Interview

Bremerhavener flüchtet vor Coronavirus aus China

Willy Reinhard ist am Freitag aus China zurückgekehrt. Die Situation dort beschreibt er als entspannt. Hier erzählt er, warum er dennoch nicht bleiben wollte.

Video vom 1. Februar 2020
Willy Reinhard trägt eine Lesebrille und schaut auf sein Smartphone.

Bundesgesundheitsministerium und Robert-Koch-Institut beruhigen – dennoch sorgt die Ausbreitung des Coronavirus in China auch hierzulande für Aufregung. Am Samstag hat die Bundesregierung 102 Deutsche aus dem Coronavirus-Gebiet ausgeflogen und mittlerweile ist die Zahl der Infektionen in Deutschland auf acht gestiegen.

Bereits am Freitagabend ist der Bremerhavener Willy Reinhard aus China zurückgekehrt. Die Eltern von Reinhards Frau leben in China, gemeinsam mit ihrer Tochter hatten die beiden ihre Verwandten besucht. Reinhard war zwar nicht im Virus-Gebiet, erlebte aber, wie ein Infizierter nur wenige Meter vor ihm isoliert wurde. Danach ist er mit seiner Tochter vorzeitig abgereist – aus Vorsicht. Seine Frau ist bei ihren Eltern geblieben. Wir haben mit ihm über seine Erlebnisse gesprochen.

Eine Frau in einem weißen Schutzanzug kontrolliert eine Autofahrerin.
Die Menschen gehen in China laut Reinhard gelassen mit der Situation um und lassen die vielen Kontrollen über sich ergehen. Bild: Willy Reinhard | Willy Reinhard
Herr Reinhard, Sie wollten eigentlich länger in China bleiben. Sie waren in Shenyang im Nordosten Chinas, der Coronavirus grassiert gerade vor allem im Südosten des Landes – mehr als 1.000 Kilometer von Shenyang entfernt. Warum sind Sie trotzdem schon zurückgekommen?
Wir hatten die Rückreise eigentlich erst für den 12. Februar geplant. In der Gegend, in der wir gewohnt haben, gab es aber 500 Meter von uns entfernt einen Vorfall. Da ist ein Infizierter abgeholt worden und da wurde sofort das ganze Viertel abgesperrt. Und da haben wir doch einen Schreck bekommen. Da hab ich mich entschlossen, mit meiner Tochter nach Hause zu fliegen.
Auch wenn Sie weit weg waren von den hauptsächlich betroffenen Regionen in China: Was haben Sie denn von dem Umgang der Menschen mit dem Viurs mitbekommen?
Also die Chinesen sind ziemlich cool. Das Zusammenspiel zwischen Regierung, den Medien und der Bevölkerung klappt da einwandfrei. Wenn die Regierung morgens sagt 'Passt auf Leute, bleibt mal schön zu Hause sitzen' bleiben die auch alle zu Hause. Wenn die Regierung sagt, die Restaurants werden geschlossen, bleibt alles dicht. Parks zu, Badehäuser zu, Karaoke-Bars, alles ist geschlossen vom einen auf den anderen Tag. Und es ist erschreckend, wenn man das Gewusel in China kennt. Ich sag' mal so, viele kennen den Bremer Freimarkt am Samstagabend, wenn Feuerwerk ist, so ist es da täglich. Und auf einmal ist gähnende Leere auf den Straßen. Die Shopping-Malls sind leer, kein Mensch ist da mehr drin. Das ist schon beängstigend mit anzusehen.
Willy Reinhard schaut sich ein Foto auf seinem Smartphone an, auf dem er und seine Frau einen Mundschutz tragen.
Mundschutz ist Pflicht: Reinhard zeigt ein Foto von sich mit Maske.
Sie sind am Freitag von China nach Frankfurt und dann weiter nach Bremen geflogen. Wurden Sie auf Ihrem Rückflug untersucht?
Bevor wir überhaupt zum Flughafen gekommen sind, haben die Chinesen kontrolliert wie die Weltmeister. Die ganzen Autobahnen, die Ausfahrtstraßen sind alle gesperrt gewesen. Überall wurde Fieber gemessen, überall sah man dann auch diese weißen verkleideten Männchen, die einen kontrolliert haben. Da kamen dann die Fragen 'Wo wollen Sie hin, wo kommen Sie her, mit wem hatten Sie Kontakt?' Die Autonummer wurde aufgeschrieben, man musste das Flugticket vorweisen, sonst wären wir gar nicht durchgekommen.
Einige Ihrer Familienangehörigen sind ja noch in China. Wie schützen sie sich?
Meine Frau und ist noch in China. Die ist bei ihren Eltern geblieben. Mundschutz ist Pflicht. Es läuft kein Mensch mehr ohne Mundschutz auf der Straße herum. Man geht nicht mehr raus. Man geht nur noch zum Supermarkt einkaufen und bleibt unter sich. Man meidet den Kontakt von Menschenansammlungen, wenn es überhaupt noch welche gibt. Man bleibt einfach unter sich und in seiner Wohnung und mit Freunden und das war's.

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Autoren

  • Lea Reinhard
  • Andree Pfitzner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Februar 2020, 19:30 Uhr