Bremer zeigen wenig Interesse an Cannabis auf Rezept

Die Nachfrage nach Cannabis auf Rezept ist bundesweit deutlich höher als erwartet. In Bremen sieht die Lage laut Krankenkassen allerdings anders aus.

Ein Patient hält eine Dose mit Cannabis in der Hand.
Bild: DPA | Swen Pförtner

In den vergangenen zehn Monaten beantragten bundesweit mehr als 13.000 Menschen bei ihren Krankenkassen Cannabis auf Rezept – deutlich mehr, als ursprünglich erwartet. In Bremen jedoch sei die Nachfrage eher verhalten, halten drei der größten Krankenkassen auf Nachfrage von buten un binnen fest.

Bei der AOK Bremen/Bremerhaven gingen demnach 31 Anträge ein, bei der Barmer acht Anträge. Die Techniker Krankenkasse schätzt die Zahl der Anträge auf 25. Cannabis auf Rezept sei in Bremen ein Randthema, sagt Michael Erdmann von der Barmer-Krankenkasse.

Die Krankenkassen dürfen die Kosten nur unter sehr eng gefassten Voraussetzungen übernehmen. Dazu gehört, dass es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, bei der es zu einer Behandlung mit Cannabis-Arzneimitteln keine Alternative gibt. Außerdem muss es eine Aussicht darauf geben, dass sich der Krankheitsverlauf oder schwerwiegende Symptome positiv beeinflussen lassen.

Michael Erdmann, Barmer-Krankenkasse

Bundesweit wurden etwa zwei Drittel der Anträge tatsächlich bewilligt. Viele Anträge seien aber nicht vollständig, sodass die Patienten diese auch nochmals einreichen könnten.

Bremer ebnete Weg für Cannabis auf Rezept

Seit März 2017 ist ein Gesetz in Kraft, das Schwerkranken den Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtert. Ist der Antrag berechtigt, muss die Krankenkasse die Kosten übernehmen. Vorher brauchten Patienten eine Ausnahme-Erlaubnis, die mühsam beantragt werden musste. Auch die Kosten mussten die Patienten selbst tragen. Ingesamt hatten 2017 1.020 Menschen eine solche Sondererlaubnis. In Bremen gab es laut Mitteilung des Senats 2016 zwei Patienten, die auf dieser Basis Cannabis konsumieren durften.

Den Weg für das neue Gesetz ebnete übrigens auch ein Bremer Professor: Der Strafrechtsexperte Lorenz Böllinger erstritt 1999 für acht Patienten Ausnahme-Regelungen für die Cannabis-Nutzung als Medikament.

  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Januar 2018, 23:20 Uhr