Fragen & Antworten

Bremen und Bremerhaven stellen "Corona-Detektive" ein

  • Gesundheitsämter bilden “Containment Scouts“ aus
  • Sie sollen Kontaktpersonen von Infizierten aufspüren und beraten
  • Noch sind Stellen frei
Eine junge Frau sitzt am Schreibtisch vor ihrem Laptop und hat ein Handy in der Hand.
Als “Containment Scouts“ arbeiten in Bremen und Bremerhaven vor allem Studenten (Symbolbild). Bild: Imago | Westend61

Schritt für Schritt wird das Leben im Moment wieder hochgefahren. Darüber freuen sich viele, aber mehr Kontakte bedeuten zwangsläufig auch: Die Gefahr einer Infektion steigt. Um Kontakte nachzuverfolgen, rüsten vielerorts die Gesundheitsämter auf – auch in Bremen und Bremerhaven. Dort beginnen sogenannte “Containment Scouts“ ihre Arbeit.

Was macht so ein Scout?
"Containment" bedeutet Eindämmung. Das Ziel der Gesundheitsämter ist es, das Virus weiter einzudämmen. "Containment Scouts" sind im Prinzip "Corona-Detektive", sagt der Leiter des Bremerhavener Gesundheitsamtes Ronny Möckel. Sie sollen möglichst alle Personen aufspüren, mit denen ein Corona-Patient zuletzt Kontakt hatte. Wer lebt mit im Haushalt? Wer hat mit der infizierten Person zusammengearbeitet? Mit wem gab es private Treffen? In Bremerhaven arbeiteten bisher zehn, in Bremen 80 Personen an der Kontaktverfolgung. Das Personal der Gesundheitsämter schafft diese Aufgabe aber nicht mehr. Deshalb werden nun Scouts nach Vorgaben des Robert-Koch-Instituts geschult. Sie sollen Kontaktpersonen darüber informieren, dass sie Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten, und dann auch beraten, wie sie jetzt mit der Situation umgehen sollen.
Wie viele Scouts gibt es in Bremen und Bremerhaven?
In Bremen arbeiten künftig 30 "Containment Scouts", in Bremerhaven 25. Die meisten von ihnen sind Studenten. Sie sind vorerst für ein halbes Jahr angestellt.

Wir haben im Moment 25 Köpfe, in Teilen in Teilzeit. Ich gehe aber davon aus, dass das mittel- und langfristig nicht ausreichend ist.

Ein Mann sitzt in einem Büro und blickt in die Kamera.
Ronny Möckel, Leiter des Bremerhavener Gesundheitsamtes
Wie werden die Scouts ausgebildet?
Die Schulung dauert eine Woche: Die Scouts lernen den Umgang mit der entsprechenden EDV und beschäftigen sich mit dem Infektionsschutzgesetz. Auch Schulungen im Umgang mit Stress am Telefon gehören dazu. Ein wichtiger Inhalt ist zudem das Thema Datenschutz. Alle Scouts unterliegen der Verschwiegenheitspflicht, sie arbeiten unter der ärztlichen Schweigepflicht des Gesundheitsamtes.
Wie wird man “Containment Scout“?
Interessierte können sich bei den Gesundheitsämtern melden. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt für eine Stadt wie Bremerhaven etwa 30 Vollzeitkräfte. Bremen plant, in den kommenden Wochen weitere 50 Scouts einzustellen. Es sind also noch Stellen frei. Ganz wichtig ist aber, dass man sich für ein halbes Jahr bereiterklärt, diese Aufgabe zu übernehmen. Nach Angaben von Möckel verdienen die Scouts in Vollzeit fast 2.000 € brutto im Monat. Mitbringen müssen die neuen Scouts laut Gesundheitsamt vor allem Hartnäckigkeit und Einfühlungsvermögen, denn sie müssen den Infizierten sowie den Kontaktpersonen sehr private Fragen stellen – und das am Telefon.

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Sonja Harbers
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Buten un binnen, 4. Mai 2020, 19:30 Uhr