Kolumne

Wir brauchen einen "Deppenschein" für Unvernünftige

Viele halten sich noch immer nicht an die Regeln. Unser Redakteur Jochen Grabler hat eine Idee, wie alle anderen vor so viel Leichtsinn geschützt werden könnten.

Video vom 20. März 2020
Innensenator Ulrich Mäurer erläutert die Lage in Bremen zur Ausgangssperre.

Die beiden älteren Damen in Berlin: "Nö, in Kassel, also in Kassel, da ist ja nix. Und jetzt hatten wir halt die Reise gebucht." -- Im Alter wird man klug? Von wegen!

Die Gruppe von pickeligen Jugendlichen mit ihren Biervorräten im Park: "Oooch, Corona kriegen wir ja nicht!" -- Die Generation Fridays for Future hat verstanden, dass man auf wissenschaftlichen Rat hören und vernünftig sein soll? Ach was!

Der Vollhonk in der Schlange vor der Supermarktkasse, der bis auf zehn Zentimeter ranrückt. Wo hat der die letzten Wochen gewohnt? Im Wald, oder was?

Mit zehn, zwanzig Prozent Bekloppten muss man rechnen

Und, und, und... na, Sie wissen schon. Mit rund zehn, zwanzig Prozent Bekloppten in der Bevölkerung muss man ja immer rechnen. Die sollte man so gut es geht ignorieren. Weil: Im Normalfall bringt es nix, die überzeugen zu wollen. Ist aber kein Normalfall. Ist Ausnahmezustand. Weshalb der Befund ist: Wenn wir das weiter durchgehen lassen, wenn wir weiter so mit denen leben, dann werden nicht wenige Menschen sterben, die nicht sterben müssten. Wegen der Doofheit von wenigen.

Es ist zum Verrücktwerden! Die Anspannung in unseren Krankenhäusern, die verzweifelten Ärzte und Schwestern in Italien und Frankreich, die Bilder von den Leichen-Lkw in Bergamo, der jetzt schon entstandene irre wirtschaftliche Schaden -- all das reicht nicht aus, manche Menschen zur Vernunft zu bringen. "Da draußen ist die Atombombe gefallen -- hey, ich geh' mal eben vor die Bunkertür, ich brauch' dringend frische Luft! Bin gleich wieder da."

Wollen wir hinnehmen, dass wegen einer Minderheit des radikalen Doofsinns alle noch mehr leiden als ohnehin schon?

Jochen Grabler, Redakteur bei Radio Bremen

Was sollen wir also tun mit denen? Wollen wir hinnehmen, dass wegen einer Minderheit des radikalen Doofsinns alle noch mehr leiden als ohnehin schon? Wollen wir hinnehmen, dass diese Leben riskieren -- und zwar gerade das der Schwachen? Natürlich nicht!

Weitere Erklärungsversuche lohnen sich offenbar nicht

Die Zeit der Appelle ist vorbei. Lange, lange vor der Ansprache der Bundeskanzlerin musste doch jedem dressierten Schimpansen klar sein, wie wichtig es ist, jetzt vernünftig zu sein und Abstand zu halten. Wenn es nicht hinreichend Leute geben würde, deren Denkvermögen das von Schimpansen leider nicht erreicht. Lohnt offenbar nicht, denen nochmal und nochmal und nochmal ins Gewissen zu reden. 

Eine Grafik die darstellt, in welcher Geschwindigkeit andere Menschen angesteckt werden. HEUTE N A CH 5 T A GEN 2,5 Menschen 406 Menschen 15 Menschen 2,5 Menschen 1,25 Menschen 1 Mensch 1 Mensch 1 Mensch 0,625 Menschen N A CH 30 T A GEN INFIZIE R T INFIZIEREN INFIZIEREN INFIZIEREN INFIZIE R T INFIZIE R T 50% WENIGER S O Z I AL K O N T AK T GEWOH N TER S O Z I AL K O N T AK T 75% WENIGER S O Z I AL K O N T AK T
Quelle: University of San Diego, Signer Laboratory

Was fällt uns sonst ein? Kann man sie wegsperren? Wegen Verdacht auf Körperverletzung mit Todesfolge? Schafft die Polizei nicht. Leider! Sind zu viele.  

Finger hoch, wer glaubt, dass wir angesichts dieser Anzahl von Ignoranten um eine Ausgangssperre rumkommen? Na? Eben! 

Ich! Will! Das! Nicht! Weshalb jetzt die Quizfrage ist, was man sonst tun kann. Hat wer einen schlauen Vorschlag?

Ich mach mal den Anfang. Wir probieren 'ne neue Variante von "Abstand ist Anstand". Wer sich partout nicht an die Regeln halten will, der soll gerne so leben. Ernsthaft! Diese Leute zahlen ab sofort keine Krankenkassenbeiträge, verpflichten sich aber gleichzeitig, auf alle medizinischen Leistungen zu verzichten. Sie kriegen einen Ausweis. Ich nenne den mal "Deppenschein". Um die vernünftige Bevölkerung zu schützen, müssen sie sich in der Öffentlichkeit kenntlich machen -- vergessen Sie mal die Assoziationen mit der deutschen Geschichte, es geht nicht anders. Und dann können sie Coronaparties feiern, bis der Arzt nicht kommt. Das Gesundheitswesen wäre nicht unnötig belastet, und alle Vernünftigen wären geschützt. 

Deal? 

Kolumne "Ein Meter Fünfzig":

Autor

  • Jochen Grabler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. März 2020, 19:30 Uhr