Warum der verhüllte Triumphbogen in Paris auch "Made in Bremen" ist

Video vom 17. September 2021
Der Triumphbogen in Paris wird in Stoff verhüllt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Viele Jahre plante der inzwischen verstorbene Künstler Christo, das weltberühmte Wahrzeichen zu verpacken. Nun ist es soweit – und eine Bremer Firma hat großen Anteil daran.

Es ist eines der bekanntesten Wahrzeichens von Paris und Schauplatz des letzten großen Wirkens des Verhüllungskünstlers Christo: der Rundbogen am Ende der Champs Élysée in der französischen Hauptstadt. Für sein letztes Projekt, die Verhüllung des Triumphbogens, hat Christo bereits vor seinem Tod 3.500 Meter Tauwerk in Signalrot eingeplant. Den Auftrag dafür hat Klaus Walters Firma "Gleistein Ropes" in Bremen-Blumenthal bekommen.

Der Bremer Tauwerksproduzent hat Christo schon 1995 bei der Verhüllung des Reichstags in Berlin kennengelernt und erinnert sich gut an den charismatischen Künstler. "Ein Mann mit einer großen Aura, mit sehr klaren Vorstellungen, sehr umgänglich, sehr freundlich", sagt Walther.

1995: Kunst am Reichstag

In Berlin wurden Christo und seine Frau Jeanne-Claude 1995 wie Popstars bejubelt. Fünf Millionen Menschen schauten sich den verhüllten Reichstag live vor Ort an. Schon damals waren es Gleistein-Seile, die den Stoff am Gebäude festhielten.

Der Reichstag war viel größer, mehr als vier Mal so groß. Er ist sogar höher und natürlich viel breiter. Aber es ist trotzdem eine riesige Herausforderung, vor allem, weil man dem Gebäude ja nichts tun darf.

Klaus Walther, Geschäftsführer Gleistein Ropes
Klaus Walther, Geschäftsführer Gleistein Ropes
Christo zeigt den Entwurf zur Verhüllung des Triumphbogen in Paris
Die Pläne für sein letztes Verhüllungsprojekt in Paris waren bereits vor dem Tod des Künstlers fertig. Bild: Radio Bremen

Die Verhüllung des Triumphbogens in Paris ist nicht Christos größtes oder spektakulärstes Projekt – aber es wird sein letztes sein. Die Herausforderung mit der Baustelle an der Champs Élysée beschrieb Christo kurz vor seinem Tod 2020 so: "Die größte Herausforderung an einem solchen urbanen Projekt ist, dass wir nicht viel Platz haben, sondern wir sind in einer riesigen Stadt, wo viel drumherum passiert."

Nicht irgendein Tauwerk

Die ersten Entwürfe für das Projekt Triumphbogen stammen aus dem Jahr 1963. Christo hiterließ bei seinem Tod genaue Vorgaben für jedes Detail, auch dafür, was das Tauwerk können muss.

Die Verhüllung eines Gebäudes ist rechtlich gesehen ein Gebäude um ein Gebäude. Man muss eine Brandschutzklasse erfüllen, das können wir nur, weil wir die Faser selber machen und einen Flammenschutz hinzufügen können. Wir müssen genau sagen können, was die Seile in den zwei Wochen am Gebäude machen. Bestimmte Vorspannungen müssen von dem Seil gehalten werden können, es darf nicht die Farbe verlieren, was bei roten Seilen nicht zu unterschätzen ist. Insofern ist das schon ein komplexes Produkt.

Klaus Walther, Geschäftsführer Gleistein Ropes
Klaus Walther, Geschäftsführer Gleistein Ropes
Ein mit rotem Tau verbundenes Paket wird geöffnet
Sie müssen belastbar sein und allen behördlichen Bestimmungen standhalten: Das Tauwerk aus Bremen-Blumenthal erfüllt alle Kriterien, die für das Christo-Projekt wichtig sind. Bild: Radio Bremen

Es steckt viel deutsches Know-How in dem Projekt: Die 25.000 Quadratmeter blausilbernen Stoffs, die nötig sind, kommen von der Lübecker Firma "Geo". An den Schlaufen könnte man Autos aufhängen. Auch das Zusammenspiel von Stoff und Seilen und Konstruktion ist genau geplant. "Keine einzige Falte des Stoffes ist Zufall, das hat Christo alles genauso geplant, wie es umgesetzt wird. Auch kein einziger Seilverlauf ist Zufall, auch das hat Christo alles genau geplant. Was wie zufällig aussieht, ist wirklich exakt erdacht und von Ingenieuren umgesetzt", sagt Walther.

Seile und Stoff für Frieden

Der von Christos Entwurf verhüllte Triumphbogen in Paris
Fast fertig – aber noch nicht ganz: Hier fehlen noch die typischen Seile, die Christos Kunstwerke auszeichnen. Bild: Radio Bremen

Für Klaus Walther beschließt Christo mit seinem Pariser Projekt sein Lebenswerk in einem großen Bogen. "Ich glaube beim Reichstag hat Christo es geschafft, dass wir uns als Deutsche mit dem Gebäude versöhnen konnten – trotz der wechselhaften Geschichte. Beim Triumphbogen ist es nach meinem Verständnis ganz klar als ein Appell für den Frieden und das Miteinander gemeint", glaubt Walther. Bis zum 3. Oktober dauert Christos letzte Verhüllung. Dann dürfen die Kletterer wieder hoch auf den Arc des Triomphe – und alles wieder einpacken – auch die Seile aus Blumenthal.

Autor

  • Volker Kölling Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. September 2021, 19:30 Uhr