Corona-Lockerungen: Das sagen Handel, Gastro und Tourismus in Bremen

  • Tourismusbranche moniert mangelnde Planbarkeit
  • Lage für Hotels und Gaststätten nach wie vor prekär
  • Handelsverband befürchtet Einkaufstourismus
Auf einer Wiese am Meer steht eine Reihe Strandkörbe.
Wie kann Tourismus im Norden in den kommenden Wochen und Monaten aussehen? Dass das noch nicht abzusehen ist, beunruhigt die Branche, so die Kurdirektorin der Wurster Nordseeküste. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern am späten Mittwochabend stehen für Bremen in einigen Bereichen neue Regelungen und potentielle Lockerungen in Aussicht – so auch etwa bei Gastronomie, Tourismus und Handel. Branchenvertreter sind jedoch zum Großteil unzufrieden mit den Ergebnissen der Ministerpräsidentenkonferenz.

So zeigte sich etwa Sandra Langheim gegenüber buten un binnen enttäuscht. Die Kurdirektorin der Wurster Nordseeküste monierte, alle Beschlüsse zum Tourismus seien auf den 22. März verschoben worden, sodass aktuell eine völlige Unsicherheit für die Branche bestehe. Sollten bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz dann Möglichkeiten für den Osterurlaub beschlossen werden, gäbe es ein großes Chaos, da wenige Tage später bereits die Osterferien starten, so Langheim. Aus touristischer Sicht gäbe es jetzt kein Öffnungsszenario; das sei sehr enttäuschend. Die Branche wisse somit nicht, worauf sie sich vorbereiten solle. Sie persönlich habe noch Hoffnung auf Osterurlaub, sagte die Kurdirektorin. Allerdings würde diese Hoffnung immer kleiner werden.

"Diese Einkaufsmöglichkeiten hätten wir schon zu Jahresbeginn gebraucht"

Auch der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Bremen sowie der Handelsverband Nordwest (HNW) halten die geplanten Lockerungen im Gastgewerbe und im Einzelhandel nicht für ausreichend. Das Termin-Shopping erst jetzt zu erlauben sei viel zu spät, so der hiesige HNW-Hauptgeschäftsführer Jan König.

"Click and Meet hätten wir schon zu Jahresbeginn gebraucht", erklärte er weiter. Es sei auch sehr fraglich, ob das für die Geschäfte überhaupt lukrativ sei. Grundsätzlich seien die Bremer Entscheidungen, diese Art des Einkaufens auch bei einer Inzidenz von über 100 zuzulassen, aber besser als in Niedersachsen. Dort werde man sich wohl an die bundesweiten Regelungen halten, Öffnungen erst bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 zu erlauben.

Knapp ein Drittel der Bremer Betriebe denkt über Schließung nach

Deshalb geht König von einem Einkaufstourismus aus: Menschen von außerhalb würden dann in Städten und Landkreisen einkaufen, deren Inzidenz unter 100 liegt, wie zum Beispiel in Oldenburg. In Niedersachsen betrifft das auch Geschäfte in Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hält die Lockerungen nicht für ausreichend, sie seien wirtschaftlich nicht tragfähig. Das sei ein Feigenblatt, sagte Hauptgeschäftsführerin der Bremer Dehoga Nathalie Rübsteck und für Hotels wie Gaststätten eine Katastrophe. 30 Prozent aller Betriebe in Bremen würden schon jetzt über eine Schließung nachdenken.

Bremer Senat will stufenweise lockern

Video vom 3. März 2021
Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Pressesprecher Christian Dohle und einer Gebärden-Dolmetscherin
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. März 2021, 19:30 Uhr