Wie geht es weiter mit der Bremer Konzertreihe "Club 100"?

Audio vom 3. Juni 2021
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Bild: Radio Bremen
Bild: Kulturkraken | Paul Post

Bisher ein voller Erfolg: Trotz Lockdown fanden 40 Streaming-Konzerte statt, das letzte sogar mit Publikum. Die Organisatoren wünschen sich weitere Förderung.

Der Songwirter Wirtz sitzt auf der Bühne und singt.
Schon 100 Zuschauer reichen aus für ein Gänsehautgefühl. Bild: Radio Bremen

Es war ein besonderer Moment als am Montag, dem 31. Mai zum ersten Mal Publikum bei einem Konzert der "Club-100"-Reihe im Pier 2 sein durfte. Der Musiker Wirtz trat mit seiner Band auf, 100 Menschen saßen auf roten Stühlen und in großen Abständen in der Konzerthalle. Gero Stubbe von der Konzertagentur Koopmann Concerts und Projektleiter des "Club 100" war begeistert: "Irgendwann haben einfach alle geklatscht, das war mein Gänsehautmoment. Ich dachte erst 100 Leute, das ficht mich nicht an. Aber als sie dann Radau gemacht haben, war das schon erhebend." Kaum darf wieder Publikum vor Ort sein, endet aber die Reihe und ob es im Sommer weitere Veranstaltungen unter dem Namen "Club 100" geben wird, muss nun verhandelt werden.

Das Land Bremen ist bereits als Unterstützer aufgetreten. 1,2 Millionen Euro wurden für die Veranstaltungen von Januar bis Juni als Fördergeld bewilligt und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) betont, dass die Veranstaltungsbranche für sie einen wichtigen Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzmotor darstellt: "Es sind ja nicht nur die Veranstalter selbst, sondern da hängen ja nachgelagerte Gewerke dran: Tontechniker, Lichttechniker, Caterer etc."

Fördern ja – bloß aus welchem Topf?

Mit reduziertem Publikum im Sommer bleiben Konzertveranstaltungen allerdings weiterhin unwirtschaftlich und Gero Stubbe hofft deswegen auf erneute Förderung: "Wir wissen, dass Frau Vogt dieses Projekt sehr schätzt und sie weiß, dass wir die Fortsetzung wollen. Sie ist sich auch bewusst, dass die Zeit drängt. Es gibt ein fertiges Konzept, über das wir schon in Ansätzen gesprochen haben."

In der Halle des Pier 2 soll mit dem Projekt "Club100" die Veranstaltungsbanche wiederbelebt werden
Mit einem Hygienekonzept konnte die Halle des Pier 2 wiederbelebt werden. Bild: Radio Bremen | Jens Otto

Ein allgemeines Programm vom Bremer Senat gibt es bereits: Drei Millionen Euro wurden für ein Freiflächenprogramm bewilligt, mit dem beispielsweise die Infrastruktur von Open-Air-Veranstaltungen unterstützt werden soll. Zudem gibt es ab dem 1. Juli einen Sonderfonds des Bundes in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Mit dem Geld sollen beispielsweise wegen reduzierter Zuschauerzahlen unwirtschaftliche Theateraufführungen, Kinovorstellungen oder eben Konzertveranstaltungen subventioniert werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete diesen Fonds als "größtes Kulturförderprogramm seit Gründung der Bundesrepublik." Um diese Förderung zu erhalten, müssen Veranstaltungen zunächst mit Unterlagen wie einem Hygienekonzept registriert werden. Ein konkreter Antrag kann aber erst nach der Durchführung gestellt werden und die Hilfe kommt somit erst hinterher.

Für Gero Stubbe stellt dieses Programm dadurch keine Lösung dar, denn für viele bereits finanziell klamme Clubs bedeute das ein enormes Risiko: "Ich glaube, Herr Scholz hat nicht richtig gelesen, wie das umgesetzt werden soll. So wie das momentan auf dem Tisch liegt, nützt es nicht besonders vielen Kolleginnen und Kollegen was." Ebenfalls Teil des "Club-100"-Teams ist Olli Brock, Konzertveranstalter bei der Agentur Hafensänger und Betreiber des Pier 2. Er sieht in dem Bundesprogramm ebenfalls wenig praktische Hilfe: "Die Förderprogramm des Bundes sind höchstens kostendeckend, aber man braucht ja auch Geld zum Leben. Gerade die kleinen Klub-Betreiber machen das auch mit viel Herzblut."

Diese '2,5 Milliarden'-Überschrift wird immer abgefeiert, aber die Details werden oft vergessen.

Olli Brock, Konzertveranstalter

Deswegen hat sich der "Club 100" erneut ans Land Bremen gewandt und hofft auf direkte Unterstützung. Kristina Vogt erklärt, dass sie sich zunächst auf die Bundesmittel bewerben müssen, lässt aber auch eine Hintertür offen: "Bundesmittel gehen vor Landesmitteln, das ist bei jedem Projekt so. Und die gelten eben erst ab 1. Juli. Wenn die Bedingungen nicht passen und unsere Open-Air-Förderung auch nicht ausreicht, sind wir natürlich im Gespräch das Projekt weiter zu unterstützen."

Sie betont aber auch, dass der "Club 100" dafür weiterhin seine offene Struktur mit vielen verschiedenen Veranstalterinnen und Veranstaltern behalten müsse, denn es dürfe "keine spezielle Förderung für einen Veranstalter oder für einen Klub sein." Wenn es eine passende Förderung gebe, sieht Gero Stubbe darin gar kein Problem: "Warum sollen wir das anders machen? Es hat sich ja absolut bewährt und wir wollen wieder alle mit ins Boot holen."

"Club-100"-Konzerte könnten auf Reisen gehen

Das Pier 2- Gebäude in Bremen.
"Club-100"-Konzerte könnten überall stattfinden. Bild: Radio Bremen

Für den Sommer planen viele Veranstalter und Veranstalterinnen bereits "Club-100"-unabhängige Konzerte an anderen Orten. Für Olli Brock vom Pier 2, wo bisher alle "Club-100"-Events stattgefunden haben, wäre aber die Konzertreihe im Sommer nicht zwangsläufig ortsgebunden: "Wir brauchen den "Club 100" nicht unbedingt nur am Pier 2 als Open-Air-Veranstaltung, sondern können auch auf Reisen gehen."

Deutschlandweit hat der "Club 100" aus Bremen viel Aufmerksamkeit bekommen und die Verantwortlichen sowie die Bremer Wirtschaftssenatorin wollen grundsätzlich, dass die Reihe im Sommer beispielsweise mit Open-Air-Konzerten weitergehen kann. Es hängt nun daran, ob eine finanzielle Förderung durch den Bund oder das Land möglich ist und wie schnell diese kommt. Gero Stubbe zählt bereits die Tage: "Für mich fühlt sich das 50:50 an, wohl fühle ich mich erst bei 70:30. Alle Seiten versuchen da was, aber der Sommer geht nicht bis Dezember. Der ist Ende September vorbei."

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Autor

  • Till Lorenzen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 3. Juni 2021, 9:40 Uhr