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Klaus aus Varel: "Wir schreiben in der Pandemie Briefe – mit der Hand"

Eine Freundin aus Süddeutschland sieht er jetzt gar nicht mehr. "Dann schreibe ich ihr, was hier oben so los ist." Das schreiben mit Hand sei besondes entspannend.

Klaus Ferkinghoff sitzt vor einem Blockhaus und liest ein Buch
Bild: Klaus Ferkinghoff

Den letzten Brief schrieb Klaus an eine Freundin in Neunkirchen. "Wir schreiben jetzt häufiger wieder Karten oder einen Brief", sagt der 58 Jahre alte Berufskraftfahrer aus Varel. Für ihn und seine Frau sei das ein sehr persönlicher Weg, um Freundschaften in den kontaktarmen Zeiten zu pflegen.

Beide schreiben mit der Hand. "Meine Frau und ich haben jeder einen sehr guten Füllfederhalter", sagt Klaus. "Die Freundin aus Süddeutschland sehe ich jetzt gar nicht mehr, dann schreibe ich hier schon mal, was hier oben so los ist, wie es in Niedersachsen gerade so geht."

"Wir freuen uns, wenn die Zahlen runter gehen"

Klaus und seine Frau halten aber auch digital Kontakt zu anderen. Beide lieben Enten – die Autos. Das von ihnen organisierte jährliche Ententreffen fällt schon zum zweiten Mal aus, alle anderen Veranstaltungen auch, und trotzdem sehen sie ihre Community jetzt sogar häufiger: Jeden Sonntag, 17:30 Uhr, im Videochat. Worüber sie sprechen? "Alles Mögliche. Dass wir mal Atomkraftwerke gebaut haben und jetzt nicht wissen wohin damit. Über Enten, Gesellschaftspolitik." Gar nicht über Corona? "Doch, ein fester Bestandteil ist, dass wir ein Mal auf der Homepage des RKI die Inzidenzzahlen anschauen, in den Landkreisen, wo die Chatteilnehmer alle wohnen. Und dann freuen wir uns, wenn die Zahlen gesunken sind. Und jeder freut sich, wenn er ein kleines bisschen bessere Zahlen hat. Man redet kurz drüber und wendet sich wieder anderen Themen zu."

Mit der Hand schreiben entspannt

Dass Briefe und Karten schreiben sei aber eben persönlicher. Auch, wenn man sich mehr konzentrieren müsse dabei.: "Man überlegt vorher, was man schreibt und wie man es schreibt. Denn man baut ungerne Fehler ein, die kann man ja nicht wie am Computer korrigieren. Darum konzentriert man sich einfach mehr." Gleichzeitig sei es entspannend. "Ich komme dann immer in so eine Entspannungsphase rein, es ist stimmiger, das lässt sich schwer beschreiben, was das mit einem macht. Ich fühle mich immer besser, wenn ich mit der Hand geschrieben haben", sagt Klaus.

Bekommen Klaus und seine Frau denn jetzt selbst auch mehr Post? "Ja, wir haben unsere Patenkinder. Wir kommen von denen auch Post auf dem klassischen Weg. Und von Freunden, die man jetzt nicht besuchen kann." Im Flur hätten sie alle Karten an einem Schrank mit Klammern aufgehängt. "Das ist ein schönes Gefühl, man kann etwas anfassen. Das ist viel schöner einen Brief in der Hand zu halten, als eine WhatsApp-Nachricht zu lesen."

Die nächste Karte will Klaus einem Freund nach Dänemark schreiben, der in Kürze Geburtstag hat.

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Bild: Radio Bremen

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Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2021, 19:30 Uhr