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Streit um Corona: Pit aus Bremens Umland vermisst seinen besten Freund

Pit hätte nie gedacht, dass sein Freund und Trauzeuge in diese Richtung gehen würde – Querdenker: "Klar bin ich traurig." Seit zwei Monaten haben sie sich nicht gesehen.

Zwei Männer umarmen sich freundschaftlich (Symbolbild)
Pit und sein bester Freund verbrachten viel Zeit miteinander. Dann kam Corona. (Symbolbild) Bild: Imago | Westend61

"Es ist nicht nur mein bester Freund, er ist auch mein Trauzeuge. Wir haben schon ein bisschen was durchgemacht zusammen." Pit* ist sauer – und traurig, wie er erzählt. Denn Corona stellt eine langjährige Beziehung gerade auf eine harte Probe. Seit zwei Monaten habe er seinen besten Freund nicht mehr gesehen.

Normalerweise würde er mit ihm die Baustellen auf dem Hof angehen. "Die mache ich gerne mit einem guten Freund, weil es nett ist, was zusammen zu machen. So einen ganzen Samstag zusammenarbeiten." Doch jetzt habe er Bäume rausgerissen – allein.

"Das stimmt nicht, was Du sagst"

Es fing im vergangenen Jahr an, wie Pit weiter erzählt. Eine Diskussion über die Todeszahlen, die Übersterblichkeit. "Da gingen damals Bilder rum, Meldungen, dass die Zahlen falsch seien. Da habe ich ihn gefragt, wo das herkommt. Da kamen nie Belege, keine Quellen. Das ging schon heiß her." Schließlich habe er sich informiert: "Ich glaube auch nicht alles, was mir vorgebetet wird. Sei es von der Politik oder von den Medien. Dann gucke ich auch ab und zu mal und denke mir meinen Teil." Aber in diesem Fall habe er seinem Freund gesagt: "Das stimmt nicht, was Du sagst."

Um es nicht eskalieren zu lassen, gaben beide Ruhe: "Weil wir beide dickköpfig und hitzköpfig sein können. Er hat mir auch gesagt, dass er mit mir nicht darüber sprechen kann und will, weil klar ist, dass wir zwei unterschiedliche Meinungen haben."

"Er bedeutet mir viel"

Sie schreiben und telefonieren seltener, die Aussagen seines Freunde würden extremer. "Wie soll uns was umbringen, was es nicht gibt", habe er einmal gemeint. "Was will man dagegen sagen?", fragt Pit. Am liebsten würde er das Thema vermeiden. "Aber man kommt verflucht noch mal nicht um das Thema herum." Es bestimme zurzeit ja das Leben aller, weil man ja nicht viel anderes erlebe. "Man kann ja nicht auf ein Konzert gehen, mal abdrehen, zu der Musik, die man gut findet."

"Er bedeutet mir viel", sagt der 40-Jährige. "Als ich meinen Hausbau gemacht habe, war er von Freitagabend bis Sonntagabend bei mir am Bau. So was. Eine enge Freundschaft eigentlich. Deshalb macht es mich – ja – es macht mich traurig." Ober er ihm das gerne einmal sagen würde? "Ja! Klar möchte ich ihm das mal sagen. Und dass ich – und andere – das nicht gedacht hätten, dass er einmal in diese Richtung geht. Querdenken und alles, was da los ist."

Wird es einmal wieder gut?

Pit verstehe einige Argumente seines Freundes sogar. Auch er könne nicht alle Regierungs-Entscheidungen nachvollziehen. "Aber mich so dagegen zu stellen, zu sagen, dass alles kompletter Humbug ist, das halte ich für nicht richtig." Pit würde gerne einmal wieder mit seinem Freund "dummes Zeug erzählen, einen reinen Männerabend machen. Am Tresen sitzen bleiben, bis der Erste umfällt. Aber wenn man erst mal Sabbelwasser getrunken hat, dann gibt ein Wort das andere – dem gehe ich aus dem Weg."

Glaubt er daran, dass es einmal wieder gut wird? "Weiß ich nicht, das muss echt die Zeit bringen. Ich bin da auch nicht so nachtragend, ich vergesse nur langsam. Ich würde es mir wünschen."

*Name von der Redaktion geändert

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Bild: Radio Bremen

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Video vom 22. Oktober 2020
Der Bremen Zwei Reporter Justus Wilhelm im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
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Autorin

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2021, 19:30 Uhr