu isolieren und Kontakte nicht mehr weiter zu führen", weiß Stangier.

Um gerade diesen Menschen zu helfen, hat er mit seinem Team der Uni Frankfurt ein Corona-Krisentelefon eingerichtet. "Wir besprechen, wie die Tagesstruktur ist, ob man mehr Aktivitäten aufbauen und eben auch Kontakte aufrecht erhalten kann", beschreibt der Experte.

Auch in Bremer Psychotherapeuten weisen auf die Tagesstruktur hin. Wer aufsteht solle wie gewohnt frühstücken und andere Rituale einhalten. Das gibt Halt und Orientierung. Darüber hinaus sind viele Telefon-Hotlines geschaltet, wo Menschen Tipps und Unterstützung geben können.

Was macht die Corona-Kontaktbeschränkung mit uns?

Video vom 26. März 2020
Ein älterer Mann steht alleine an seinem Balkon.

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. April 2020, 19:30 Uhr