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Darum trennte sich Bremerin Ingrid wegen Corona von einer Freundin

Mit der Pandemie bewegten sich Ingrid aus Bremen-Huchting und eine Freundin auseinander. Dann wurde es Ingrid zu viel – sie brach den Kontakt ab, bis heute.

Ingrid Schmid
Ingrid: "Wer Corona so leugnet: Da muss man sich auch mal trennen können." Bild: Ingrid Schmid

"Am Anfang ging ich mit ihr noch auch noch konform. Das konnte man ja nicht ahnen, wie schnell und heftig sich das ausbreitet." Ingrid aus Bremen-Huchting erinnert sich, wie sich der Kontakt mit einer Freundin zu Beginn der Pandemie entwickelte. Die Rentnerin war selbst nicht klar, dass Corona so eine große Herausforderung werden würde. Deshalb war zwischen ihr und der Freundin erst mal alles ok. "Wir dachten, wir würden ein bisschen Schnupfen kriegen, mehr wusste man da ja auch noch nicht."

Doch zunehmend driftete die Freundschaft auseinander, erzählt Ingrid weiter. "Sie meinte, wir würden uns alle anstellen und sie wurde immer heftiger, auch in ihrer Ausdrucksweise." Die Freundin hätte gesagt, dass die Menschen gar nicht nachdenken und alle vermummt herumlaufen würden. Dann bekam Ingrid per WhatsApp ein Video: "Von einem Hendrik Pötzschke, den Namen habe ich mir extra aufgeschrieben", sagt sie. Pötzschke ist ein Informatiker, der Videos bei YouTube hochlädt und behauptet, das RKI trickse mit den Corona-Zahlen. "Der sagt, das falsche Inzidenzzahlen im Umlauf wären, die wären eigentlich viel niedriger und so viele Tote gebe es auch nicht. Und die Filme aus Italien mit den Toten wären aus einem anderem Jahr." Da habe sie gemerkt, dass etwas nicht passt.

"Komme mit meinem Reden nicht an"

"Das kann doch nicht angehen, dass Leute gibt, die so denken. Und dann sagte ich mir: "Das tust Du Dir nicht weiter an." Ingrid brach den Kontakt ab, antwortete nicht mehr auf Nachrichten. Sie meint aber, dass sie vorher alles versucht habe, ohne Chance auf echte Verständigung. "Ich merkte auch, dass ich mit meinem Reden gar nicht ankomme, dass ich sie gar nicht überzeugen kann. Die sind so in ihrem Kreis drin. Ich dachte, ich laufe gegen eine Wand regelrecht."

Ob sie traurig darüber ist, dass die Beziehung vielleicht für immer vorbei ist? "Absolut nicht. Wenn einer im wahrsten Sinne des Wortes querdenkt, dann tut mir das furchtbar leid, aber nicht weh. Da bin ich rigoros. Und da muss man sich auch mal trennen können." Aber eine Chance gibt es vielleicht doch? "Kaum. Aber wenn sie sich jetzt meldet und ganz vernünftig ist und von ihrem letzten Urlaub berichtet, ja gut, dann ist mir das vielleicht egal."

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Eine Grafik die zur Navigation dient. In Kreisen sind die einzelnen Zitatgeber bzw. Symbolbilder dargestellt. Versöhnung mit der Schwester Corona-Streit: Pit vermisst seinen Freund Wir schreibenwieder Briefe Ich bin isoliert Man muss sich auch mal trennen können Ich breche keine Kontakte ab Ich verstehe die Diskussionskultur nicht Meine Schwiegermutter driftet ab Die Beziehung zu den Eltern ist stärker Manchmal muss es einfach mal krachen
Bild: Radio Bremen

Der Bremer Soziologe Uwe Schimank untersucht Gesellschaftszusammenhalt

Video vom 10. September 2020
Soziologe Uwe Schimank im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2021, 19:30 Uhr